67. „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“
Niedersachsens Ministerpräsident folgt auf Kieler Kollegen
Die Palme bleibt im Norden: Olaf Lies ist neuer Grünkohlkönig
Olaf Lies (SPD) war bereits mehrfach als Kabinettsmitglied der Niedersächsischen Landesregierung zu Gast beim „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in Berlin – am Montagabend, 2. März 2026, ist er nun zum Nachfolger von Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, gekürt worden. „Mit meiner Leidenschaft für ein gutes Grünkohlessen fühle ich mich im Herzen des Oldenburger Landes zuhause – eine Region voller Bodenständigkeit, Vertrauen und Zukunftsmut. Es ist mir eine Ehre, nun Kohlmajestät sein zu dürfen. Oldenburg kann sich sicher sein, dass ich die Stadt und das Amt in der ganzen Republik würdevoll und auf kulinarisch höchstem Niveau vertreten werde“, so Niedersachsens Ministerpräsident.
Mit seiner Inthronisation reiht sich Lies in die Liste prominenter Politikerinnen und Politiker ein – die Riege reicht von Helmut Schmidt und Helmut Kohl über Gerhard Schröder und Angela Merkel bis hin zu Robert Habeck, Christian Lindner und Boris Pistorius –, denen Oldenburgs Kohlkönigswürde bereits zuteilgeworden ist.
Rund 270 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben
Die 67. Auflage des „Gröönkohl-Ätens“ fand wie gewohnt in der Vertretung des Landes Niedersachsen in der Bundeshauptstadt statt. Rund 270 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben sorgten für einen vollen Saal. Unter ihnen war auch Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke), der kurzfristig der Einladung gefolgt war, sowie Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens und Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs. Der Botschafter der Republik Litauen, Giedrius Puodžiūnas, gab sich ebenfalls die Ehre. Mit Stephan Weil war in Personalunion sowohl ein ehemaliger Grünkohlkönig als auch ein Ministerpräsident außer Dienst anwesend.
Mit großem Interesse verfolgten die Gäste die Abtrittsrede von Daniel Günther und die Antrittsrede von Olaf Lies. Zuvor hatten Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Niedersachsens Landtagspräsidentin Hanna Naber als Schirmherrin der Veranstaltung mit ihren Ansprachen auf den „Machtwechsel“ eingestimmt. Für Oberbürgermeister Jürgen Krogmann war es das letzte Berliner Kohlessen in dieser Funktion. Er teilte einige Erinnerungen und zog das Fazit: „Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist – und solange man noch hier alleine aufs Podest kommt.“
Blick auf die Regentschaft von Daniel Günther
Krogmann lobte zunächst Vorgänger Daniel Günther: „Du hast alle unsere Erwartungen erfüllt. Dir war das Amt geradezu auf den Leib geschrieben. Das gute Essen, die gehaltvollen Getränke, die derben Reden – für dich kein Problem: Für irgendwas müssen die Jahre in der Jungen Union ja gut gewesen sein.“ Und weiter: „Wir danken dir für deine weise und kluge Regierung und natürlich ganz besonders für deinen spontanen Besuch auf dem Kramermarkt! Es war uns Oldenburgern eine Ehre.“
Daniel Günther blickte ein wenig wehmütig auf seine Amtszeit als Kohlmajestät zurück – und bot sich direkt dem Kurfürsten-Kollegium erneut zur Wahl an. „Für mich war das eine wunderbare Zeit. Nebenbei Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und Grünkohlkönig in Oldenburg.“ Er fand auch ernstere Worte. Er appellierte daran, sich in diesen aufgeregten Zeiten an einen Tisch zu setzen, miteinander zu reden statt übereinander, zuzuhören und so für Freiheit und Demokratie einzustehen – ungeachtet aller unterschiedlicher politischen Meinungen oder Positionen.
Kohlkönig Olaf Lies will anpacken
An Lies gewandt sagte Jürgen Krogmann nach einer Aufzählung einiger gemeinsam erlebter Anekdoten: „Wir sind ja stolz auf unsere Stadt und unsere Region. Und unser bestes Pferd im Stall leihen wir den Niedersachsen gern als Regierungschef. Aber was ist schon ein Chefsessel in Hannover, wenn man einen Königsthron in Oldenburg haben kann?“
Olaf Lies versprach seinem Kohlvolk drei zentrale Aufgaben, für die er sich als Kohlkönig einsetzen wolle – damit diese Amtszeit am Ende auch ein Ergebnis hat. Erste Aufgabe: „In der Amtszeit arbeiten wir gemeinsam daran: Die Huntebrücken werden neu gebaut und sie werden rechtzeitig fertig.“ Zweitens: Unsere Botschaft ist Rückenwind für das Universitätsklinikum Oldenburg. Und drittens: „Ich verspreche heute allen, die unzufrieden sind, dass es zu einer fairen Verteilung der Offshore-Gewerbesteuer kommt.“ Mit Blick auf die derzeitige politische Weltlage sagte Lies: „Wenn wir uns die Fröhlichkeit und das Beisammensein nehmen lassen, gewinnen die Falschen.“
Beratung des Kurfürsten-Kollegiums zur Königswahl
Auf die Verkündung der neuen Majestät musste Lies jedoch ein wenig länger warten als geplant: Gegen 23.13 Uhr war es dann so weit. Das Kurfürsten-Kollegium unter dem Vorsitz von Comedian Dietmar Wischmeyer alias „Günther, der Treckerfahrer“ hatte sich nach kurzer Beratung während des Nachtischs auf Olaf Lies als neuen Grünkohlkönig verständigt. In der Findungskommission waren Landtagspräsidentin Hanna Naber sowie die Sponsoren-Vertreterinnen und -Vertreter Stefan Dohler (EWE), Tanja-Vera Asmussen (LzO), Marc Ampaw (OLB), Sabine Möller (Nord/LB), Thomas Mehls (CEWE) und Jürgen Müllender (Öffentliche) an der Entscheidung beteiligt. Dietmar Wischmeyer hielt, gewohnt scharfzüngig, die Proklamationsrede auf die neue Majestät – und stellte mit der Wahl von Lies fest: „Für ein Jahr wird Niedersachsen von Oldenburg aus regiert.“
Erstmals Kohlpalme im Topf aus dem Botanischen Garten
Eine Besonderheit gab es im Jahr 2026 noch zu vermelden. Die Stadt Oldenburg schenkte der Majestät neben dem obligatorischen Kohlstrunk als Zepter ein weiteres Exemplar, um sich in Hannover zu verwurzeln: eine echte „Oldenburger Palme“ aus dem Botanischen Garten. Diese jedoch nachhaltig im Topf – damit sie garantiert nicht unter die Baumschutzsatzung fällt. Der Leiter des Botanischen Gartens, Prof. Dr. Dirk Albach, war ebenfalls unter den Gästen.
Interview mit Olaf Lies, Grünkohlkönig 2026
Interview mit Daniel Günther, Grünkohlkönig-Vorgänger
Sprüche des Abends
„Das war mir dann doch ein bisschen zu viel: mit 71 Jahren noch auf dem Chefsessel im Oldenburger Rathaus. 20 Jahre im Amt. Das wollte ich den Grünen dann doch nicht antun.“ (Oberbürgermeister Jürgen Krogmann über sein letztes Berliner Kohlessen in dieser Funktion)
„Rache wird in Norddeutschland kalt serviert.“ (Oberbürgermeister Jürgen Krogmann über Daniel Günther, der ein Bayern-Spiel dem CDU-Parteitag in Stuttgart mit Markus Söder vorzog)
„Manche nennen es Plenarsaal, manche nennen es Escape Room.“ (Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bei der Begrüßung von Schirmherrin Hanna Naber über die anstehende Landtagswoche)
„Nächstes Mal sind wir dann beide Polit-Rentner. Vielleicht richten wir uns so einen kleinen Balkon ein wie Waldorf und Statler bei der Muppetshow.“ (Oberbürgermeister Jürgen Krogmann zu Stephan Weil, ehemaliger Grünkohlkönig und Ministerpräsident a.D.)
„Niedersachsen muss ein bisschen an seinem Sex-Appeal arbeiten. Oder wie sollen wir die Meldung verstehen, die wir vor ein paar Wochen gelesen haben: Niedersachsen hat ein Image-Problem – es ist das Bielefeld unter den Bundesländern.“ (Oberbürgermeister Jürgen Krogmann zur Umfrage des Allensbach-Instituts)
„Wenn bei O-Love die Bedeutung wie so oft auf ‚love‘ liegt, könnte es gut sein, dass er sich nachher bei allen 300 Gästen persönlich bedanken wird mit einer festen Umarmung und einem ernst gemeinten ‚Schön, dass du da bist!‘“ (Schirmherrin Hanna Naber über Olaf Lies)
„Ich sage es offen, auch wenn ich damit vielleicht meine kulinarische Glaubwürdigkeit verliere: Bei uns zuhause hieß der Grünkohl ‚Moos‘ und kam mit Kartoffeln und Essig als seniorengerechtes Stampfgericht daher.“ (Schirmherrin Hanna Naber, nachdem sie offenbarte, dass sie nicht in Oldenburg groß geworden ist, sondern in der Grafschaft Bentheim)
„Unterschied zwischen der Landes- und der Bundesliga: Während man bei uns in Schleswig-Holstein erst am Freitagnachmittag nicht mehr weiß, was man mit seinem Ministerpräsidenten macht, weiß man in Berlin offenkundig schon am Montagabend nicht mehr, was man mit dem Bundestagsvizepräsidenten macht.“ (Daniel Günther über seine eigene damalige spontane Zusage zum Kramermarkt und die kurzfristige Zusage von Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow zum Kohlessen)
„Im letzten Jahr, Stephan, saßen wir hier beide noch fröhlich nebeneinander und ahnten nichts Böses – und schwupps, hat Olaf jedem von uns sein Amt weggenommen“ (Daniel Günther an Stephan Weil, Ministerpräsident a.D., gerichtet)
„Wenn man sich umguckt, wen man im nächsten Jahr auf den Thron setzen will, gibt es nur zwei Rezepte wie beim Kochen von unsere Omma: Was ist überhaupt da und was muss weg.“ (Dietmar Wischmeyer als Günther, der Treckerfahrer, über die Auswahl einer neuen Kohlmajestät)
„Wir haben ihn gewählt, weil: Er wäre es ja irgendwann sowieso geworden.“ (Dietmar Wischmeyer als Günther, der Treckerfahrer, über den neuen Kohlkönig Olaf Lies)
„Woran denkt ihr bei Niedersachsen? Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken. Grünkohl statt Rucola. Mit Nitrat und Glyphosat in den Bundesrat.“ (Dietmar Wischmeyer als Günther, der Treckerfahrer, über das Image von Niedersachsen)
„Weißt du noch, Daniel, wie wir in dieser Kutsche saßen und voller Begeisterung die Bonbons verteilt haben? Das macht Ministerpräsidenten Spaß, Geschenke zu verteilen, wenn die Kommunen die bezahlen.“ (Olaf Lies zu Daniel Günther über ihre gemeinsame Kutschfahrt beim Oldenburger Kramermarkt)
„Ich finde, Kartoffeln gehören zum Grünkohl und Energiepolitik gehört im Norden gemacht.“ (Olaf Lies über einen starken Norden)
„Niedersachsen soll nicht nur Partnerland der nächsten Grünen Woche werden. Sondern die nächste Woche wird eine Grünkohl-Woche.“ (Olaf Lies zum Arbeitsauftrag an Miriam Staudte)
„Grünkohl ist ja Super-Food. Damit gelingt es dem VfB Oldenburg, in die Dritte Liga zu kommen.“ (Olaf Lies über die verborgenen Kräfte des Grünkohls)
Top-Service durch Auszubildende
Den Service übernahmen auch in diesem Jahr wieder der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband und die Berufsbildenden Schulen 3 mit hoch engagierten Nachwuchskräften. Unter der Anleitung von acht Lehrkräften betreuten 34 Auszubildende des Hotel- und Gastronomiegewerbes aus der Region Oldenburg die Gäste an den Tischen. Sie ernteten einen langanhaltenden Applaus.
Was auf die Teller kam
Bio-Grünkohl, Pinkel und Kochwurst, Speck und Kasseler stammten aus original Oldenburger Herstellung von der Oldenburger Fleischerei Bartsch und dem „Bümmersteder Krug“. Auf die Teller kamen 200 Kilogramm Bio-Grünkohl, 60 Kilogramm Pinkel, 90 Kilogramm Kasseler-Lachs ohne Knochen, 45 Kilogramm Kochmettwurst sowie 28 Kilogramm geräucherter Speck – alles aus Biofleisch-Produktion. Auch diesmal stand alternativ ein veganes Grünkohlgericht auf der Speisekarte.
Löffeltrunk, Musik und Spenden
Alles beim Alten blieb es bei den Getränken: Der berühmte „Löffeltrunk“ – gefüllt mit gutem Schnaps – kam wie immer aus dem Hause Hullmann. Das Pils dazu lieferte das Friesische Brauhaus zu Jever. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der „Jazz-Koalition“. Die gemischte Combo bestand unter anderem aus Dozenten der Musikschule der Stadt Oldenburg und musikalischen Gästen aus Berlin. Die Gäste des Kohlessens wurden auch bei der diesjährigen Ausgabe um eine Spende gebeten. Der Erlös geht an das Autonome Frauenhaus Oldenburg sowie an die AIDS-Hilfe Oldenburg.
Lange Tradition von Bonn bis Berlin
Das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ wurde im Jahre 1956 in der alten Bundeshauptstadt Bonn aus der Taufe gehoben. Seit 1998 findet es in Berlin statt. Viermal musste die Veranstaltung ausfallen: 1962 (Hochwasserkatastrophe), 1991 (Golfkrieg) sowie 2021 und 2022 (Corona-Pandemie). Die Reihe der Kohlmajestäten » liest sich wie ein „Who is who“ der Politik der vergangenen Jahrzehnte: Neben ehemaligen Bundeskanzlern wie Helmut Kohl oder Helmut Schmidt zieren die Namen zahlreicher Mitglieder von Bundes- und Landesregierungen diese Liste.
Weitere Informationen
Mehr über die bisherigen Grünkohlmajestäten » und über das traditionelle Berliner Kohlessen ».
„Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ 2026
Es folgt eine Bildergalerie mit 21 Bildern.
Zuletzt geändert am 6. März 2026










































