Geschichte der Stiftung

Über die Stifter

Carl Hermann Klävemann (geboren 22. August 1816, gestorben 2. März 1872) trat nach seiner Gymnasialzeit in das väterliche Handelsgeschäft ein, das er nach dem Tod seines Vaters selbstständig weiterführte. In der Kaufmannschaft erwarb er durch seine Begabung und sein praktisches Verständnis rasch eine hochgeachtete und hervorragende Stellung. Der Magistrat der Stadt ernannte ihn 1852 zum Ratsherrn und Mitglieds des Stadtmagistrates. Die Ämter hatte er bis zu seinem Tod inne.

Johann Conrad Dietrich Klävemann (geboren 30. November 1814, gestorben 11. Dezember 1889) besuchte das Gymnasium in Oldenburg, wechselte dann nach Eutin über, um das Abiturienten-Examen abzulegen. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft in Jena, Göttingen, Heidelberg und Berlin. In Berlin promovierte er zum Doktor der Rechte. Im Jahre 1842 legte er die Staatsprüfung ab und wurde 1843 als Auditor in Burhave angestellt und als solcher im Jahre 1845 nach Westerstede versetzt, 1846 zum Amtsauditor in Ganderkesee ernannt, 1849 Amtsauditor in Brake. Während dieser Zeit legt er das zweite juristische Staatsexamen ab und wurde zum Amtsassessor ernannt.

1851 trat er als Staatssyndikus in die Dienste der Stadt Oldenburg. 1856 folgte er dann einem Ruf nach Löningen, um dort Verwaltungschef zu werden. 1859 wurde er Stadtdirektor in Varel. 1860 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt. Im Jahre 1882 ernannte ihn die Stadt Varel zum Ehrenbürger.

Finanzielle Grundlage der Stiftung

Am 12. Juni 1871 legte Ratsherr Carl Hermann Klävemann in seinem Testament fest, dass sein Geld für mehrere Stiftungen verwendet werden sollte. Diese Legate führten zur Bildung kleinerer Stiftungen, wie zum Beispiel der „Klävemann-Stiftung für das Elisabeth-Kinder-Krankenhaus“ oder der „Klävemann-Stiftung für Diakonissen“, die 1926 dem Vorgänger der „Vereinten Oldenburger Sozialstiftung“ zugeführt wurden.

Testamente der Stifter

Das entscheidende Legat, das zur eigentlichen „Klävemann-Stiftung“ führte, war wie folgt im Testament festgehalten:

„Zu einer Stiftung zur Herstellung und Unterhaltung von kleineren Wohnungen, welche den Namen Klävemann-Stiftung führen soll, 50.000 Rthlr. Courant. In diese Wohnungen sollen auf ihr Verlangen nur solche Familien und einzeln stehende Personen, welche nüchtern und unbescholten und weniger bemittelt sind, aber Unterhalt oder Unterstützung aus der Armenkasse noch nicht erhalten haben, gegen eine billige Miethe, welche die Hälfte der ortsüblichen Miethe für eine solche Wohnung nicht übersteigen soll, aufgenommen werden. Ich ersuche den wohllöblichen Stadtmagistrat die Oberaufsicht über diese Stiftung zu übernehmen und zur speziellen Beaufsichtigung und Leitung einen besonderen Verwalter, welcher dem Magistrat verantwortlich sein muss, zu bestellen.

Über die Aufnahme in diese Wohnungen hat nur der Magistrat eventuell der von demselben etwa speziell dazu beauftragte Verwalter zu entscheiden. Im Übrigen soll Einrichtung und Verwaltung vollständig dem Ermessen des wohllöblichen Stadtmagistrats überlassen bleiben; nur allgemein bemerke ich über die Einrichtung, dass es mir zweckmäßig scheint, die Wohnungen nicht kasernenartig, vielmehr nur etwa zwei unter einem Dache, mit besonderem Eingang für jede, herzustellen und bei jeder Wohnung etwas Gartenland, wenn auch nur etwa 0,5 Scheffel Saat, beizugeben. Außer dem bezeichneten Kapital vermache ich für diese Stiftung noch die s. g. Beverbäks Weide an der Chaussee nach Donnerschwee belegen circa 21 Sch. Saat groß oder wenn ich dieses Grundstück bei meinen Lebzeiten noch etwa ganz oder teilweise verkaufen sollte, das für den verkauften Theil gelöste Kaufgeld.“

Johann Conrad Dietrich Klävemann ergänzte in seinem Testament das Vermögen der zuvor erwähnten kleineren Stiftungen seines Bruders. In seinem Testament bestimmte er zur eigentlichen Klävemann-Stiftung Folgendes:

„Der von meinem verstorbenen Bruder Carl gegründeten Klävemann-Stiftung (…) vermache ich ein Legat von 150.000 (hundertfünfzigtausend) Mark, außerdem aber das an der Nadorster Chaussee gelegene s. g. Galgenfeld, damit es im Sinne der Stiftung meines seligen Bruders zu Hausbauten mit zu gehörigem Gartenlande verwendet werden möge.

(…) Falls ich selbst bei meinen Lebzeiten mit dem Bau von Wohnungen auf dem Galgenfelde den Anfang machen sollte, so hat die Klävemann-Stiftung diese Wohnungen zu übernehmen, es soll indessen alsdann so viel, als ich auf dem Bau dieser Wohnungen verwendet habe (wofür ich die erforderlichen Aufzeichnungen machen werde) – eventuell der Werth nach Taxat – an den in Baar vermachten 150.000 (hundertfünfzigtausend) Mark gekürzt werden.“

Aus dem Testament entstanden auch zwei kleinere Stiftungen, die „Klävemann-Stiftung für Knaben“ und die „Klävemann-Stiftung für Mädchen“, die ebenfalls 1926 in der späteren „Vereinten Oldenburger Sozialstiftung“ aufgingen.

Bau der ersten Stiftungswohnungen

Im Frühjahr 1873 wurde mit dem Bau der ersten acht Häuser, Nummer 1 bis 4 und 6 bis 9, an der Donnerschweer Chaussee begonnen. Die Häuser waren bereits am 1. November 1873 zum größten Teil fertiggestellt. Im Frühjahr 1874 wurde dann mit dem Bau des sogenannten Stiftshauses Nummer 5 begonnen, welches als Mittelhaus an der Straßenfront in besonders monumentaler Weise ausgeführt wurde. An der Front ist eine Gedächtnistafel zu Ehren des Stiftungsgründers Carl Hermann Klävemann montiert.