Von einer Idee der Oldenburg-Werbung zum größten Publikumsmagneten der Region
1975 wurde in Oldenburg erstmals Stadtfest gefeiert – als Höhepunkt einer Entwicklung, die mit der schrittweisen Umgestaltung der Innenstadt zur Fußgängerzone begann. Der damalige Verein Oldenburg-Werbung wollte Leben in die neue Einkaufsstadt bringen und schuf mit dem Stadtfest eine Veranstaltung, die bis heute Hunderttausende Menschen begeistert. Zum 50. Jubiläum lohnt sich der Blick auf die Anfänge einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.
Als Oldenburg Ende der 1960er-Jahre begann, seine Innenstadt Schritt für Schritt vom Autoverkehr zu befreien, ahnte wohl niemand, dass daraus eines der größten Innenstadtfeste Norddeutschlands entstehen würde. Mit jeder neu verkehrsberuhigten Straße wuchs der Wunsch, die gewonnene Aufenthaltsqualität mit kleinen Festen zu feiern. Gleichzeitig suchte der von der Stadt initiierte Verein Oldenburg-Werbung nach Ideen, um die Innenstadt zu beleben und das Profil Oldenburgs zu stärken.
Eine der prägendsten Ideen hatte der damalige Geschäftsführer der Oldenburg-Werbung, Jürgen Schrön. Er wollte die Zeit zwischen den Einkaufshöhepunkten mit einer Veranstaltung überbrücken, die Handel, Kultur und Begegnung verbindet. „Die ‚Oldenburg-Werbung‘ entwickelte vom Flohmarkt bis zum Drehorgelfestival viele Aktivitäten, die sich mit den kleinen Einweihungsfeiern verschiedener Straßengemeinschaften mischten. Konzept war, den Rhythmus von Kaufen und Verkaufen mit visuellen und akustischen kulturellen Aktionen zusammenzuführen“, erinnerte sich Schrön später.
Knüller, Kontroversen und Kuriositäten
So entstand vom 14. bis 17. August 1975 das erste Oldenburger Stadtfest – von Beginn an in weiten Teilen der Innenstadt. Mittelpunkt war der Rathausmarkt, der dafür eigens für den Autoverkehr gesperrt wurde. Ein Festzelt, mehrere Bühnen, Flohmarkt, Bundesmarine-Schnellboote am Stau, ein Biergarten auf dem Julius-Mosen-Platz sowie zahlreiche Aktionen und Stände in der Langen Straße, der Haarenstraße und weiteren Straßen machten deutlich: Das neue Fest sollte die gesamte Innenstadt in Bewegung bringen. Auf dem Schlossplatz gastierte NDR2 mit Moderator Lutz Ackermann, während die Band „Grobschnitt“ ihre Oldenburg-Premiere feierte – nicht ohne Kontroversen, als zur verfremdeten Deutschlandlied-Melodie eine zerschlissene Herrenunterhose als Fahne gehisst wurde.
Auch andere Kuriositäten sorgten für Gesprächsstoff: Ein indischer Kragenbär aus dem Zirkus ritt auf einem Pferd durch die Innenstadt, Zauberer Horst Hebenstreit chauffierte Oberbürgermeister Hans Fleischer mit verbundenen Augen durch Oldenburg. Trotz Regens sprach die Nordwest-Zeitung von einem „beachtlichen Erfolg mit einigen Abstrichen“: Die Innenstadt war belebt wie nie zuvor, auch wenn ältere Besucherinnen und Besucher mehr Angebote für ihre Altersgruppe vermissten. Für die Organisatoren überwog dennoch das Positive. Das Ziel der Oldenburg-Werbung, die Innenstadt mit einem attraktiven Veranstaltungsformat zu beleben, war erreicht. Bereits Ende der 1970er-Jahre kamen rund 100.000 Menschen pro Veranstaltungstag in die Innenstadt.
Neustart nach einer Pause
Als Jürgen Schrön 1981 die Verantwortung abgab, fiel das Stadtfest 1982 aus organisatorischen und finanziellen Gründen erstmals aus. 1983 organisierte Karl-Heinz Wilkens im Auftrag der Oldenburg-Werbung einen Neustart unter dem Namen „Oldenburg-Fest“. Acht Bühnen, die Beteiligung nahezu aller Innenstadtstraßen und erstmals auch finanzielle Unterstützung durch die Gastronomie machten die Veranstaltung zu einem großen Erfolg.
Schon ein Jahr später stand das Fest erneut auf der Kippe. Nach Streitigkeiten mit der Stadt zog sich die Oldenburg-Werbung als Veranstalter zurück. Wilkens organisierte das Stadtfest noch zweimal für eine Arbeitsgemeinschaft und übergab die Verantwortung 1986 an Klaus Enke. Der Modehändler und Sprecher der Straßengemeinschaft Mottenstraße übernahm nach Gesprächen mit den Innenstadtgastronomen die Organisation – unterstützt von Karl-Heinz Wilkens.
Klaus Enke macht das Stadtfest groß
Unter Enkes Leitung entwickelte sich das Stadtfest in den folgenden knapp zwei Jahrzehnten kontinuierlich weiter. Immer mehr Straßenzüge wurden eingebunden, aus wenigen Bühnen wurden schließlich mehr als ein Dutzend. Der 2005 verstorbene Enke zeichnete insgesamt 18-mal für das Stadtfest verantwortlich. Er legte großen Wert darauf, dass überwiegend Oldenburger Gastronomen und Musikgruppen das Fest prägen – ein Prinzip, das seinen lokal verwurzelten Charakter bis heute ausmacht.
Die Besucherzahlen stiegen stetig: 1987 kamen bereits rund 350.000 Menschen, 1991 wurde erstmals die Marke von 400.000 Gästen erreicht. Ab 1992 setzte das Stadtfest konsequent auf Mehrweg-Geschirr – lange bevor Nachhaltigkeit bei Großveranstaltungen selbstverständlich wurde.
Veranstalterwechsel und viele neue Impulse
2003 entschied eine Kommission um Oberbürgermeister Dietmar Schütz, das Stadtfest neu auszuschreiben. Seit 2004 organisiert die E & M Marketing GmbH mit Thomas Marsen und Reinke Haar – zunächst gemeinsam mit „Klaus & Klaus“-Sänger Klaus Baumgart – die Veranstaltung. „Solange ich noch kann, möchte ich weiter zu einem guten Oldenburger Stadtfest beitragen“, sagte Klaus Enke bei der Übergabe und unterstützte die neuen Veranstalter mit seiner langjährigen Erfahrung.
Seither wurde das Stadtfest kontinuierlich weiterentwickelt – mit mehr Service, zusätzlichen Toiletten, modernen Sicherheits- und Nachhaltigkeitskonzepten, verbesserten Busverbindungen, bewachten Fahrradparkplätzen und Awareness-Angeboten. Auch das Programm wurde breiter: Kinderaktionen, junge Bühnen, mehr Independent-Musik, internationale Bands und zahlreiche Mitmachangebote sprechen heute ein vielfältiges Publikum an. Organisationsleiterin bei E & M Marketing ist seit vielen Jahren Janet Lüschen.
Besondere Jubiläen und außergewöhnliche Jahre
Zum 40. Stadtfest wurde 2015 erstmals „Kochen am Schloss“ veranstaltet. Die Corona-Pandemie stellte das Fest 2020 und 2021 vor seine bislang größte Herausforderung: 2020 fand es als digitales „Stadtfest@home“ statt, 2021 musste es komplett ausfallen. Erst 2022 konnte wieder ohne Einschränkungen gefeiert werden.
50 Jahre Stadtfest – und kein bisschen müde
Heute zählt das Oldenburger Stadtfest zu den größten Innenstadtfesten Norddeutschlands. Obwohl das Veranstaltungsgelände räumlich nahezu ausgeschöpft ist, wird das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt. Zum 50. Jubiläum finden Stadtfest und „Kochen am Schloss“ ausnahmsweise bereits vom 20. bis 22. August statt. Unter dem Motto „50 Sommer Wir“ folgen vom 27. bis 29. August drei Jubiläumsabende auf dem Schlossplatz: ein Comedy-Gipfel, ein Musicalabend des Oldenburgischen Staatstheaters und die Oldenburger Opernnacht.
Stimmen zum Jubiläum
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sagt: „50 Jahre Stadtfest stehen für 50 Jahre Gemeinschaft, Lebensfreude und Identifikation mit unserer Stadt. Generationen von Oldenburgerinnen und Oldenburgern verbinden persönliche Erinnerungen mit diesem Fest. Es zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie lebendig, vielfältig und gastfreundlich unsere Innenstadt ist. Mein Dank gilt allen, die diese Erfolgsgeschichte über fünf Jahrzehnte mit ihrem Engagement möglich gemacht haben.“
Reinke Haar, Geschäftsführer der E & M Marketing GmbH und seit mehr als 20 Jahren Veranstalter des Stadtfestes, ergänzt: „Das Stadtfest lebt davon, dass es sich immer wieder neu erfindet, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Wir entwickeln die Veranstaltung kontinuierlich weiter – mit neuen Ideen, mehr Service und einem Programm für alle Generationen. Dass wir nun das 50. Stadtfest feiern dürfen, ist für unser gesamtes Team etwas ganz Besonderes. Dieses Jubiläum möchten wir gemeinsam mit ganz Oldenburg zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.“
Online mehr erfahren
Mehr Informationen gibt es online unter www.stadtfest-oldenburg.de und www.50sommerwir.de.
Zuletzt geändert am 3. August 2026


