Grundlegende Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Männern lassen sich nur durch die richtigen politischen Weichenstellungen und eine Gesellschaft erreichen, die Gleichberechtigung tatsächlich lebt. Deshalb engagiert sich das Gleichstellungsbüro auch auf strategischer Ebene: Es beteiligt sich an politischen Prozessen, knüpft und stärkt Netzwerke und setzt sich dafür ein, dass die Geschichte von Frauen sichtbar bleibt.
Oldenburg ist Erstunterzeichnerin im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“
Alltagssexismus festigt Machtstrukturen
Gesellschaftlich wird Alltagssexismus noch immer bagatellisiert, als Scherz abgetan oder der betroffenen Person eine zu hohe Empfindlichkeit nachgesagt. Wo es aber gesellschaftsfähig ist, Menschen aufgrund ihres Geschlechts zu degradieren, wird auch geschlechtsspezifische Gewalt in größerem Ausmaß begünstigt, denn Alltagssexismus und sexuelle Belästigung sind stets Ausdruck von Herabwürdigung und Machtausübung.
Umso wichtiger ist es, Sexismus sichtbar zu machen und für seine verschiedenen Erscheinungsformen zu sensibilisieren. Der Beitritt der Stadt Oldenburg zum Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ unterstreicht die klare Haltung der Stadt Oldenburg, sich aktiv gegen Sexismus und Diskriminierung einzusetzen.
Kostenfreie Periodenprodukte an Oldenburger Schulen
Der Rat hat 2024 beschlossen, dass die allgemeinbildenden Schulen Oldenburgs zukünftig kostenlose Periodenprodukte anbieten können. Der Antrag wurde von den Fraktionen von SPD und Bündnis90/Die Grünen gestellt. 2025 wurde das Angebot auf die Berufsbildenden Schulen im Stadtgebiet durch einen Antrag der CDU-Fraktion erweitert.
Begründet wurde der Vorstoß damit, dass Tampons und Binden keine Luxusprodukte sind, sondern eine alltägliche Notwendigkeit. Gerade während der Pubertät, wenn der Menstruationszyklus noch unregelmäßig ist, kann die Regelblutung überraschend eintreten und die Intensität stark variieren. Die Verfügbarkeit entsprechender Produkte in den sanitären Einrichtungen trägt hier stark zur Entlastung bei. Außerdem gibt es immer Personen, die aus ökonomischen Gründen und/oder einem Schamgefühl heraus nicht nach Hygieneprodukten fragen oder sie selber kaufen können. Insgesamt ist die Monatsblutung noch immer stark stigmatisiert und tabuisiert – auch dagegen soll der Vorstoß einen Beitrag leisten.
Bereits Erfahrungen mit den kostenlosen Hygieneartikeln hat die Helene-Lange-Schule in einem 12-monatigen Modellprojekt gesammelt und hierbei ein positives Resümee gezogen. Das Angebot wurde sehr gut und verantwortungsvoll angenommen, so kam es beispielsweise nicht zu größeren Entwendungen und auch sind die Kosten insgesamt deutlich unter der Prognose geblieben. Die Verwaltung wurde beauftragt, entsprechende Mittel im Haushalt einzustellen und die Schulen zu informieren.
Der deutschlandweite Erfolg des Oldenburger Projekts „MICK“
Das Projekt „MICK – Mädchen kicken mit“ wurde ins Leben gerufen, um insbesondere Mädchen mit Migrationsgeschichte über den Fußball zu fördern, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihnen den Zugang zu Sportvereinen zu erleichtern. An zahlreichen Oldenburger Schulen entstanden Fußball-AGs, die Mädchen unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund zusammenbrachten. Ältere Schülerinnen wurden zu Coaches ausgebildet und als Vorbilder für jüngere Mädchen eingesetzt.
Das innovative Konzept erhielt bundesweite Anerkennung und wurde unter anderem von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel als Beispiel gelungener Integration durch Sport gewürdigt. Das Land Hannover zeichnete MICK mit dem Sonderpreis „Integration durch Fußball“ aus und beim bundesweiten Integrationswettbewerb von Deutschem Fußballbund und Mercedes Benz wurde MICK mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Auch DFB, Uefa und Fifa griffen das Konzept auf. Somit ist MICK zu einem Vorbild für zahlreiche Projekte an anderen Standorten geworden.
Aus dem Modellprojekt MICK selber entwickelte sich die bundesweite Initiative „Kicking Girls“ und später „Futbalo Girls“. Heute zählt Futbalo Girls zu den größten Mädchenfußballinitiativen außerhalb des organisierten Sports in Deutschland.
Die Stadt Oldenburg unterstützt die nach wie vor an den Oldenburger Grundschulen aktiven AGs und halbjährlichen stattfindenden Turniere weiterhin.
Übrigens: Seit 2010 sind auch die Jungen am Ball. Mit „JICK – Jungen kicken mit“ nehmen Sie in Kooperation mit Oldenburger Oberschulen an den Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen eines außerschulischen Lernortes teil.
Daten, Studien und Strategien zur Gleichstellung
Aus der Stadtverwaltung Oldenburg
Zuletzt geändert am 27. Juni 2026
