Eine Garnison ist ein „Ort, welcher Truppen im Frieden als Standquartier angewiesen ist; dann die Truppen, welche in einem solchen Orte stehen. An der Spitze derselben steht der Gouverneur oder Kommandant, welcher alle Beziehungen zwischen den Truppen und den städtischen und sonstigen Behören zu vermitteln hat. In kleineren Garnisonen übernimmt der älteste Truppenbefehlshaber als Garnisonältester die Friedensaufgabe der Kommandantur“ (Meyers Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, 1894).
Oldenburg wurde im Jahr 1108 erstmals als Siedlung erwähnt und entwickelte sich zu einer Grafschaft. 1440 heiratete Graf Dietrich von Oldenburg eine Tochter von Gerhard VI. von Schleswig-Holstein aus deren Ehe die Söhne Christian und Gerhard hervorgingen. Der jüngere Sohn, Gerhard, führte die gräflich-oldenburgische Linie weiter, die 1667 erlosch. Der ältere Sohn, Christian, wurde 1448 zum König von Dänemark gewählt. 1667, nachdem Graf Anton Günther ohne Erbfolger gestorben war, erbte diese Linie auch Oldenburg.
Stützpunkt und Dienststellen
Einziger militärischer Stützpunkt in der Stadt Oldenburg ist die Henning von Tresckow-Kaserne im Stadtteil Bümmerstede. Hier sind der Stab sowie die Stabs-/Fernmeldekompanie der 1. Panzerdivision und das Kraftfahrausbildungszentrum untergebracht.
Darüber hinaus befinden sich in Oldenburg an zivilen Dienststellen der Bundeswehr das Verpflegungsamt der Bundeswehr, das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum und die zivilberufliche Aus- und Weiterbildung Betreuungsstelle Oldenburg (ZAW Betreuungsstelle Oldenburg).
Die „Grafenzeit“
Militärisches Aufgebot in der „Grafenzeit“

Das militärische Aufgebot während der Grafenzeit ist eher als „Bürgeraufgebot“ zu verstehen, das Ende des 16. Jahrhunderts durch ein Reiterkontingent verstärkt wurde. Jedem Bürger waren Pflichten auferlegt, die er für die Gemeinschaft zu erbringen hatte, zu denen neben „zivilen“ auch „militärische“ Angelegenheiten gehörten. Für die Bewaffnung hatte der Bürger selbst zu sorgen. So kam auch das Reiterkontingent dadurch zustande, dass jeder Ratsherr zu Rossdienst angehalten war und ein „riesiges Pferd“ halten musste.
Im Jahr 1637 bittet Graf Anton Günther Dänemark um Hilfe, als hessische und französische Truppen in Ostfriesland stehen und eine Bedrohung für Oldenburg darstellen. Zwei dänische Kompanien werden nach Oldenburg verlegt. 1644 ziehen die beiden Kompanien nach Dänemark zurück. Als die unmittelbare militärische Bedrohung wegfiel, war Graf Anton Günter nicht mehr gewillt, militärische Belange in Oldenburg zu fördern. Graf Anton Günther war ein ausgezeichneter Diplomat und dies galt als seine stärkste Verteidigungswaffe. Selbst aus dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) konnte er sein Land durch Gestellung von Pferden heraushalten.
Die „Dänenzeit“
Zeit der dänischen Regentschaft
Nach dem Tod Anton Günthers 1667 schickte Dänemark, zur Verstärkung seiner Ansprüche auf Oldenburg, zwei Kompanien nach Oldenburg. Im folgenden Jahr bereits – obwohl Oldenburg erst 1676 an die dänische Krone fallen sollte – werden „dänische“ Kommandanten bestellt und die in Oldenburg untergebrachten Einheiten wie dänische Truppen behandelt. Die Gesamtstärke der Garnison lag im Jahr 1668 bereits bei etwa 1.250 Soldaten. Im Jahr 1676 fällt die ehemalige Grafschaft Oldenburg an die dänische Krone. Die Größe der Garnison wechselte in den folgenden Jahren je nach militärischen Erfordernissen.
Neben den dänischen Kompanien wurde weiterhin in der Oldenburger Bürgerschaft und Landbevölkerung eine „Bürgerwehr“ aufgebaut. Ein Teil der Bürgerwehr galt als militärisches Hilfskontingent, der überwiegende Teil war für den täglichen Wachdienst an den Stadttoren zuständig. Die Landmilitz, das „Oldenburgische Nationalregiment“ verstärkte darüber hinaus teilweise die dänischen Kompanien.
1764 beschloss die dänische Krone, das militärische Engagement in Oldenburg zu reduzieren und später ganz aufzugeben. Die bis dahin 15 dänischen Festungen wurden aus finanziellen und militärstrategischen Gründen reduziert und Oldenburg ganz aus dem Festungsregister gestrichen. Das ehemalige Oldenburgische Nationalregiment wird 1765 einer „Invalidenkompanie“ zugegliedert, der späteren Oldenburger „Garnisonkompanie“. Von da an spielte Militär in Oldenburg zunächst kaum eine Rolle mehr.
Die Zeit der Herzöge und Großherzöge
Die Geschichte des oldenburgischen Militärs begann im Herzogtum Oldenburg, das 1773 unter Herzog Friedrich August neu organisiert wurde. Aus der ehemaligen Garnisonskompanie entstand später das „Herzogliche Infanteriekorps“, das zunächst vor allem Wach- und Repräsentationsaufgaben übernahm. Unter Herzog Peter Friedrich Ludwig wurde die Truppe modernisiert und nach den Napoleonischen Kriegen als „Oldenburgische Infanterie“ neu aufgebaut. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und dem Ausbau von Kasernen und militärischen Einrichtungen gewann das Militär zunehmend an Bedeutung. Nach dem Beitritt Oldenburgs zum Norddeutschen Bund im Jahr 1867 wurde das oldenburgische Heer in die preußische Armee eingegliedert. Das Infanterie-Regiment Nr. 91 und weitere Truppenteile prägten die Garnisonstadt Oldenburg bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Unter Großherzog Friedrich August, dem letzten Herrscher Oldenburgs, kämpften die oldenburgischen Truppen im Ersten Weltkrieg, wobei über 4.200 Soldaten ihr Leben verloren. Weitere Informationen zu der Zeit der Herzöge und Großherzöge in Oldenburg ab 1773.
Nach dem Ende des Kaiserreichs ab 1918
Mit dem Ende des Kaiserreichs 1918 wird Oldenburg Freistaat und Friedrich August verzichtet auf den Thron. Zwar blieb Oldenburg Garnisonstadt, jedoch war der Raumbedarf der neu gegründeten Reichswehr kleiner als vor 1914, so dass es zu Umstrukturierungen kommen musste. Das oldenburgische „Infanterie-Regiment Nr. 91“ wurde aufgelöst. Stattdessen kam das „Reichswehr-Infanterieregiment 16“ nach Oldenburg.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten wurde Oldenburg die Hauptstadt des Gaues Weser-Ems. Das „Infanterieregiment 16“ wird verstärkt, verliert aber als Teil der Wehrmacht seine Oldenburgische Identität.
1945 bis heute
Die Entwicklung der Garnison Oldenburg begann 1945, als die Stadt kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs kampflos von kanadischen Truppen besetzt wurde. Nach kurzer Zeit wurden diese durch britische Einheiten abgelöst, die die vorhandenen Kasernen und militärischen Einrichtungen übernahmen.
Im Zuge der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland wurde Oldenburg ab 1956 als Bundeswehrstandort für Heer und Luftwaffe aufgebaut. Bereits im Herbst desselben Jahres entstanden die ersten Dienststellen der Bundeswehr, und die Standortverwaltung wurde in der Pferdemarktkaserne eingerichtet. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Verbände aufgestellt. Dazu gehörte 1959 die 11. Panzergrenadierdivision, die später eine besondere Bedeutung für die Stadt erhielt. Durch den Ausbau der militärischen Einrichtungen entwickelte sich Oldenburg zur zweitgrößten Garnison der alten Bundesrepublik Deutschland.
1984 übernahm die Stadt Oldenburg die Patenschaft für die 11. Panzergrenadierdivision und damit stellvertretend für die in Oldenburg stationierten Soldaten. Mit dem Ende des Kalten Krieges begann jedoch die Abrüstung. Im Jahr 1993 wurde die 11. Panzergrenadierdivision aufgelöst. Die Patenschaft ging daraufhin auf den Standortältesten über, der stellvertretend für alle Bundeswehreinheiten am Standort Oldenburg stand. In den folgenden Jahren wurden die Clausewitz-Kaserne, die Hindenburg-Kaserne, die Donnerschwee-Kaserne sowie der Fliegerhorst geschlossen. Als einziger militärischer Standort blieb die Henning-von-Tresckow-Kaserne bestehen.
Weitere Veränderungen brachte die Bundeswehrreform von 2011. Nach der Auflösung der „Oldenburgischen“ Luftlandebrigade 31 im März 2015 zog zunächst das Vorkommando der 1. Panzerdivision in die Henning-von-Tresckow-Kaserne ein. Seit dem 14. Dezember 2015 sind dort der Stab und die Stabs-/Fernmeldekompanie der 1. Panzerdivision stationiert. Zudem befindet sich dort das Kraftfahrausbildungszentrum.
Neben den militärischen Einrichtungen sind in Oldenburg auch mehrere zivile Dienststellen der Bundeswehr angesiedelt, darunter das Verpflegungsamt der Bundeswehr, das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum sowie die ZAW-Betreuungsstelle Oldenburg. Am 15. Juni 2016 übernahm die Stadt Oldenburg offiziell die Patenschaft für die 1. Panzerdivision und damit stellvertretend für alle militärischen und zivilen Bundeswehreinrichtungen am Standort. Heute ist die Henning-von-Tresckow-Kaserne der einzige militärische Stützpunkt der Bundeswehr in Oldenburg.
Zuletzt geändert am 30. Juni 2026

