Wenn Mädchen und Frauen mit der Begründung Gewalt erfahren, dass die Ehre „beschmutzt“ worden sei, spricht man von Gewalt „im Namen der Ehre“ oder im schlimmeren Fall vom „Ehrenmord“. Von weiblichen Personen wird insbesondere in stark patriarchalen Systemen oftmals ein bestimmtes Verhalten erwartet. Sie haben sich dabei gewissen Verhaltensvorstellungen zu unterwerfen, wie beispielsweise Keuschheit und Gehorsam. Verstöße gegen diese Normen, wie voreheliche Beziehungen oder der Wunsch nach Unabhängigkeit, können als Schande für die Familie angesehen werden. Als Konsequenz darauf üben Täter oftmals psychischen Druck, aber auch Gewalttaten bis hin zu Mord aus. Täter kommen hierbei oft aus dem engsten Familienkreis und begründen ihre Taten mit Tradition oder Religion und rechtfertigen sie, um die „Ehre“ der Familie wiederherzustellen.
Mögliche Anzeichen
Eine Freundin scheint Angst vor dem Urlaub in den bevorstehenden Ferien zu haben? Eine Kollegin kommt plötzlich nicht mehr zur Arbeit? Das können ernste Anzeichen sein, die nicht zu ignorieren sind. Bei einem Verdacht kann sich auch das soziale Umfeld an Beratungsstellen wenden und die Sorgen äußern. Die Beratungsstellen zeigen dann Möglichkeiten auf, die Betroffene aus der Situation zu befreien. Außerdem beraten sie die außenstehenden Personen, wie diese mit der betroffenen Person umgehen sollte.
Präventionsfilm zur Sensibilisierung
Die mit dem Hashtag #HolDirHilfe benannte Kampagne gegen Zwangsverheiratung und Verschleppung von der Kriseneinrichtung PAPATYA zeigt die Lebensrealität von (potenziell) Betroffenen im Rahmen ihres gleichnamigen Präventionsfilm
Beratung & Hilfe
- Wildwasser Oldenburg e.V. Beratung für betroffene Mädchen, Frauen, trans, inter und nicht-binäre Personen sowie deren private und soziale Bezugspersonen (hier auch Männer)
- Beratungsstelle Olena berät gewaltbetroffene Frauen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Frauen. Die Beratung ist durch Dolmetschende auch in der Muttersprache möglich.
- Onlineberatung SIBEL Die Onlineberatung unterstützt unter anderem bei Themen wie Verschleppung, Zwangsheirat oder Gewalt auf Deutsch, Türkisch und Englisch.
- Niedersächsisches Hilfetelefon gegen Zwangsheirat 0800 0667888 telefonische Erstberatung, alternativ kann der Kontakt auch per E-Mail aufgenommen werden
- Wohnprojekt ROSA: Schutz für junge Migrantinnen vor Zwangsverheiratung und Gewalt im „Namen der Ehre“
Zuletzt geändert am 27. Juni 2026