Durch die allgegenwärtige Präsenz digitaler Medien kann sexualisierte digitale Gewalt jederzeit und überall stattfinden. Sie tritt überall dort auf, wo Menschen online miteinander in Kontakt stehen und ist so vielfältig wie das Internet selbst. Ob in sozialen Netzwerken, Chatgruppen, auf Dating-Apps oder innerhalb einer Beziehung – Täter*innen nutzen digitale Räume, um zu beleidigen, zu demütigen, zu bedrohen oder Kontrolle auszuüben.
Dabei bewegen sie sich häufig an der Grenze zur Strafbarkeit oder agieren anonym, sodass Betroffene sich nur schwer entziehen oder wirksam dagegen wehren können. Die Folgen sind dennoch gravierend: Sexualisierte digitale Gewalt beeinträchtigt Betroffene unter Umständen nachhaltig in ihrem Alltag, löst Gefühle von Ohnmacht aus und kann zum Rückzug aus der digitalen Öffentlichkeit führen. Was online beginnt, wirkt dann weit über den Bildschirm hinaus – und kann Vertrauen, Selbstwertgefühl und das Gefühl von Sicherheit nachhaltig erschüttern.
Beispiele für sexualisierte digitale Gewalt und deren Instrumente:
- Hassnachrichten und sexistische Kommentare,
- ungebetenes Zusenden von „Dick Pics“,
- Veröffentlichung oder Verbreitung intimer Bilder und Videos ohne Einverständnis,
- KI-generierte Fakebilder (zum Beispiel Deepfakes),
- heimliches Überwachen oder Orten von Handys,
- Installieren von Spy-Apps,
- Identitätsdiebstahl, Cybermobbing und Cybergrooming,
- wenn sich etwas gewaltvoll anfühlt, war es das meist auch.
Junge Frauen sind besonders betroffen
Laut der Studie Lauter Hass – Leiser Rückzug sind insbesondere junge Frauen von sexualisierter, digitaler Gewalt betroffen: 30 Prozent aller junger Frauen erleben häufig digitale Gewalt, 42 Prozent haben bereits ungefragt ein Nacktfoto erhalten.
In der Studie In meinem Netz soll es keine Gewalt geben! berichten 67,2 Prozent der 18- bis 27-jährigen Frauen von Erfahrungen mit digitaler sexualisierter Gewalt
Diese Zahlen machen deutlich, dass sexualisierte Digitale Gewalt kein Randphänomen ist – sie ist Alltag besonders von jungen Frauen.
Deepfakes – KI generierte (Nackt-)Bilder und Videos von realen Frauen
Mithilfe künstlicher Intelligenz werden bestehende Audio-, Bild- oder Videodateien so verändert, dass täuschend echt wirkende, aber vollständig gefälschte Inhalte entstehen. So können ganze Handlungen, Aussagen oder Szenen erstellt und veröffentlicht werden, die nie stattgefunden haben. Dadurch werden Menschen öffentlich bloßgestellt, erpresst oder in Verruf gebracht – mit enormen persönlichen und psychischen Folgen.
Bei sexualisierten Deepfakes werden häufig Gesichter realer Frauen in pornografische Videos eingebaut. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick echt aus – das Gesicht scheint zum Körper zu gehören, obwohl die gezeigte Person nie an der Aufnahme beteiligt war. So entstehen Fälschungen, die nicht nur täuschen, sondern auch die Privatsphäre und Würde der Betroffenen verletzen.
Die Plattformen, auf denen Deepfakes hochgeladen und öffentlich geteilt werden, reagieren oft spät oder gar nicht. Selbst wenn ein gefälschtes Video gelöscht wird, kursieren häufig bereits zahlreiche Kopien im Netz. Die Betroffenen haben kaum Möglichkeiten, die vollständige Verbreitung zu stoppen.
Deepfakes werden technisch immer besser, sind aber oft an kleinen Unstimmigkeiten erkennbar
- ein leerer oder starrer Blick
- unkorrekter Schattenwurf
- unnatürliche Mimik und Bewegungen
- uneinheitliche Hauttöne des Gesichtes und Körpers
- keine Abstimmung zwischen Ton und den Mundbewegungen
Die Erstellung und Verbreitung von Deepfakes kann strafrechtliche Konsequenzen haben, auch wenn es bislang kein eigener Straftatbestand ist. Wer das Recht am eigenen Bild verletzt, oder gefälschte Inhalte veröffentlicht, macht sich strafbar. Das Recht am eigenen Bild schützt jede Person davor, dass Fotos oder Videos ohne ihre Zustimmung veröffentlicht oder verbreitet werden. Dieses Recht gilt sowohl für analoge als auch für digitale Inhalte.
Kontrolle in Partnerschaften – ein Warnsignal
Besonders das Tracken, Kontrollieren und Mitlesen von Handynachrichten kann ein erster Schritt in Richtung Partnerschaftsgewalt sein. Häufig geht diese digitale Überwachung mit psychischer oder körperlicher Gewalt einher – denn Kontrolle ist oft Teil eines Gewaltmusters.
Häufig kennen Betroffene die Täter*innen persönlich: Sie sind Familienangehörige, Partner*innen oder Expartner*innen. Meistens beginnt es harmlos: Als Vertrauensbeweis werden Zugangsdaten oder Passwörter geteilt, woraus sich dann ein Überwachungs- und Kontrollsystem entwickeln kann.
Cyber-Stalking
Stalking beschreibt eine obsessive und anhaltende Belästigung durch wiederholte, unerwünschte Kontaktversuche. Betroffene erleben dabei, dass ihre Grenzen systematisch überschritten werden – im analogen wie im digitalen Raum. Immer häufiger spielt das Internet dabei eine zentrale Rolle: Täter*innen nutzen digitale Kommunikationswege, um zu verfolgen, zu kontrollieren oder zu bedrohen.
Beispiele sind:
- ständige Telefonanrufe und das Hinterlassen von Nachrichten auf der Mailbox,
- massenhaftes Zusenden von E-Mails und Nachrichten,
- Ausspionieren von persönlichen Daten,
- unerwünschte Geschenke und Kontaktversuche,
- Permanentes Kontaktieren auf sozialen Netzwerken,
- Verleumdungen und falsche Anschuldigungen im Internet,
- Veröffentlichung persönlicher Informationen oder Fotos ohne Einverständnis,
- sich den Zugriff auf Geräte und Onlinekonten durch Hacker-Software verschaffen,
- Identitätsdiebstahl.
Zum Teil nutzen Täter*innen außerdem digitale Mittel, um Betroffene zu überwachen oder Informationen zu sammeln. Eine besonders gefährliche Methode sind sogenannte Spy-Apps. Diese können heimlich auf dem Smartphone installiert werden und ermöglichen es,
- Anrufe mitzuhören,
- Chats und Nachrichten mitzulesen,
- Dateien zu löschen oder weiterzuleiten.
Zur Installation reicht meist einmaliger Zugriff auf das Gerät – etwa, wenn der*die Stalkende das Handy kurz ausleiht.
Stalking, ob online oder offline, stellt eine erhebliche psychische Belastung dar. Die ständige Angst, beobachtet oder verfolgt zu werden, kann Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen auslösen. Ständiger Kontakt gegen den eigenen Willen ist keine Zuneigung – es ist Gewalt.
Handlungsmöglichkeiten für Betroffene
- Sichere Passwörter und PINs verwenden und diese nicht teilen
- Passwortmanager nutzen
- Software von Smartphones und Laptops/PCs aktuell halten
- Backups anfertigen
- Verschiedene E-Mail-Adressen für unterschiedliche Zwecke nutzen
- Verschlüsselung von Ordnern
- Bei Verdacht: Handy neu formatieren
- Darüber sprechen: Freund*innen oder Familie einbeziehen – niemand sollte damit allein bleiben
- Beweise sichern: Rechtssichere Screenshots und Videos erstellen
- Gegebenenfalls Anzeige erstatten, zum Beispiel bei der Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet
- Beratungsstellen oder Online-Beratungsangebote nutzen
Beratung, Hilfe & weitere Informationen
Digitale Gewalt allgemein
In Oldenburg:
- Mario Mohrmann, Kinder und Jugendschutz: Beratung für Betroffene und ihre Angehörigen sowie Informationsveranstaltungen
- Wildwasser Oldenburg e.V.: Beratung für Mädchen, Frauen, trans, inter und nicht-binäre Personen sowie deren private und soziale Bezugspersonen (hier auch Männer)
- Mädchenhaus Oldenburg: Beratung für Mädchen*, Fortbildungen für Fachkräfte, Fachvorträge, Elternabende
- Psychologische Beratungsstelle: Beratung für Betroffene
- Alles OK im WWW?: Online-Reihe des Präventionsrates Oldenburg
Online/telefonisch:
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016: Beratung in 18 Sprachen, telefonisch und online
- HateAid: gemeinnützige Organisation für Menschenrechte im digitalen Raum, Beratung und Information
- JuuuPort: Online-Beratungsplattform für jüngere Menschen mit Problemen im Internet
- ZEBRA: Informationen und Unterstützung
- Schule fragt – Polizei antwortet: Handreichung für Lehrkräfte
- Aktiv gegen digitale Gewalt: weitere Informationen über digitale Gewaltformen und Handlungsmöglichkeiten
Cyberstalking
Zuletzt geändert am 27. Juni 2026