Oldenburgs Stadtgrün soll mehr leisten
Die Stadt Oldenburg hat bereits eine Menge Strategiepläne, etwa für Stadtentwicklung, Klimaschutz oder Mobilität und Verkehr. Seit September 2022 gibt es noch einen weiteren Masterplan und es ist ein gewichtiger: Mit dem am 26. September 2022 vom Stadtrat einstimmig verabschiedeten „Masterplan Stadtgrün“ sollen Oldenburgs Grün- und Freiflächen gestärkt und entwickelt werden. Dabei umfasst das 140 Seiten starke Strategiepapier aber weit mehr als die Sicherung von Bäumen und Blumenwiesen.
Grundlage für künftige Grünflächenentwicklung
Der Masterplan Stadtgrün schafft eine Grundlage für die nachhaltige Entwicklung der städtischen Grünflächen für einen Zeitraum von etwa 10 bis 15 Jahren. Er soll künftig als ein Instrument und Nachschlagewerk für alle Beteiligten an stadtplanerischen Prozessen dienen und gilt als verbindlich und handlungsleitend sowohl für die Arbeit der Verwaltung als auch für politische Entscheidungen. Dabei steht er gleichberechtigt neben den anderen strategischen Konzepten des Baudezernats und ist bei allen Entscheidungen für die zukünftige Stadtentwicklung zu berücksichtigen.
Dabei ist der Masterplan so aufgebaut:
- Der Textteil des Masterplan umfasst insgesamt 119 Seiten
- Zusätzlich gibt es 21 Karten, welche die verschiedenen Informationen noch einmal grafisch für das Stadtgebiet darstellen.
- Im Textteil gibt es 45 Abbildungen, neun Textkarten und 10 Tabellen, um die Inhalte noch besser verständlich zu machen.
- Mehr als 10 Personen haben fast zwei Jahre intensiv an dem Planwerk gearbeitet.
- Der Masterplan entstand in einem Arbeitsprozess in enger Abstimmung zwischen der NWP Planungsgesellschaft mbH aus Oldenburg und dem Fachdienst Stadtgrün – Planung und Neubau.
- Zusätzlich wurden auch verschiedene andere Fachbereiche der Stadt in mehreren Verfahren beteiligt.
Leitbild der „Gartengroßstadt Oldenburg“
Mit dem Masterplan sollen die unterschiedlichen Ansprüche in Zeiten von zunehmenden Extremwetterereignissen, steigenden Bevölkerungszahlen und baulicher Verdichtung berücksichtigt werden. „Ziel ist es, den vielfältigen Anforderungen der Stadtentwicklung, auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, gerecht zu werden und die Gestalt Oldenburgs als grüne Großstadt zu bewahren“, erläutert Robert Sprenger, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Bauordnung.
Das übergeordnete Leitbild des Masterplans ist es, das gewachsene Selbstverständnis Oldenburgs als Gartengroßstadt zu bewahren. Basierend auf diesem Leitbild werden übergeordnete Zielsetzungen als Rahmen für die räumliche Entwicklung sowie Qualifizierung und Stärkung von Stadtgrün in Oldenburg abgeleitet:
- Aktivierung ungenutzter Grünraumpotentiale zur Sicherung und Verbesserung der Erfüllung aller Stadtgrünfunktionen
- Reduzierung des Freiflächenverbrauchs und der Inanspruchnahme von Stadtgrün durch Baumaßnahmen
- Verbindliche Entwicklung von Grünflächen bei allen städtebaulichen Maßnahmen und Bauvorhaben
- Ausbau und Stärkung der Vorbildfunktion von Politik und Verwaltung
Konkrete Vorschläge für 17 Bereiche
Auf Grundlage des Leitbildes wird der aktuelle Zustand und die Funktionserfüllung der Stadtgrünflächen im gesamten Stadtgebiet untersucht und daraus ein flächendeckendes Handlungskonzept mit konkreten Verbesserungsvorschlägen für insgesamt 17 sogenannte ‚Maßnahmenbereiche‘ formuliert. Wo die einzelnen Bereiche in der Stadt liegen, sehen Sie in dieser Planzeichnung der Maßnahmenbereiche (PDF, 2,2 MB).
Neben der Fokussierung auf diese Maßnahmenbereiche sind zudem im gesamten Stadtgebiet Schritte zur Stärkung der vielfältigen Funktionen von Stadtgrün zu ergreifen. Geeignete Maßnahmen werden dafür in einem umfangreichen Maßnahmenkatalog zusammengestellt. An vielen Stellen werden zum Beispiel Potenziale für abschnittsweise Flächenentsiegelungen oder die ökologische und gestalterische Aufwertung von Grünflächen gesehen. Auch die Entwicklung von öffentlich zugänglichem Stadtgrün in unterversorgten Gebieten oder die Umsetzung eines durchgängigen Gestaltungskonzeptes für grüne Straßenräume zählen zu den Vorschlägen.
Maßnahmenkatalog mit vielen Bausteinen
Der Masterplan Stadtgrün wurde am 26. September 2022 als verbindlich für die zukünftige Arbeit von Politik und Verwaltung durch den Stadtrat beschlossen. Aber wie werden die Inhalte des Masterplans in die tägliche Arbeit integriert und umgesetzt? Dazu gibt es hier einen Überblick, denn die ersten Projekte sind bereits umgesetzt und weitere in der konkreten Planung.
Ein wichtiger Punkt ist die Schaffung von mehr Grünvolumen, insbesondere in Straßenräumen, die stark von Überhitzung betroffen sind. Das können große Einfallstraßen sein, aber genauso auch kleinere Wohnstraßen Dafür soll ein stadtweites Gestaltungskonzept für grüne Straßenräume umgesetzt werden. Hier befindet sich aktuell ein Straßenbaumprogramm im Aufbau, in welchem geeignete Straßen für Pflanzungen an Hand einer Bewertungsmatrix ausgewählt werden. Beispielsweise in Kreyenbrück und Ofenerdiek wurden auch schon neue Straßenbäume gepflanzt.
Im Masterplan werden in vielen Bereichen der Stadt Möglichkeiten zur Flächenentsiegelungen, wie zum Beispiel im Umfeld Pferdemarkt, aufgezeigt. Hier werden entsprechende Potentiale gemeinsam mit dem Fachdienst Tiefbau ermittelt und umgesetzt. Daneben ist eine wichtige Maßnahme die ökologische und gestalterische Aufwertung von Grünflächen durch die Herstellung von biodiversitätsfördernden Wiesen. Wie eine solche Aufwertung aussehen kann, lässt sich zum Beispiel in Grünanlagen an der Donnerschweer Straße, am Swarte Moor See, an der Theodor-Heuss-Straße oder auch auf dem Parkfriedhof sehen.
Zu den weiteren Vorschlägen zählt außerdem die Schaffung von öffentlich zugänglichem Stadtgrün in Stadtgebieten mit einer Unterversorgung beziehungsweise mit fehlender Erreichbarkeit von Grün. Beispielsweise wird in Nadorst durch den Ausbau des Lindenhofsgartens als multifunktionale Grünfläche eine deutliche Verbesserung der Situation geschaffen. Auch die Anlage so genannter „Pocket Parks“ könnte in vielen Bereichen eine Verbesserung der Grünraumversorgung bedeuten. Hier sind unter anderem die Innenstadt, das Hafen- und Bahnhofsumfeld, das Ziegelhof- und Haareneschviertel, Donnerschwee sowie Bürgerfelde/Dietrichsfeld im Fokus. Pocket Park bezeichnet dabei so etwas wie einen westentaschenpark, also einen Mini-Grünraum innerhalb dichter Bebauung.
Masterplan zum Download
Sie möchten auch einmal einen Blick in den Masterplan werfen und schauen, wie es um das Stadtgrün in Oldenburg bestellt ist oder was für Maßnahmen für Ihren Stadtteil vorgeschlagen werden? Hier laden Sie den gesamten Textteil des Masterplans (PDF, 13,7 MB, barrierefrei) herunter.
Sie interessieren sich auch für die 21 Karten aus dem Anhang des Masterplans? Auch diese haben wir für Sie zusammengestellt. Die Karten sind jeweils kapitelweise in einem PDF-Dokument zusammengestellt, so dass Sie genau die Karten herunterladen können, welche Sie aktuell interessieren:
- Karten 1 bis 3 – zu Kapitel 2 Rahmenbedingungen (PDF, 7,9 MB)
- Karten 4 bis 8 – zu Kapitel 3.1 Analyse Mensch und Gesundheit (PDF, 8,7 MB)
- Karten 9 bis 11 – zu Kapitel 3.2 Analyse Ökologische Funktionen (PDF, 4,7 MB)
- Karten 12 bis 15 – zu Kapitel 3.3 Analyse Stadtklima und Luft (PDF, 2,7 MB)
- Karten 16 bis 20 – zu Kapitel 5 Handlungskonzept (PDF, 5,9 MB)
- Karte 21 – zu Kapitel 5 und 6 Maßnahmenbereiche (PDF, 2,2 MB)
Zahlen und Daten zum Stadtgrün in Oldenburg
Wieviel Grün gibt es überhaupt in Oldenburg? Und was gibt es für verschiedenen Arten von Stadtgrün? Diese und weitere spannende Fakten finden Sie hier:
- Das Oldenburger Stadtgrün umfasst eine Fläche von circa 6.763 Hektar und bedeckt damit 65,7 Prozent des gesamten Stadtgebietes (10.301,6 Hektar). Unter das Stadtgrün fallen dabei alle mit Vegetation bedeckten Flächen, egal ob privat oder öffentlich.
- Jedem Einwohner und jeder Einwohnerin stehen also rund 396 Quadratmeter grünbedeckte Fläche zur Verfügung, bezogen auf die Zahl von 170.746 Einwohnern (zum Zeitpunkt der Untersuchung). Damit liegt Oldenburg in der Kategorie der Großstädte zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnenden über dem bundesweiten Mittelwert von 376 Quadratmeter/Einwohner.
- Für 70 bis 80 Prozent der Oldenburgerinnen und Oldenburger sind Grün- und Gewässerflächen, mit einer Größe von mindestens einem Hektar, in einer fußläufigen Entfernung von 300 Metern erreichbar.
- Die größten Anteile des Stadtgrüns entfallen auf land- und forstwirtschaftliche Nutzungen. Mit 52 Prozent macht die Grünlandnutzung den größten Anteil aus, während nur 13 Prozent auf ackerbauliche Nutzungen entfallen. Einen Flächenanteil von insgesamt 16 Prozent besitzen Wälder und Gehölze.
- Große Teile der Grünflächen dienen der Freizeit- und Erholungsnutzung. Circa 10 Prozent sind als Grünanlagen oder Parks gestaltet. Die übrigen neun Prozent umfassen Bereiche, wie zum Beispiel Kleingartenanlagen, Sportanlagen, Spielplätze und Friedhöfe.
- Grünanlagen und Parks haben in Oldenburg eine Gesamtfläche von circa 416 Hektar. Hierzu zählen sowohl intensiv gestaltete Parkanlagen, wie zum Beispiel der Schlossgarten oder die Wallanlagen, aber auch der Utkiek, der Große Bürgerbusch oder der Swarte Moor See. Auch die naturnahen Flächen für die ruhige Erholungsnutzung zählen zu dieser Kategorie. Diese sind zum Beispiel an den verschiedenen Seen, wie an der Tonkuhle oder an den Bornhorster Seen, zu finden.
- Einen weiteren großen Bestandteil des Stadtgrüns stellen die verschiedenen Sportanlagen mit insgesamt rund 126 Hektar Fläche dar, wie beispielsweise die Hundsmühler Höhe oder der Sportpark Kreyenbrück.
- Daneben sind auch die etwa 155 öffentlichen Spielplätze ein unverzichtbarer Baustein des Stadtgrüns in Oldenburg. So finden Kinder und Jugendliche viele Angebote und viel Platz zum Spielen und Toben, wie zum Beispiel auf dem Bauspielplatz Eversten, dem Hülsemann-Spielplatz oder dem Spielplatz Kampstraße
- Auch die 33 Kleingartenanlagen auf einer Fläche von etwa 73 Hektar bilden einen wichtigen Baustein des Stadtgrüns. Hier gibt es ganz unterschiedliche Anlagen, in denen gemeinsam gegärtnert wird, beispielsweise bei den Osternburger Gartenfreunden oder beim Kleingärtnerverein Stadtfeld.
- 35 Hektar umfassen in Oldenburg die Flächen von insgesamt zehn Friedhöfen, zu denen auch die beiden städtischen Anlagen des Waldfriedhofs in Ofenerdiek und des Parkfriedhofs in Kreyenbrück gehören.
Zuletzt geändert am 14. Juli 2026
