Nils Mohl im Gespräch mit Thomas Boyken
Am 24. Juni 2026 trat der Schriftsteller Nils Mohl im Programm des Literaturhauses auf. Er schreibt Romane und Lyrik und war als Drehbuchautor an zwei Kinofilmen beteiligt. Für seinen Jugendroman Es war einmal Indianerland wurde er unter anderem mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis und mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen seine Jugendromane An die, die wir nicht werden wollten (2021), Henny & Ponger (2022) und Engel der letzten Nacht (2025). Seit 2020 veröffentlicht Nils Mohl jeden Montag ein Gedicht auf Instagram. Er lebt als freier Schriftsteller in seiner Heimatstadt Hamburg.
Im Wilhelm13 las er aus seinen Büchern und sprach mit dem Oldenburger Literaturwissenschaftler Thomas Boyken über sein Werk und sein Selbstverständnis als Autor der Kinder- und Jugendliteratur:
„Ich verzwerge mich nicht, um KJL zu schreiben“
Wie bist du eigentlich Schriftsteller geworden?
Man sollte seine Talente realistisch einordnen. Wie viele Jungs hätte ich es gerne im Sport zu was gebracht, aber mir war schnell klar, dass das nichts wird. Außerdem ist mir bald aufgegangen, dass ich zu den Künstlerinnen und Künstlern dieser Welt gehören wollte. Das treibt einen dann schon an, ob man es schafft oder nicht, denn dazwischen steht eine harte Tür. Eine andere Sache, die ich auf dem Weg gelernt habe: Man muss nicht nur Künstler sein, sondern auch Unternehmer. Man rennt als Künstler wahnsinnig gerne gegen geschlossene Türen. Dann kommt aber das Alter Ego und sagt: Du solltest dir vielleicht auch überlegen, wie wir über die Runden kommen, wenn wir es durch die Tür geschafft haben. Solltest du nicht doch besser an einer Kaufhauskasse arbeiten und genügend Geld verdienen, damit du es dir leisten kannst, Künstler zu sein?
Und geraten Künstler und Unternehmer oft in Konflikt?
Ständig! Weil sie unterschiedliche Perspektive auf die gleiche Sache haben. Natürlich hat der Künstler das Sagen. Das wünscht er sich jedenfalls. Aber auch er muss manchmal zähneknirschend einsehen, dass manches nicht so funktioniert, wie er es sich wünscht. Dann wird es immer interessant, wie die Verhandlung ausgeht.
Der Weg zur Kinder- und Jugendliteratur
Wie bist du zur Kinder- und Jugendliteratur gekommen, nachdem du gemerkt hast, dass die Schriftstellerei etwas für dich sein könnte?
Das war tatsächlich eine unternehmerische Entscheidung. Ich saß an Kasse 53, als sich jemand in Butjadingen erbarmte, mein erstes sehr schön gestaltetes Buch zu veröffentlichen. Danach wurde in einem anderen Kleinverlag ein Band mit Kurzgeschichten von mir veröffentlicht. Ich war Ende 30 und dachte, das ist der Vorgeschmack meiner restlichen schriftstellerischen Karriere. Wenn ich Glück habe, werde ich für ein handverlesenes Publikum Bücher in kleinen Verlagen veröffentlichen. Von beiden Büchern wurden etwa 300 Exemplare verkauft. Aber dann hat es der Zufall so gewollt, dass die Programmleiterin von Rotfuchs bei Rowohlt den Band mit Erzählungen in die Hand bekam. Auf der Buchmesse in Leipzig sprach sie mich nach einer Lesung an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, einen Jugendroman zu schreiben.
Wie hast du reagiert?
Mein erster Gedanke war: Auf gar keinen Fall! Weil ich mich an meine Schulzeit erinnerte und dachte, alle Jugendromane seien wie Rolltreppe abwärts. Das Buch wird übrigens hier und da sogar noch an Schulen gelesen. Es geht um Kriminalität, darum, wie man mit den falschen Freunden abgleiten kann. Es ist sicherlich ein gut gemeintes Buch, aber leider mit erhobenem pädagogischem Zeigefinger geschrieben. Ich habe deshalb ein Exposé zu einem Jugendroman geschrieben, der meinen Vorstellungen entsprach. Ich hätte dankend abgelehnt, wenn die Rückmeldung gelautet hätte: Schreiben Sie doch mal 100 Seiten und dann sehen wir weiter. Stattdessen kam ein Vertrag. So wurde ich dann Kinder- und Jugendbuchautor.
Zum Stellenwert von KJL
Hat sich deine Einstellung zur Kinder- und Jugendliteratur seitdem geändert?
Ich habe meine Arbeitsweise und den Anspruch, was ich als Schriftsteller möchte, seit den ersten beiden Büchern nicht sehr geändert: Ich möchte mich als Künstler weiterentwickeln. Ich verzwerge mich nicht, um KJL zu schreiben. Ich würde schon behaupten, ich schreibe Literatur. – Aber wie wird man denn von den Kollegen wahrgenommen als Professor im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur?
Das hängt davon ab, in welchen Kontexten man sich bewegt. Ich bin für mehrere Kommissionen tätig, die Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur und für Allgemeinliteratur vergeben. Als wir bei einer Jurysitzung zunächst die Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur behandelt hatten, sagte ein Kollege, ein Professor der neueren deutschen Literatur: „So, jetzt kommen wir zur richtigen Literatur.“
Das sind auch meine Erfahrungen. Nicht nur bei KJL, sondern bei allem, was mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Wir sind uns immer sehr schnell einig, dass es wichtig ist, viel für ihre Zukunft zu tun, und dann gehen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt über. Daran ändern auch dramatische Studien zur Lesekompetenz wenig. Kaum jemand hat Lust, sich damit wirklich auseinanderzusetzen. Irgendjemand muss es aber tun und deswegen gucke ich, was ich in der KJL so zustande bringen kann.
Wie würdest du den Stellenwert beschreiben, den KJL in unserer Gesellschaft innehat?
Bevor man Allgemeinliteratur lesen kann, muss man erst mal das Lesen lernen. Und auch Literatur lesen muss man lernen. Deshalb ist es gut, wenn es Literatur gibt, die auch für junge Menschen zugänglich ist. Oft entsteht aber leider der Eindruck, dass sie KJL nicht mehr lesen dürfen, wenn sie älter werden. Dass es sie dann unterfordern könnte. Dabei wird vergessen, wie Literatur funktioniert. Man kann Bücher unterschiedlich lesen und das gilt auch für KJL. Ihre Themen bleiben zudem das ganze Leben aktuell. Der Prozess des Erwachsenwerdens hört nie richtig auf, kann ich mit Mitte 50 sagen. Interessanterweise taucht das Thema zudem an anderen Stellen im Leben immer wieder auf, zum Beispiel wenn Nachwuchs kommt.
Literarische Stilmerkmale von Nils Mohl
Deine Protagonisten sind meistens ungefähr siebzehn, achtzehn Jahre alt und sie sind männlich. Sind deine Texte sehr männliche Texte?
Ich weiß nicht, ob das Kategorien sind, in denen ich denke. Ich bin zwar in meiner Gestalt ein bisschen gefangen, aber eigentlich bin ich überzeugt, dass ich beim Schreiben schon eine gewisse Freiheit hätte, mich auch in Außerirdische oder 17-jährige Mädchen hineinzuversetzen. Es ist vielleicht eine Form von Bequemlichkeit; ich meine, mich mit 17-jährigen Protagonisten gut auszukennen. Ich habe aber früh festgestellt, dass es auch befreiend ist, Figuren zu schreiben, die weit weg von mir sind. In einer der Geschichten des Erzählungsbandes geht es um ein älteres Ehepaar. Ich habe sie geschrieben, als ich zwanzig, dreißig Jahre jünger war als die Figuren. Aus Schreibwerkstätten kenne ich die Tendenz, dass sich Menschen verheddern, die gerne autobiographische Dinge verarbeiten wollen, weil sie die Geschichten mit der Wirklichkeit abgleichen und es nicht schaffen, an Stellen im Text etwas zu verändern, wo es für die Geschichte und das Erzählen wichtig wäre. In meine Jugendromane fließt bestimmt jede Menge ein, was ich von meiner Jugend erinnere. Aber es ist nicht meine Jugend.
Ich habe meine Mitarbeiterin gebeten, nach Nils Mohl zu recherchieren und sie hat sich Rezensionen zu deinen Texten angeschaut. Dabei hat sie einen Merkmalskatalog des Mohlhaften oder des Mohlesken zusammengestellt: Nils Mohl ist ein Autor des Erwachsenwerdens, erstens. Zweitens: Nils Mohl ist experimentierfreudig. Drittens: Nils Mohl ist ein Autor, der ein junges Publikum herausfordert. Viertens: Nils Mohl ist ein medienbewusster Erzähler. Und fünftens: Nils Mohl ist ein sprachbewusster Erzähler. Erkennst du dich wieder?
Das sind alles sehr wohlwollende Beschreibungen, die ich mir gerne anhöre.
Du stimmst zu, dass du junge Leserinnen und Leser herausforderst?
Ja, da hätte ich nichts gegen, aber ich weiß ja nicht, wer meine Bücher in die Hand bekommt. Vermutlich sind es auch Leute, die im Schulkontext zum Lesen gezwungen werden. Aber darüber mache ich mir beim Schreiben keine Gedanken. Mein Publikum bin dann eher ich, es ist mein jüngeres Ich, das ich beeindrucken möchte. Mir ist schon wichtig, dass junge Menschen sich nicht schämen müssen, wenn sie mit meinen Büchern erwischt werden. Ich möchte die schützen, die tatsächlich gerne lesen. Und es soll für die, die mit Lesen nichts am Hut haben, aber nicht auf den Kopf gefallen sind, schwer sein, sich über meine Bücher lustig zu machen, ohne sie gelesen zu haben.
Die Herausforderung resultiert daraus, dass du zum Beispiel nicht chronologisch erzählst. Viele deiner Bücher haben Zeitsprünge, arbeiten mit Vorausschauen, mit Rückblenden. Die Konvention von Romanen ist sehr häufig, dass sie bei A beginnen über B nach C führen.
Das ist erstaunlich, weil es nicht unserer tatsächlichen Wahrnehmung entspricht. Den ganzen Tag über schweifen wir gedanklich ab, schalten Geräte ein, auf die wir gucken, lesen etwas, um dann in einem anderen Kontext unterwegs zu sein. Dann führen wir ein Gespräch, dann werden wir abgelenkt, dann gehen wir schlafen und träumen. Ständig brechen wir aus der Chronologie des Alltags aus. Die Konvention ist aber, dass Romane überwiegend chronologisch erzählt werden, was wiederum zur Folge hat, dass man davon ausgeht, dass alles folgerichtig erzählt wird. Wenn eins immer aus dem anderen folgt, Ursache und Wirkung ganz klar benannt sind, dann ist auch die Bedeutung leichter zu erkennen. Ich finde das problematisch, denn ich mag es, wenn Literatur mir die Chance gibt, die Puzzleteile selbst zusammenzufügen. Ein junges Publikum ist vielleicht sogar eher in der Lage, mit Zeitsprüngen umgehen zu können, weil seine Leseerfahrungen noch nicht so eingeübt sind. Wenn sie nur eine Marotte meines Schreibens wären, fände ich die Zeitsprünge schlecht. Ich überlege mir aber immer, was zu welcher Geschichte am besten passt. Und meiner Erinnerung nach war ich in meiner Jugend hin und wieder durcheinander.
Ich will der Merkmalsliste noch ein Kriterium hinzufügen: Nils Mohl arbeitet viel mit intertextuellen und intermedialen Bezügen. Wenn ich den Roman Es war einmal Indianerland lese, denke ich unweigerlich an den Film Fight Club, und zwar nicht nur wegen des Motivs des Boxens, sondern auch wegen der Erzählsituation. Als Lesende verstehen wir erst im Laufe des Romans, dass der Ich-Erzähler und Mauser nicht zwei unterschiedliche Figuren sind. Ich denke durch das achronische Erzählen auch an Pulp Fiction. Im Roman spielt zudem der Western eine Rolle.
Ich bin 1971 geboren und habe in den 80er und 90er Jahren meine größten popkulturellen Prägungen erfahren, die man wiedererkennt, wenn man sie denn kennt. Ich stelle mir die ganze Literatur und Kultur wie ein Nervengeflecht vor, in dem wie in einem Netz unterschiedliche Pfade miteinander verknüpft sind. Dorthinein knüpfe ich meine Fäden. Für mich ist das auch eine kleine Verneigung vor den Menschen und den Werken, die mir besonders gefallen. Als Student habe ich wahnsinnig viel William Faulkner gelesen, der es auch nicht so mit dem chronologischen Erzählen hatte.
Literatur im digitalen Raum
Du schreibst auch Lyrik und hast die sogenannten Montagsgedichte erfunden. Jeden Montag veröffentlichst du ein neues Gedicht im digitalen Raum. Verändert sich Lyrik durch die Veröffentlichung im digitalen Raum? Weil es ein Unterschied ist, ob man ein Gedicht auf dem Handy oder in einem Buch liest?
Gar nicht so leicht zu sagen. Gedichte haben ja mehrere Qualitäten und ihre Gestaltung gehört auf jeden Fall dazu. Wir erkennen ein Gedicht sofort, wenn wir es sehen. In einem Gedichtband soll jedes Gedicht mit allen anderen korrespondieren und eine Dramaturgie ergeben. Das ist im digitalen Raum irrelevant. Aber auch dort sind Gedichte gestaltet und das empfinde ich als Qualität. Bei den Montagsgedichten unterliege ich der Beschränkung, dass jedes Gedicht so kurz sein muss, dass es auf eine Kachel passt. Die Beschränkung auf dieses Quadrat interessiert mich als Gestaltungsform. Die Texte sind zwangsläufig sehr kurz, können nicht allzu komplex sein und funktionieren nach meinen Regeln. Ich arbeite mit Reimen und der Zeilenbegrenzung.
Kannst du dir auch vorstellen, Teile eines Fortsetzungsromans auf Instagram zu veröffentlichen? Zum Beispiel jeden Freitag? Den Freitagsroman?
Könnte ich, aber ich glaube nicht, dass das ideal für dieses Medium ist. Es würde voraussetzen, dass alle sich merken müssten, was bisher im Roman passiert ist, wenn die nächste Episode erscheint. Ein Dichterkollege hat mal das erste Kapitel seines Romans Stück für Stück auf Twitter veröffentlicht. Auch da habe ich mich gefragt, wer das wohl liest. Spannend ist es dennoch, dass man digital so schnell etwas publizieren kann und sofort ein Publikum hat. Meine Montagsgedichte erreichen Menschen in einer Zahl, die ich mit einem Gedichtband nur schwer oder nie erreichen würde.
Wird Literatur für Kinder und Jugendliche anders geschrieben?
Kasse 53 hast du nicht für Jugendliche geschrieben. Dann ist der Rowohlt Verlag mit der Aufforderung an dich herangetreten, einen Jugendroman zu schreiben. War die Arbeit an Es war einmal Indianerland anders als die an Kasse 53?
Ich habe selbst an einer Kaufhauskasse gesessen, als ich Kasse 53 schrieb, und ich habe viele der Dialoge aus dem Buch selbst geführt, habe sie mitgeschrieben und dann verändert. Zu der Zeit habe ich gerne Texte aus der Wirklichkeit genommen, um sie zu transformieren und um lexikalische Einträge zu ergänzen. Es gibt zudem sehr beschreibungsintensive Passagen, mit denen ich versucht habe, die Wirklichkeit einzufangen, aber Kasse 53 sollte keine Geschichte erzählen. Es war vielmehr meine Idee, die Wirklichkeit wie bei einer Tonanlage zu übersteuern, damit etwas anderes sichtbar wird: die ganze Absurdität unseres Daseins als Konsument. Es war einmal Indianerland sollte vor allem eine gut erzählte Geschichte werden. Mit hohem Unterhaltungswert. Da wird geboxt, da gibt es Wildunfälle, da gibt es ein Festival. Da geht es schon hoch her, in einem ziemlichen Tempo. Das alles war aber nicht so beabsichtigt, weil ich dachte, das müssen junge Menschen lesen, sondern weil ich mir die Aufgabe gestellt hatte zu beschreiben, wie es sich für mich angefühlt hat, siebzehn zu sein. Es hat mir großen Spaß gemacht, das nochmal zu durchleben in einer viel konzentrierteren, intensiveren Form.
Zur Verfilmung deines Romans Es war einmal Indianerland hast du auch das Drehbuch geschrieben. Wie sehr ähneln sich Roman und Film?
Der Roman ist der Roman und der Film ist der Film. Das ist wie bei Häusern: Wenn der Roman ein Haus ist, bin ich ausgezogen und dann sind andere Leute eingezogen und haben das Haus neu möbliert, den Garten umgestaltet, das Dach neu gedeckt, innendrin ein bisschen anders dekoriert. Aber das Haus ist immer noch das Haus. Es ist auch noch mein Haus, weil ich daran mitgearbeitet habe.
In deinem Roman Engel der letzten Nacht spielen Suizidgedanken des Protagonisten eine Rolle. Das ist aus verschiedenen Gründen ein nicht einfach zu behandelndes Thema. Wie gelingt es so darüber zu schreiben, dass der Roman nicht moralisiert?
Komischerweise habe ich keine Sekunde einen Gedanken daran verschwendet. Deshalb bin ich immer erstaunt, wenn andere mich darauf ansprechen. Auch im Verlag war es ein Thema. Meine Lektorin erzählte mir, dass sie mit einer Psychologin darüber gesprochen hätte, was in diesem Bereich zumutbar wäre, weil in meinem Exposee schon erkennbar war, dass mein Buch nicht auf die Art und Weise endet, wie es vielleicht in herkömmlichen Jugendromanen gewünscht ist, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Für mich war es nur ein thematischer Baustein dieser Geschichte, in der es auch um ganz viele andere Dinge geht. Ausschlaggebend für die Suizidgedanken des Protagonisten war ein Gedankenexperiment, das ich aus meiner Jugend kannte: Wie wird es sein, wenn ich morgen nicht mehr bin? Suizid ist außerdem der häufigste Todesgrund unter jungen Menschen. Wir kennen wahrscheinlich alle jemanden, der Suizid begangen hat. Das ist für mich als Geschichtenerzähler Grund genug, literarisch damit zu arbeiten. Ich denke darüber nach, was für mich eine interessante Geschichte sein könnte, und dabei gibt es keine Tabus. Der Hamburger Streetart-Künstler Brozilla, der das Covermotiv gestaltet hat, ist im richtigen Leben Sozialarbeiter. Er arbeitet auch mit suizidalen Jugendlichen, das habe ich vorher nicht gewusst, aber wir sind ins Gespräch gekommen, während wir über das Cover nachdachten. Wenn er mit diesen jungen Menschen das erste Mal ins Gespräch kommt, sagt er immer: Ich bin hier, um Werbung fürs Leben zu machen. So verstehe ich meinen Roman auch. Er ist Werbung fürs Leben.
Zuletzt geändert am 8. September 2026
