Co-Regisseur und Protagonist Pavel Talankin anwesend – Schulveranstaltung am 6. Oktober
Wie sieht der Schulalltag aus, wenn sich das eigene Land im Krieg befindet? Der russische Lehrer Pavel Talankin hat genau das mit der Videokamera festgehalten, bevor er aus seinem Heimatland geflohen ist. Der daraus entstandene Film „Ein Nobody gegen Putin“ mit Talankin als Protagonist und Co-Regisseur wurde im Jahr 2026 mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Am Montag, 5. Oktober 2026, stellen Pavel Talankin und der Journalist Artur Weigandt den Film im Cine K, Bahnhofstraße 11, vor – auf Einladung des städtischen Kulturbüros und des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE). Beginn ist um 20 Uhr, Tickets gibt es über die Website des Cine K.
Vorführung und Diskussion für Schulen im Herbartgymnasium
Am Dienstag, 6. Oktober 2026, sind die Veranstaltenden gemeinsam mit ihren Gästen Pavel Talankin und Artur Weigandt zu Gast bei Oldenburger Schulen. Das Herbartgymnasium hat seine Aula für eine Vorführung des Films zur Verfügung gestellt und es dankenswerterweise übernommen, weitere Schulen zu Film und Filmgespräch einzuladen. Die Schülerinnen und Schüler haben so die einmalige Gelegenheit, den Schulalltag in einer russischen Schule von heute kennenzulernen und mit einem ehemaligen Lehrer dieses Systems über Bevormundung und Indoktrination zu diskutieren. Diese Vorstellung ist nicht öffentlich.
Plötzlich im Krieg: Die „Neue Föderalpatriotische Bildungspolitik“ Russlands
Der Film zeigt den ehemaligen Lehrer Pavel Talankin, genannt Pascha, in einer Schule seiner Heimatstadt Karabasch am Ural. Er ist gern Lehrer und seine Schülerinnen und Schüler mögen ihn. Im Februar 2022, mit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, erhält die Schule eine Aufforderung zur Umsetzung der „Neuen Föderalpatriotischen Bildungspolitik“. Mit sofortiger Wirkung wird der Unterricht darauf ausgerichtet: Inhalte zur sogenannten militärischen Spezialoperation werden in den Unterricht integriert, die Schülerinnen und Schüler lernen patriotische Lieder und Gedichte und singen jeden Morgen beim Fahnenappell die Nationalhymne.
Videos für das russische Bildungsministerium
Pavel Talankin muss diesen an der neuen Bildungspolitik ausgerichteten Unterricht für das Bildungsministerium mit der Kamera dokumentieren. Seine Videos, die er nach Moskau zu schicken hat, sollen die patriotische Pflichterfüllung der Schule beweisen. Gleichzeitig zeigen sie, wie unfassbar schnell sich Unterrichtsinhalte verändern lassen, damit bereits die Jüngsten politisch auf Linie gebracht und letztlich auf den Kriegsdienst eingestimmt werden. Zunehmend im ethischen Dilemma und unschlüssig, welche Rolle er in diesem von Propaganda und Gewalt geprägten System selbst spielen soll und kann, entschließt Talankin sich trotz immenser Gefahr für das eigene Leben, sein Video-Material außer Landes zu bringen und selbst aus Russland zu fliehen. Der ernüchternde und doch auch humorvolle Film entstand in einem Zeitraum von zwei Jahren und liefert einen spektakulären Einblick ins Herz der russischen Propaganda.
Zuletzt geändert am 24. September 2026