Oberschule Alexanderstraße erhält Auszeichnung im bundesweiten Wettbewerb

Jugendtheater-Stück über NS-Euthanasie ist preiswürdig

Sie haben mit ihrem Theaterstück „Gedenken – Verstehen – Nicht vergessen“ im Juni 2019 das Publikum bei mehreren Aufführungen in Oldenburg aufgerüttelt. Nun haben die Schülerinnen und Schüler aus dem Wahlpflichtkurs Theater der Klasse 9 der Oberschule Alexanderstraße auch die Jury des bundesweiten Wettbewerbs „andersartig gedenken on stage“ überzeugt. „Wir werden am 19. November in Berlin ausgezeichnet“, freut sich Thomas Vossenberg, Theaterpädagoge der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde, über die frohe Kunde aus der Hauptstadt. Vossenberg hatte in Kooperation mit Susan Wiraeus, Theaterpädagogin und Lehrerin der Oberschule Alexanderstraße, zusammen mit dem jungen Ensemble den ambitionierten Stoff über Verbrechen der NS-Euthanasie umgesetzt.

Ausgezeichnet mit dem vierten Preis
Eine Fachjury unter der Leitung des Theaterregisseurs Michael Stacheder erkannte dem Oldenburger Beitrag den mit 500 Euro dotierten vierten Preis zu. Platz eins ging an die GSB Stadtteilschule Bergedorf aus Hamburg mit dem Stück „Das Kinderkrankenhaus von Rothenburgsort. Oder: Keine Ahnung“. Vossenberg und Wiraeus sind eingeladen, die Auszeichnung zusammen mit sieben Jugendlichen auf der Bühne des Theaters Thikwa entgegenzunehmen.

Kunstformen wie Theater erschaffen eine Brücke
„Wir gratulieren allen Preisträgern und bedanken uns bei allen Theatergruppen, die sich auf den Weg gemacht haben, Biografien von Opfern der NS-Euthanasie-Verbrechen auf der Bühne zu verarbeiten und sie so dem Vergessen zu entreißen“, so Irit Kulzk, 1. Vorsitzende des Förderkreises Gedenkort T4 e.V., dem Träger des Wettbewerbs. „Denkmäler und Gedenkorte sind stabile Pfeiler des Nicht-Vergessens. Aber mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, ist die persönliche Auseinandersetzung mit den Einzelschicksalen der Opfer. Kunstformen wie Theater erschaffen eine Brücke zwischen der jungen Generation heute und dem Leben der Menschen, die Opfer der Gräueltaten der NS-Euthanasie-Verbrechen wurden. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung in der heutigen Zeit braucht diese geschichtliche Reflexion“, betont die Schirmherrin des Wettbewerbs, Ulla Schmidt, Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe und Mitglied des Deutschen Bundestags.

Intensive Vorbereitung auf Theaterarbeit
Die 14- bis 16-jährigen Mitglieder des Wahlpflichtkurses Theater der Oberschule Alexanderstraße hatten sich intensiv auf ihre Theaterarbeit zum Thema NS-Krankenmorde vorbereitet – anschauliche Quellen fanden sie ganz in der Nähe: In der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen sind mehr als 1.500 Patientinnen und Patienten zwischen 1933 und 1947 an den Folgen von Unterernährung und Entkräftung zugrunde gegangen. Die Schülerinnen und Schüler haben die Gedenkstätte Alte Pathologie in Wehnen besucht, einen Vortrag gehört und sich einen Film angesehen. Ziel der Arbeit war es nicht nur, das grauenhafte NS-Programm zur Vernichtung von vermeintlich „minderwertigem“ Leben darzustellen. Es wurde ebenso ein Bezug zum aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurs über den Umgang mit Behinderung und Inklusion hergestellt – das hat der Jury besonders gefallen. Zum Ensemble gehörten Michelle Franke, Julia Klimko, Dana Franziska Musielak, Nele Rohlfs, Julia Winzeck, Philip Amann, Linda Kroh, Tom Kischstein, Luis Osagie, Basim Shamo, Nico Bischoff, Sarah Ebeling, Laura-Sophie Elwanger, Yannic van Mark, Maisaa Ahmedo, Emma Behrens, Alina Fitz, Shelan Karm Hussein, Evelina Stavilla und Liana Wilhelm.

Das Theaterprojekt wurde durch das Kulturbüro der Stadt Oldenburg finanziell gefördert.

Video zum Theaterstück „Gedenken - Verstehen - Nicht vergessen“