Manfred Mauermann: (K)eine Entscheidung im Fluss
Auf diesem Wochenendfamilienausflug spüren wir dem Tun des Würflers nach. Es ist ein Nachspüren in einer Light Version. Der Würfel darf uns die Richtung weisen und so leitet er uns Richtung Weser zur Juliusplate, auf einen Strandspaziergang, nicht zurück zum Auto, sondern weiter auf dem Deich entlang der Westergate und jetzt stehen wir hier am Übergang durch die Westergate zur Insel Elsflether Sand. Das letzte Stück ist matschig und rutschig. Das Bedürfnis nach trockenen, noch halbwegs sauberen Schuhen, steht unserem Streben gen Insel deutlich entgegen. Zögern. Unentschiedenheit. Ein klarer Fall für den Würfel. Gerade Augenzahl: Sprich halbwegs saubere Schuhe und trockene Füße, versus ungerade Augenzahl: Auf zur Insel. Der Würfel rollt aus meiner Hand in die Westergate. Da liegt er nun im Wasser und brennt. Er konnte sich auch keine Entscheidung abringen. Der eigentlich kurze Moment einer Entscheidung im Fluss gerinnt hier zu einem fortdauernden Zustand der offenen Entscheidung, versinnbildlicht in einem auf Kante liegendem Würfel, eingefroren in einem Foto. Ich sehe das als Zeichen, uns unsere Autonomie vom Würfel zurückholen zu dürfen. So lästig das Treffen von Entscheidungen manchmal ist, fühlt es sich für mich weit besser an, dies selbst zu tun, als es jemandem oder gar etwas anderem zu überlassen. Unsere zurückgewonnene Autonomie genießend, entscheiden wir uns nach kurzer Diskussion und gehen – A. Weiter zur Insel oder B. Zurück zum Auto. Das ganze Leben ist ein Quiz. Mein Name ist Manfred Mauermann.
Zuletzt geändert am 1. August 2024
