Das Echo der Vergangenheit

von Doreesha, Nimra, Maja und Michelle

An einem ruhigen Abend sitzen Adrian und Stella an dem Esstisch in ihrer kleinen Wohnung. Beide stöbern auf eBay Kleinanzeigen, denn der Wunsch nach einem eigenen Haus liegt ihnen schon lange auf dem Herzen. Dabei stoßen sie auf eine Anzeige mit einem sehr runtergesetzten, leeren Haus. „Schau mal, nur 10.000 Euro! Aber wo ist der Haken? Warum so günstig?“, fragt Stella. „Wahrscheinlich wegen den ganzen Schäden. Das Dach hat Löcher und die Wand sieht von außen aus wie nicht gewechseltes Wischwasser.“ Adrian überlegt: „Aber Liebling, das ist doch unsere Chance, wir können es einfach renovieren.“

Nach einer direkten Zusage beginnt der Umzug. Zig Kartons stehen im Flur, bereit in das Haus verladen zu werden.

2 Tage später. Stella trägt einige Kartons in Richtung der düsteren Haustür. Aber etwas liegt ihr im Weg. Sie stolpert und lässt alles fallen. „Verdammt, warum ist der Weg so holprig?!!!“, ärgert sie sich und schaut zum Haus nebenan. Da steht eine Gestalt am Fenster und beobachtet das verheiratete Paar. Stella reißt sich zusammen und winkt. Doch die Nachbarin verschwindet wieder hinter den weißen Gardinen. Nach dieser mysteriösen Aktion erzählt Stella Adrian davon. „Ach Stella, nimm dir das nicht so zu Herzen. Vielleicht ist sie alt und hat dich nicht richtig gesehen? Lass uns doch morgen bei ihr vorstellen.“ 

Am nächsten Tag klingeln sie mit einem duftreichen, köstlichen Marmorkuchen an der Tür. „Elderly“ steht auf dem Klingelschild. Darüber hat eine Spinne ihr klebriges Netz gebaut. Stella schreckt zurück, aber Adrian entfernt es mit einer federleichten Bewegung. „Ding-Dong!“ Es dauert eine Minuten, ein weiteres „Ding-Dong“ und die Tür wird einen kleinen Spalt geöffnet. Eine Sicherheitskette ist von innen vorgelegt. „Guten Mittag Misses Elderly, wir sind die neuen Nachbarn aus dem Haus nebenan. Wir haben einen Kuchen für Sie gebacken.“ Mit einem furchteinflößenden, starren Blick flüstert Misses Elderly leise: „Zieht aus, bevor die Leichen des Dreitotenhauses euch mit in den Fluch ziehen.“ Dann schließt sie die Tür ruckartig. „Die Alte hat doch was an der Marmel, sie muss in die Anstalt“, sagt Adrian. „Komm wir gehen zu den Nachbarn gegenüber, Liebling!“

Die beiden überqueren die Straße und stehen vor dem wunderschönen Haus, das im Vergleich zu ihrem aussieht wie verlassen. Ein junges Paar öffnet die Tür und begrüßt sie freundlich. „Och, wie schön! Sie ziehen gegenüber ein, oder?“ Adrian antwortet: „Genau, wir wollten uns vorstellen und fragen, ob Sie Zeit für Kaffee und Kuchen hätten?“ Das freundliche, junge Paar nickt willkommen und bittet sie ins Haus. Als sie sich auf das gemütliche Sofa setzen, fragt Anna, die neue Nachbarin: „Sagt mal, ich hab euch grade bei Misses Elderly gesehen. Habt ihr miteinander geredet?“ Stella schluckt: „Naja so freundlich war sie nicht. Sie meinte, wir sollen ausziehen, sonst würden die Leichen aus dem Dreitotenhaus uns mit in den Fluch ziehen.“ Anna öffnet ihre Augen weit und seufzt: „Keiner aus der Nachbarschaft redet mit ihr. Sie muss einiges durchgemacht haben. In diesem Haus lebte tatsächlich vor vier Jahren ihre Tochter mit ihren zwei Kindern. Jeden Abend las Misses Elderly ihren Enkelinnen das Märchen `Die Schneekönigin` vor, bis sie eingeschlafen waren, und ging dann leise aus dem Haus, um selbst schlafen zu gehen. Doch eines Morgens bekam sie die tragische Nachricht, dass ihre Familie durch einen unerklärlichen Grund zu Tode gekommen sei. Am Abend davor war noch alles wie immer gewesen. Und das Schlimme ist“, Anna hält einen Moment inne und flüstert fast, als sie weiterspricht: „Das ist nicht zum ersten Mal passiert. Früher ist schon einmal eine Familie in dem Haus auf unerklärliche Weise ums Leben gekommen. Misses Elderly ist vielleicht merkwürdig und mag unfreundlich erscheinen, aber ihre Warnung solltet ihr ernst nehmen.“

Zuletzt geändert am 28. April 2026