Schreibprojekt an IGS Flötenteich im Frühjahr 2026

Die Schuhgröße des Winters oder Schneespuren so kalt im Boden wie eingefrorene Herzen im Schatten des Dreitotenhauses

Seit Anfang 2025 besteht eine Kooperation zwischen dem Literaturhaus Oldenburg und der IGS Flötenteich. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fand im Frühjahr 2026 bereits zum vierten Mal ein gemeinsames Literatur- und Schreibprojekt statt. Beteiligt war der Deutsch Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 unter der Leitung von Gertrud Wiele. Die Theaterpädagogin Hatice Karagöl und die Autorin Henriette Dyckerhoff unterstützten die Schülerinnen und Schüler. Sie setzten sich mit einem Roman auseinander und verfassten eigene literarische Texte, die am 13. April im Wilhelm13 vorgestellt wurden. 

Kampuswoche als neuer Rahmen

Eine erste Kostprobe der entstandenen Texte präsentierte die Lerngruppe bereits am 20. März im Forum der IGS Flötenteich vor Mitschülerinnen und Mitschülern des 12. Jahrgangs. Denn dieses Mal war das Projekt Teil der Kampuswoche (16.-20. März 2026). Während dieser Zeit haben Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 12 und 13 die Möglichkeit, unabhängig vom Unterrichtsfach und ohne Notendruck an einem eigenen Projekt zu arbeiten.

Der literarische Ausgangspunkt

Im Mittelpunkt stand der Roman Schneeriese von Susan Kreller. Er erzählt die Geschichte des vierzehnjährigen Adrian, der unaufhaltsam wächst. Seine engste Vertraute ist Stella, die mit ihrer Großmutter Misses Elderly im Nachbarhaus lebt. Während Adrian neue, verwirrende Gefühle für Stella entwickelt, interessiert sie sich vor allem für das geheimnisvolle Dreitotenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 

Den Schülerinnen und Schülern fiel die besondere Sprache des Romans auf. Susan Kreller bringt ganz eigene, ungewöhnliche Ausdrücke in den Text ein, ihr Ton ist träumerisch. Sie verwendet Motive aus Hans Christian Andersens Die Schneekönigin, was dem Roman eine märchenhafte Komponente verleiht.

Träumen, Dichten, Erzählen

Durch angeleitete Traumreisen versetzten sich die Schülerinnen und Schüler in andere Welten und erzählten schreibend von ihren Eindrücken. In poetischen Meditationen, bei denen jeder Satz mit dem Wort „jetzt“ beginnt, schärften sie ihre Wahrnehmung. Und sie verfassten siebenzeilige Formgedichte, auch Zevenaar genannt.

Darüber hinaus entstanden längere Prosatexte, die sich inhaltlich und stilistisch mit dem Roman Schneeriese auseinandersetzen. In den spannenden und wortgewaltigen literarischen Texten bedienen sich die Jugendlichen frei am Personal und am Setting von Susan Krellers Roman:

Aus dem Dreitotenhaus wird in Das Echo der Vergangenheit ein etwas schräges Immobilienschnäppchen. In Dornen voller Mut ist es ein festungsartiges Anwesen, bewacht von der bösen Hexe Misses Elderly. Im Text Der Mythos des Dreitotenhauses müssen sich Adrian und Stella gegen einen Geist behaupten, der es auf Stellas Jugend abgesehen hat. Die Wärme des Schnees ist die Geschichte eines Traums, in den Adrian mit Stella hineingeraten. In der poetischen Erzählung Die Seelen des Dreitotenhauses helfen Stella und Adrian - unterstützt von Misses Elderly - Geistern, die in einem baufälligen Gebäude keine Ruhe finden.

Die Präsentation

Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten eigenständig. Vorschläge wurden oft gemeinsam weitergedacht und kreativ umgesetzt. Auch den Ablauf der Lesung im Wilhelm13 gestalteten sie selbst. Den außergewöhnlichen Titel: Die Schuhgröße des Winters oder Schneespuren so kalt im Boden wie eingefrorene Herzen im Schatten des Dreitotenhauses wählten sie demokratisch aus einer Vielzahl von Vorschlägen. Zwei Schülerinnen übernahmen die Moderation und führten durch den Abend. Alle waren mit Einsatz, besonderer Kreativität und einem feinen Gefühl für Sprache und Ausdruck dabei.

Zuletzt geändert am 28. April 2026