Werkstattlesung im Februar 2026

Poetinnen von morgen

Im Juni und September 2025 fand eine Schreibwerkstatt des Literaturhauses für 16- bis 26-Jährige statt, die von der Schriftstellerin Rasha Khayat geleitet wurde. An zwei Wochenenden wurde sowohl mit klassischen Gedichten als auch mit modernen Techniken des Creative Writing gearbeitet. Am 9. Februar 2026 stellten drei junge Frauen Texte vor, an denen sie in der Werkstatt gearbeitet hatten: dystopische Geschichten und Texte über Verzweiflung, Hoffnung und die Kraft von Freundschaft. Rasha Khayat las aus einem unveröffentlichten Manuskript, für das ihr ein Stipendium der Kunststiftung NRW zugesprochen wurde. Der Lesung ging ein intensives letztes Coaching am Tag vor der öffentlichen Veranstaltung voraus. Direkt vor der Lesung machten sich die jungen Teilnehmerinnen in einer kurzen Generalprobe mit der Bühnentechnik vertraut.

Wer war dabei?

Rasha Khayat, 1978 in Dortmund geboren, wuchs in Jeddah, Saudi-Arabien, auf. Als sie elf war, siedelte ihre Familie nach Deutschland zurück. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Bonn. Seit 2005 arbeitet sie als freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin. 2016 erschien ihr erster Roman Weil wir längst woanders sind. Sie erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung sowie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds für den Roman Ich komme nicht zurück, der 2024 erschien. Seit 2022 hostet sie den feministischen Literaturpodcast Fempire – der Podcast über Frauen, die schreiben, der über 10.000 Abonnentinnen und Abonnenten hat.

Rieke Geldmacher wurde 2008 in Oldenburg geboren. Wenn sie nicht gerade in Büchern lebt, ist sie eine professionelle Tagträumerin und ihrer bescheidenen Ansicht nach erprobte Wortmagierin, wodurch sie den Träumen hin und wieder Leben einhaucht. Kaja Geldmacher, 16 Jahre alt, hat's eigentlich nicht so mit Lesen und Deutschunterricht, aber das kreative Schreiben lässt sie in andere Welten abtauchen. Carolin Lewedag, 17 Jahre alt, kam an einem beliebigen Sonntagabend auf die Idee, dass Schreiben doch ganz cool wäre und stellt diese Einschätzung seitdem mit ihren literarischen Texten unter Beweis.

Welche Texte wurden vorgestellt?

Kaja Geldmacher, Carolin Lewedag und Rieke Geldmacher wurden durch Rasha Khayat jeweils in kurzen Gesprächen auf der Bühne vorgestellt. Sie gaben Auskunft über ihre Schreibmotivation, fanden einleitende Formulierungen zu ihren vorgetragenen Texten und berichteten, wo sie Anregungen für ihre Geschichten finden. Selbstbewusst und souverän trugen sie dann ihre eigenen Texte vor: Kaja Geldmacher stellte unter dem Titel „Brief an mich“ einen Brief an ihr zukünftiges Ich vor, der durch eine Schreibübung aus der Werkstatt angeregt worden war. Als jüngste Teilnehmerin gelangte sie in ihren Formulierungen zu überraschend lebensklugen und ungewöhnlichen Überlegungen, die ihr schon in der Werkstatt den Spitznamen „Guru“ eingebracht hatten. Als „Philosophin“ wurde Carolin Lewedag von Rasha Khayat bezeichnet, und auch diese Einschätzung fand in der Erzählung „Am Horizont der Ewigkeit“, die sie mit sicherer Stimme fein akzentuiert vortrug, eine Entsprechung. Rieke Geldmacher, die „Poetin“, präsentierte ihre Erzählung „Die Gartenparty“ und den Poetry Slam-Text „Die Stimme von morgen“. Ihr Auftritt stellte eindrücklich unter Beweis, wie lange und mit welcher Ernsthaftigkeit sie sich dem eigenen Scheiben schon widmet.

Um den Werkstattcharakter zu betonen, las nach den jungen Frauen auch Rasha Khayat aus ihrem aktuellen Schreibprojekt „Nicht Almanya“. Dabei wurden die Rollen getauscht, denn nun waren es die jungen Teilnehmerinnen, die Rasha Khayat zu ihrer Poetik und ihrem Selbstverständnis als Schriftstellerin befragten.

Die Veranstaltung wurde durch die Stiftung Niedersachsen gefördert.
 

Zuletzt geändert am 12. Februar 2026