Dornen voller Mut

von Sahda, Emma, Malak und Helen

Stella rennt freudig strahlend zu ihrer Stiefoma. „Misses Elderly, Misses Elderly, Sie glauben nicht, was passiert ist. Adrian hat um meine Hand angehalten!“ „Oh, das ist ja unglaublich, der Prinz Adrian hält um die Hand meiner Enkelin an.“ „Nein, ich rede von dem Bauernjungen aus dem Nachbardorf.“ „Wie bitte? Bist du von allen guten Geistern verlassen?! Den feigen Dorfburschen? Dann lässt du mir keine andere Wahl!“ Stella wird ganz bleich. Misses Elderly wurde oft wütend, aber so schlimm war es noch nie. Die alte Frau packt das junge Mädchen an den Schultern und zerrt sie ins letzte Kämmerchen des Dreitotenhauses. Sie schließt ab und läuft wutüberströmt den einsamen Flur entlang bis zum Bach. Die knarzenden Dielen ächzen unter ihren schweren Schritten. Sie wirft den Schüssel in den Bach, der das Haus umkreist. Danach verhext sie diesen, indem sie eine dauerwachsende Dornenhecke darüber wachsen lässt. Diese verzaubert sie so, dass nur ein Mensch wahrer Größe und von Mut gelenkt jemals die Dornen durchdringen kann. Das Letzte, was Stella vor dem Abgang von Misses Elderly hört, sind die melodischen Töne des Tür-Code Apparates. Sie rüttelt und rüttelt, aber die Tür öffnet sich keinen Spalt breit. Mit zittriger Stimme ruft Stella Adrian an: „Adrian, Adrian, du musst mich retten kommen! Misses Elderly hat mich im Dreitotenhaus eingesperrt.” “Ich kann es nicht glauben, die böse Hexe dreht ja völlig durch. Wo genau bist du?” “Ich weiß es nicht, sie hat mich in irgendeiner Kammer eingesperrt. Aber Achtung! Ich habe gehört, wie sie einen Fluch auf den Eingang gelegt hat. Sei vor...” Ein schriller Schrei erklingt. Adrian presst den Hörer angespannt an sein Ohr. Stille. Stellas Stimme ist verschwunden. Die alte Frau hatte das Gespräch mitbekommen und Stella den Hörer weggerissen. Er zögert nicht lang, packt seinen Mut zusammen und macht sich auf den Weg. Als er vor dem Dreitotenhaus, welches einen großen, dunklen Schatten - wie eine Burg - wirft, ankommt, wird er von der riesigen Dornenhecke überrascht. Sie wirkt undurchdringlich. Adrian ist verzweifelt. Er glaubt nicht, dass er den Mut dazu hätte, diese zu durchqueren. Doch da dringt der Klang einer ängstlichen Stimme durch das dornenversiegelte Fenster. Die engelsgleiche Stimme seiner geliebten Stella erkennt er sofort. Alle Zweifel scheinen verflogen. Er zieht sein Schwert und tritt selbstbewusst auf die Hecke zu. Er schwenkt sein Schwert eine gefühlte Ewigkeit lang. “Egal, wie viel ich wegschneide, die Hecke wächst immer weiter.” Jedoch hält dies Adrian nicht auf. Er nimmt all seinen Mut zusammen. Trotz der gefährlichen, spitzen Dornen, tritt er auf die Hecke zu. Auch ohne private Unfallversicherung nimmt er die schlimmen Verletzungen der Dornen auf sich. Es passiert etwas Unglaubliches. Die Hecke öffnet sich ganz automatisch, weil er sich mutig, ohne jegliche Angst, opferungsvoll dagegenstellt. „Ich bin bald da, warte auf mich, Stella.“ Er springt in den Bach und will zur anderen Seite tauchen. Wie durch Zufall reflektieren die Sonnenstrahlen in dem goldenen Schlüssel auf dem Grunde des Baches. Er taucht tiefer und mit seinem letzten Atemzug ergreift er den Schlüssel und schwimmt an die Wasseroberfläche zurück. Keuchend geht er in das Haus hinein. „Stella, meine Geliebte, wo bist du?“ „Adrian, Adrian, bist du es? Adrian, Adrian, ich bin hier!“ Der Klang ihrer Stimme klingt durch jeden Flur. “Folge meiner Stimme, sie führt dich zu mir.”

Die alte Frau hört das und wird stutzig: „Aber mein Fluch wird jeden feigen Jungen aufhalten. Nur ein Mann wahren Mutes darf sie einst heiraten.“ Sie erhebt sich aus ihrem Thron und geht Richtung Kerker, um nach dem Rechten zu schauen.

„Ich komme! Halte durch, Geliebte.“ Adrians Schritte werden schneller. Er rennt durch die langen, dunklen Flure immer dem Echo hinterher. Da bleibt er ruckartig stehen. „Die Hexe!“ Keuchend schaut er in die grässlichen Augen von Misses Elderly. „Der dumme Bauernjunge? Nein, das kann nicht sein. Du musst wohl doch wahren Mutes sein, wenn du meine Dornenhecke bezwungen hast. Ich kann das nicht glauben. Habe ich mich etwa getäuscht?“ Adrian rennt an ihr vorbei, ohne ihren Worten Beachtung zu schenken, Richtung Kerker. Misses Elderly schaut ihm verblüfft hinterher. Langsam löst sie sich in Luft auf und ihr Staub wird von einem Windzug zum Fenster rausgetragen.

Adrian erreicht den Kerker. Mit ruhiger Hand und rasendem Herzen dreht er den Schlüssel im Schloss um, aber die eiserne Tür lässt sich nicht öffnen. “Die Tür ist wie zugenagelt, nur diese komische Zahlenbox blinkt grell.” “Adrian, Adrian, das ist die Code Box. Misses Elderly hat sie zugeschlossen, bevor sie gegangen ist.” “Und wie lautet der Code?” “Ich weiß es nicht, ich kann mich nur noch an die Melodie erinnern.” “Dann sing sie mir vor, du hast doch so eine engelsgleiche Stimme.” “Oh Adrian, Adrian, ich versuch es mal: Du Du Du Da Do Do Di.” Konzentriert folgt Adrian den Hilfestellungen von Stella. Mit einem schrillen Klick und einem lauten Wumms öffnet sich die Tür. „Adrian, Adrian, du bist es wirklich.” „Ja, liebe Stella, ich bin es und du wirst nicht glauben, was mir wiederfanden ist.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Zuletzt geändert am 28. April 2026