Museumsquartier

Steffen Wiegmann und Jutta Moster-Hoos über neue Geschichten, Objekte und Perspektiven für Oldenburg

Eröffnung in greifbarer Nähe

Vor fast fünf Jahren hat das alte Stadtmuseum seine Türen geschlossen. Es folgten der Abriss, die Baustellenvorbereitungen, schließlich der Start des Hochbaus. Parallel begann die Sanierung der historischen Villen. Gleichzeitig lief nebenan, im Horst-Janssen-Museum, der Ausstellungsbetrieb so gut es ging weiter. Wie groß ist die Erleichterung in beiden Häusern, bald das neue Museumsquartier eröffnen zu können? Welche Schritte sind noch nötig, bis es so weit ist? Das Pressebüro hat mit den beiden Museumsleitungen, Dr. Steffen Wiegmann und Dr. Jutta Moster-Hoos, über diese herausfordernde Zeit gesprochen.

Herr Wiegmann, von außen sieht der Neubau schon fast fertig aus. Welche Arbeiten laufen gerade im Innenraum?

Wiegmann: Aktuell überschneiden sich die letzten Aufbau-, Medien- und Technikarbeiten in den Ebenen der Dauerausstellung mit der Einbringung der Ausstellungsobjekte. Dies hat eigentlich schon 2025 begonnen, als einzelne Großobjekte angeliefert und teilweise vor Ort restauriert wurden, und endet in wenigen Wochen, wenn alles an Ort und Stelle ist und sich die Klimazonen im Haus stabilisiert haben. Die Handwerker haben noch mit der Außenanlage, Terrasse, dem Café und Shop, der Kasse und Innenausstattung zu tun. Dies wird bis kurz vor Eröffnung der Fall sein.

Frau Moster-Hoos, wie hat sich die Baustelle auf den Betrieb im Horst-Janssen-Museum ausgewirkt? Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen auf die Fertigstellung?

Moster-Hoos: Riesig. Wir wollen unsere Gäste wieder ohne Schwellen ins Haus bitten, ihnen die Möglichkeit geben, sich auch außerhalb der Ausstellungsebenen aufzuhalten, sich im Café zu treffen, im Shop zu stöbern und die Großzügigkeit des lichtdurchfluteten Foyers zu genießen. Immerhin reisen sie aus der ganzen Republik und dem benachbarten Ausland an, um Janssen-Werke, aber auch unsere Sonderausstellungen zu sehen.

Die Baustelle hat unser Museum stark eingeschränkt. Wir haben bis heute nur noch den Ausstellungsbetrieb, den wir so professionell wie möglich gestalten. Museumsshop, Café, Garten, Ticketschalter und nicht zuletzt die Barrierefreiheit sind seit Januar 2021 weggefallen. Es waren harte Jahre. Ich freue mich umso mehr über die treuen Besucherinnen und Besucher, die über den Interimseingang zu uns kommen, begeistert ins Gästebuch schreiben und dankbar sind, dass wir Ausstellungen, wie aktuell die Christoph Niemann-Schau, ermöglichen.

Nach der Eröffnung teilen sich Ihre Häuser wieder ein Foyer, das im Vergleich zu früher viel großzügiger und breiter nutzbar sein soll. Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher hier freuen?

Wiegmann: Einladend, freundlich, niedrigschwellig, kommunikativ – diese Begriffe fallen mir dazu sofort ein. Wir planen einen Ort, der für eine diverse Stadtgesellschaft als dritter Ort funktioniert, mit Aufenthalt ohne Konsumzwang, mit kultureller Anregung und einem attraktiven gastronomischen Angebot. Einen Ausgangspunkt und Abschluss für Entdeckungen der Kultur und Geschichte Oldenburgs, einen Ort, an dem man zusammen lacht, arbeitet und lebhaft die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt diskutieren kann.

Moster-Hoos: Wir haben einiges in der Pipeline. Ich möchte nicht alles verraten, aber die Lese-Performances rund um aktuelle Graphic Novels und die Kooperation mit dem Staatstheater – vor allem der Ballettsparte – ragen auf jeden Fall heraus. Bestehende Kooperationen, wie mit den Buddel Jungs und ihren Tastings, bekommen dann einen ganz neuen Auftritt. An einem Museums(kneipen)quiz arbeiten wir gerade. Auf das alles freue ich mich sehr.

Welche Ausstellungen werden zur Eröffnung am Samstag, 6. Juni 2026, zu sehen sein?

Moster-Hoos: Wir verlängern die Ausstellung „Randnotizen“ von Christoph Niemann über den Sommer. Niemann ist in der Grafikszene ein internationaler Star. Seine witzigen Sunday Sketches und verfremdeten Photo Drawings, aber auch seine farbintensiven Tuschezeichnungen und Siebdrucke sprechen ein breites Publikum an. Und im August folgt dann eine aufregende Ausstellung unserer Stipendiatin Andrea Ziegler, in der es um nichts Geringeres als die Wahrheit in Zeiten von KI und Verschwörungstheorien geht. Mit ihren sehr analogen, textilen Werken und einer Auswahl von Janssen-Arbeiten begegnet sie den sich überschlagenden Entwicklungen der Online-Welt.

Wiegmann: Wir stehen vor der Aufgabe, ein neues Haus mit neuer Ausrichtung und neuen Instrumenten in Bewegung zu setzen. In der Dauerausstellung mit den Ebenen „Was ist Stadt?“ und „Wer macht Stadt?“ begeben sich die Gäste auf die Suche nach ihrem persönlichen Oldenburg. Die Ausstellung bietet viele neue Dimensionen des Erlebens und Interagierens. Parallel dazu starten wir mit einer Sonderausstellung, die auf unsere Schließzeit zurückblickt und die neuen Möglichkeiten des Machens und Mitmachens im Stadtmuseum Oldenburg (SMO) zeigt. Und wir starten den ersten Aufruf zur Bewerbung für eine Sonderausstellung. Diese wird durch eine Jury ausgewählt und dann gemeinsam mit uns bis 2027 umgesetzt.  

Herr Wiegmann, die Klebeaugen-Kampagne „Geschichte lebt!“ hat viel Aufmerksamkeit auf das neue SMO gelenkt. Wie schließen Sie in den nächsten Wochen bis zur Eröffnung daran an?

Wiegmann: Die Perspektiven auf unsere Stadt sind sehr vielfältig und Oldenburg steckt voller Geschichten. Mit der Aktion „Deine Geschichte ist unsere Geschichte“ wollen wir bis zur Eröffnung deutlich machen, dass das neue Museum das Haus aller Oldenburgerinnen und Oldenburger ist und ihre Geschichten und Objekte in das neue SMO hineinholen. Menschen können ein Foto von ihrem Objekt und die damit zusammenhängende Geschichte an uns senden und dadurch selbst Teil des neuen Hauses werden. Mit etwas Glück kommt das Objekt sogar in eine Vitrine der Dauerausstellung!

Mehr Informationen über die Eröffnung des Stadtmuseum erhalten Sie auf der Webseite ».

Zuletzt geändert am 11. Mai 2026