Energieversorgungskonzept Quartier Alte Fleiwa

Wie kann eine zukunftsfähige Energie- und Wärmeerzegung im Quartier aussehen?

In und um das Quartier Alte Fleiwa sind viele Unternehmen der IT-Branche sowie der größte Verwaltungsstandort der Stadtverwaltung ansässig. Die Entwicklungspläne für das Areal zu einem innovativen Quartier bieten den richtigen Rahmen, eine zukunftsweisende und klimaneutrale Energieversorgung für das gesamte Quartier zu entwickeln. Aus diesem Grund hat die Stadt Oldenburg das Unternehmen Beks Energieeffizienz GmbH aus Bremen mit der Erstellung eines Wärme- und Energieversorgungskonzeptes für das Quartier Alte Fleiwa beauftragt. Ziel war es, mögliche Wege für eine klimaneutrale Wärme- und Kälteversorgung bis zum Jahr 2035 zu untersuchen. Das Konzept umfasst die Bausteine:

  • Bestandsaufnahme Gebäude und Anlagentechnik
  • Untersuchung Potentiale: Energieeinsparmöglichkeiten und Bedarfsentwicklung durch geplante Neubauvorhaben
  • Variantenbetrachtungen: Klimaneutrale Wärmeversorgungslösungen im Vergleich
  • Beteiligung der Akteure und weitere Schritte für Konzeptumsetzung

Kontext Oldenburger Wärmeplan

Parallel zur Quartiersuntersuchung wurde der Oldenburger Wärmeplan » erarbeitet. Dieser Plan attestiert grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Betrieb eines Wärmenetzes im Quartier Alte Fleiwa. Das Quartierskonzept ergänzt den Wärmeplan, indem es konkreter verschiedene Wärmeversorgungsvarianten vergleicht und prüft.

Vorgehen und Beteiligung

Für die Erstellung des Konzepts wurden Daten zum Energieverbrauch und Gebäudebestand aus dem Oldenburger Wärmeplan genutzt und ergänzt durch Online-Befragungen, Vor-Ort-Begehungen, Fachliteratur sowie den intensiven Austausch mit Verwaltung, ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Zwei Fachworkshops und eine öffentliche Informationsveranstaltung am Donnerstag, 6. November 2025, stellten sicher, dass die Ergebnisse praxisnah und transparent entwickelt wurden. Dabei konnten Akteurinnen und Akteure aus Verwaltung und Wirtschaft sowie Anwohnende ihre Perspektiven einbringen.

Ergebnisse

Das Quartier umfasst 91 Gebäude mit rund 108.600 Quadratmetern Nutzfläche, darunter Wohngebäude, kommunale Einrichtungen und Gewerbe. Der Wärmeverbrauch liegt derzeit bei etwa 9.700 Megawattstunden pro Jahr, hauptsächlich durch Erdgas gedeckt, und verursacht rund 5.500 Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich.

Verschiedene Varianten zur zukünftigen Wärmeversorgung wurden verglichen:

1. Dezentrale Luft-Wasser-Wärmepumpen:
In jedem Einzelgebäude wird eine eigene Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert, die der Umgebungsluft Wärme entzieht und das Temperaturniveau anhebt. Der Kältebedarf muss mit zusätzlichen Kälte- oder Klimaanlagen gedeckt werden.

2. Dezentrale Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Photovoltaik-Thermie (PVT):
Auf den Dächern der Gebäude werden Photovoltaik-Thermie-Module installiert, die Strom generieren und zugleich der Umgebungsluft Wärme entziehen. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe hebt das Temperaturniveau an. Der Kältebedarf muss mit zusätzlichen Kälte- oder Klimaanlagen gedeckt werden.

3. Kaltes Nahwärmenetz mit Erdsonden und dezentralen Sole-Wasser-Wärmepumpen:
In einem Nahwärmenetz aus ungedämmten („kalten“) Rohren entziehen Erdsonden dem Erdreich Wärme. In den angeschlossenen Gebäuden heben Sole-Wasser-Wärmepumpen das Temperaturniveau an. Das System kann auch zum Kühlen genutzt beziehungsweise Abwärme kann in das Netz eingespeist werden. Je nach Kältebedarf sind auch hier zusätzliche Kälte- oder Klimaanlagen nötig.

4. Heißes Nahwärmenetz mit zentraler Luft-Wasser-Großwärmepumpe:
In einer zu errichtenden Energiezentrale entzieht eine Luft-Wasser-Großwärmepumpe der Umgebungsluft Wärme. Über ein stark gedämmtes („heißes“) Nahwärmenetz gelangt diese in die angeschlossenen Gebäude und kann direkt genutzt werden. Der Kältebedarf muss mit zusätzlichen Kälte- oder Klimaanlagen gedeckt werden.

Fazit: In der Untersuchung schnitten die netzbasierten Lösungen etwas wirtschaftlicher und effizienter als dezentrale Einzelanlagen ab. Es wurde eine optimierte Vorzugsvariante entwickelt, eine Kombination aus kaltem und heißem Nahwärmenetz, um hohe Effizienz, Flexibilität und moderate Investitionskosten zu vereinen. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für tiefergehende Planungen, die für eine mögliche Umsetzung im Quartier erforderlich sind. Das Quartier kann als Pilotprojekt für andere Stadtgebiete dienen.

Der gesamte Ergebnisbericht sowie die Präsentation der Ergebnisse können beim Fachdienst Klimaschutz per E-Mail angefordert werden unter: waermewende[at]stadt-oldenburg.de.

Konzeptskizze der optimierten Vorzugsvariante

Wichtiger Hinweis: Die Abbildung ist als Konzeptskizze und nicht als konkreter Planentwurf zu verstehen. Der Leitungsverlauf sowie die Standorte der Erdsonden und der Energiezentrale sind beispielhaft dargestellt.

Nächste Schritte

Da sowohl der Oldenburger Wärmeplan als auch das Quartierskonzept die Versorgung über ein Wärmenetz vorschlagen, ist eine Machbarkeitsstudie der logische nächste Schritt. Hierbei wird detailliert geprüft, wie das geplante Netz technisch umgesetzt werden kann und welche Investitionen erforderlich sind. Um diese Studie erfolgreich vorzubereiten, werden zunächst Akteursgespräche mit Eigentümerinnen, Eigentümern, Unternehmen und potenziellen Netzbetreibern geführt. Ziel ist es, bereits früh Partnerinnen und Partner für Betrieb, Finanzierung und Anschlussbereitschaft einzubinden.

Mehr erfahren

Anwohnende, Gebäudeeigentümerinnen, Gebäudeeigentümer und Unternehmen aus dem Quartier, die sich für die Erarbeitung des Versorgungskonzeptes oder die Ergebnisse interessieren oder sich einbringen möchten, können sich gerne per E-Mail beim Fachdienst Klimaschutz melden: waermewende[at]stadt-oldenburg.de. Weitere Informationen zum Thema Klimaschutz der Stadt Oldenburg sowie Beratungs- und Fördermöglichkeiten sind online zu finden auf dem Klimaportal »

Zuletzt geändert am 27. März 2026