Ursprünge und Entwicklung des Internationalen Frauentages

Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag – wird weltweit am 8. März gefeiert. Seinen Ursprung hat der Internationale Frauentag in den USA. Erste Impulse gehen dort bereits 1858 von den Demonstrationen New Yorker Textilarbeiterinnen und dem Streik der Tabak- und Textilarbeiterinnen 1908 in Manhattan aus, wo die Amerikanerinnen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen. 1908 gründen amerikanische Frauen ein nationales Frauenkomitee, das sich öffentlich für die staatsbürgerlichen Rechte der weiblichen Bevölkerung einsetzt. Den ersten Frauentag feiern die Amerikanerinnen am 20. Februar 1909.

Auch in Europa fällt zu dieser Zeit der Startschuss für den Frauentag: Auf der Internationalen Frauenkonferenz im August 1910 in Kopenhagen beschließen etwa einhundert Teilnehmerinnen aus 17 Nationen auf Initiative von Clara Zetkin künftig einen Frauentag mit internationalem Charakter zu organisieren. Sie wollen mit dieser Veranstaltung die Einführung des Frauenwahlrechts beschleunigen.

Der erste Internationale Frauentag findet am 19. März 1911 statt und ist ein voller Erfolg: Allein in Berlin geben 45.000 Frauen eine Massenkundgebung. Insgesamt gehen deutschlandweit rund eine Million Frauen auf die Straße und fordern ihr Recht auf volle politische Mündigkeit ein. Auch in Österreich, Dänemark und der Schweiz demonstriert die weibliche Bevölkerung für soziale und politische Gleichberechtigung. Zentrale Träger der Frauenbewegung sind Sozialdemokratie und Gewerkschaften. Die deutsche Sozialistin und Redakteurin Clara Zetkin gilt als einflussreichste Frau der Bewegung.

Entwicklung des Internationalen Frauentages in Europa

Die Idee des Internationalen Frauentages wird auch von anderen Ländern aufgenommen und findet immer mehr Anhängerinnen. Trotz erschwerter Bedingungen während des ersten Weltkrieges erringt die Bewegung einen historischen Sieg: Am 19. Januar 1919 dürfen Frauen in Deutschland zum ersten Mal politisch wählen und gewählt werden.

Da maßgeblich Sozialistinnen den Frauentag tragen, wird er während der NS-Herrschaft zwischen 1933 und 1945 verboten. Stattdessen propagiert das Regime den Muttertag, der das Muttertum glorifiziert und erhebt ihn zum nationalen Feiertag. Erst nach dem Krieg wird der Internationale Frauentag – überwiegend in der sowjetischen Besatzungszone und den osteuropäischen Ländern – wieder organisiert. Während der Wirtschaftswunderjahre ist er durch das Engagement der Frauen gegen Wettrüsten und Atombedrohung sowie für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung geprägt. In den alten Bundesländern beleben in den 70er Jahren einerseits Gewerkschaftsfrauen, andererseits die neue, autonome Frauenbewegung den Frauentag wieder. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, die Diskriminierung homosexueller Lebensweisen sowie das Bekunden von Solidarität mit ausländischen Frauen.

Lied der Frauenbewegung: Brot und Rosen (1912, USA)

Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag,
durch all die dunklen Küchen, und wo grau ein Werkshof lag,
beginnt plötzlich die Sonne uns're arme Welt zu kosen,
und jeder hört uns singen Brot und Rosen!

Wenn wir zusammen gehen, kämpfen wir auch für den Mann,
weil ohne Mutter kein Mensch auf die Erde kommen kann.
Und wenn ein Leben mehr ist als nur Arbeit, Schweiß und Bauch,
wollen wir mehr: Gebt uns das Brot, doch gebt die Rosen auch!

Wenn wir zusammen gehen, gehen uns're Toten mit.
Ihr unerhörter Schrei nach Brot schreit auch durch unser Lied.
Sie hatten für die Schönheit, Liebe, Kunst, erschöpft nie Ruh.
Drum kämpfen wir ums Brot und wollen die Rosen dazu.

Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bess'rer Tag.
Die Frauen die sich wehren, wehren aller Menschen Plag.
Zu Ende sei, dass kleine Leute schuften für die Großen.
Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen!

Zuletzt geändert am 23. Januar 2026