Zusammenfassung der Abschlussveranstaltung zum Verbleib des Gedenksteins Wilhelm I. am 16. September 2021, 18 Uhr im Sportpark Donnerschwee

Ablauf
Anhand einer Power Point Präsentation wurden die Themenschwerpunkte und Diskussionen aus der dreiteiligen Vortragsreihe zum Verbleib es Gedenksteines für Wilhelm I. noch einmal zusammengefasst.

Darüber hinaus präsentierte Dr. Steffen Wiegmann, Leiter des Stadtmuseums Oldenburg, die Umfrageergebnisse zum Verbleib des Gedenksteines aus der Pop-up-Ausstellung „Der Stein des Anstoßes“, die vom 10. Juni bis zum 23. Juli in den Räumen des Vereins Jugendkulturarbeit e. V. zu sehen war. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Umfrage sprachen sich für den Verbleib des Gedenksteines aus, allerdings an einer anderen Stelle auf dem Gelände. Ein Viertel war der Meinung, der Gedenkstein müsse am jetzigen Standort bleiben, und ein weiteres Viertel plädierte für das vollständige Entfernen des Gedenksteines aus dem Quartier.

Im Anschluss an die Präsentation waren die Meinungen der Besucherinnen und Besucher gefragt. Die Anwohnerinnen und Anwohner in Neu-Donnerschwee wiesen darauf hin, dass es vor der Wiederaufstellung des Gedenksteines im Jahr 2018 seitens der Stadt weder Informationen gab, noch eine Befragung der dortigen Quartiersbewohnerinnen und -bewohner durchgeführt wurde. Der durch die Kulturverwaltung organisierte Beteiligungsprozess wurde abschließend als sehr positiv bewertet.

Meinungen:
Unterschiedliche Zuschauermeinungen und -vorschläge zum Gedenkstein für Wilhelm I. auf dem Gelände in Neu-Donnerschwee und zu seinem zukünftigen Standort:

  • Vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner von Neu-Donnerschwee sprechen sich gegen den Verbleib des Gedenksteins in der Nähe des Kinderspielplatzes aus. Kinder und wahrscheinlich auch viele Erwachsene wissen mit dem Gedenkstein und Wilhelm I. nicht viel anzufangen, sein Bildungswert ist als sehr gering einzuschätzen.  
  • Das Angebot des Vereins Jugendkulturarbeit, den Gedenkstein auf dem eigenen Gelände zusammen mit weiteren historischen Relikten in einem Ensemble aufzustellen und für die politische Jugendbildung einzusetzen, wird von vielen befürwortet.
  • Der Gedenkstein kann, so einige Äußerungen, auch beim Artillerie-Denkmal an der Ofener Straße aufgestellt werden, da sich hier bereits vier Gedenksteine befinden, die ursprünglich an anderen Standorten gestanden haben. Da das Grundstück beim Artillerie-Denkmal dem Land Niedersachsen gehört, müsste die Genehmigung dazu eingeholt werden.
  • Gedenkstein und Sockel könnten entfernt werden und eine Informationstafel auf die Deinstallation hinweisen.
  • Die Initiative der Stadt zur Auseinandersetzung ist positiv, durch den gesamten Prozess wird der Gedenkstein jedoch überbewertet.
  • Der Gedenkstein steht in großem Widerspruch zum derzeitigen Standort, dem Anne-Frank-Platz und seiner Nähe zur Georg-Elser-Straße und zur Weißen Rose. Die Namen sind damals im bewussten Kontrast zur Tradition des Militärgeländes gewählt worden.
  • Der Gedenkstein ist ein Zeichen für Militarismus und Monarchie, hierzu muss kritische Distanz und Auseinandersetzung erfolgen.
  • Der Gedenkstein gehört zur Stadtgeschichte und soll deshalb am jetzigen Standort verbleiben. Der Gedenkstein zur Erinnerung an den eintägigen Besuch von Wilhelm I. offenbart in seiner Unauffälligkeit vielmehr die tatsächlich eher geringe Euphorie der Oldenburger für Wilhelm I.
  • Ein etwaiges Entfernen des Gedenksteines ist eine vertane Chance zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer kritischen Aufarbeitung. Diese ist jedoch wesentlich, um die Vergangenheit lebendig zu halten. Andere Standorte in der Stadt sind konstruiert, insbesondere beim Artillerie-Denkmal, wo ein Totengedenken stattfindet.
  • Der Gedenkstein muss kontextualisiert werden und das kann am besten auf künstlerische Art und Weise geschehen. Möglich wäre, den Gedenkstein abzuräumen und den Sockel mit der Inschrift „Der wegge Stein“ zu versehen. Das würde Fragen nach dem Gedenkstein, seiner Geschichte und mögliche Antworten evozieren.
  • Der Gedenkstein soll auf dem Gelände verbleiben, allerdings an einem anderen Standort, zum Beispiel beim Thomasblock, aufgestellt werden. Dies setzt jedoch vertragliche Regelungen voraus, da der weit überwiegende Teil des Geländes in nichtstädtischem Besitz ist.  

Der Abend sollte vor allen dazu dienen, die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren und sie in den Kulturausschuss zur Vorbereitung der Entscheidung einzubringen. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wird im Kulturausschuss der Stadt am 21. September getroffen werden. Die entsprechende Vorlage für den Ausschuss ist über das Ratsinformationssystem der Stadt einsehbar.

 

Meinung der Bürgerinnen und Bürger ist gefragt

Was tun mit dem Gedenkstein für Wilhelm I.?

Abschlussveranstaltung am 16. September

Was tun mit dem Gedenkstein für Wilhelm I.? Diese Frage richtet das städtische Kulturbüro an die interessierte Oldenburger Öffentlichkeit in seiner Abschlussveranstaltung zum Gedenkstein in Neu-Donnerschwee. Am Donnerstag, 16. September 2021, um 18 Uhr, im Veranstaltungsraum des Sportparks Donnerschwee, Otterweg 36, sind die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, ihre Meinung über den Umgang mit dem umstrittenen Stein in Form eines Bürgervotums zu formulieren. Das Votum wird in den weiteren politischen Entscheidungsprozess eingebracht. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, allerdings ist Corona-bedingt eine Anmeldung per E-Mail an Kulturbuero(at)stadt-oldenburg.de » erforderlich.

Vorausgegangen ist der Abschlussveranstaltung eine dreiteilige Vortragsreihe mit Fachvorträgen » und anschließenden Diskussionen zur militärhistorischen Bedeutung Oldenburgs als Garnisonstadt, zu erinnerungskulturellen Fragestellungen und zur historisch-biografischen Einordnung Wilhelm I. im Zeitalter von Nationalismus und Militarismus. Zudem konnten Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Der Stein des Anstoßes“ des Stadtmuseums historische Ansichten mit Begleittexten sichten sowie persönliche Kommentare und Anregungen abgeben, die ebenfalls in die Veranstaltung einfließen werden. Im Verlauf des Abends werden etwaige Standorte vorgestellt und diskutiert, um anschließend ein Meinungsbild zu erstellen.

Der Gedenkstein und seine Geschichte

Der Gedenkstein für Wilhelm I. wurde im Jahr 1898 von den Oldenburger Kriegervereinen auf dem Exerzierplatz des damaligen Kasernengeländes aufgestellt. Er erinnert an den Truppenbesuch des preußischen Königs Wilhelm I. am 16. Juni 1869 in Oldenburg. Wilhelm I., seit der Reichsgründung 1871 erster Deutscher Kaiser, war auf der Durchreise, um am Folgetag den preußischen Kriegshafen Wilhelmshaven einzuweihen. Eine undatierte Abbildung aus den 30er/40er Jahren zeigt den Gedenkstein am gegenüberliegenden Ende des heutigen Anne-Frank-Platzes. In der Folge des Zweiten Weltkriegs wurde der Stein vermutlich von alliierten Soldaten entfernt und vergraben. Nach der Umnutzung des Kasernengeländes als Wohnquartier wurde der Stein 2015 zufällig bei Erdarbeiten gefunden, für aufstellungswürdig erachtet und 2018 am jetzigen Standort neu aufgestellt.

Die verschriftlichten Vorträge zum Gedenkstein sowie die kompletten Mitschnitte der Veranstaltungen können Sie weiter unten auf dieser Seite finden. Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite des Stadtmuseums ».

Veranstaltungsreihe und Ausstellung

Vortragsreihe begleitet Debatte um Gedenkstein für Wilhelm I.

Der wiederaufgestellte Gedenkstein für den Monarchen Wilhelm I. auf dem Anne-Frank-Platz im Wohnquartier Neu-Donnerschwee hat zu einer öffentlichen Kontroverse geführt, die das städtische Kulturbüro nun in einer Vortragsreihe begleitet und mit fundierten Fakten bereichert hat. Die Veranstaltungen fanden auf dem ehemaligen Kasernengelände in den Räumen des Vereins Jugendkulturarbeit, Weiße Rose 1, statt.

Die Veranstaltungsreihe startete am Donnerstag, 10. Juni 2021, um 19 Uhr mit einem Vortrag zur Militärgeschichte Oldenburgs. Referent war der Oldenburger Historiker und Leiter des Stadtmuseums a. D. Udo Elerd.

Militärhistorische Betrachtungen

Die militärhistorische Geschichte Oldenburgs als Garnison prägte über Jahrhunderte die Entwicklung der Stadt. Als Grafschaft, Herzogtum, Großherzogtum, Freistaat und ab den 1950er Jahren als Verwaltungsbezirk des 1946 neu gegründeten Landes Niedersachsen war das Militärwesen, wenn auch in unterschiedlicher Dimension, ein wichtiger Bestandteil des städtischen Lebens.

Vor allen Dingen ab dem 19. Jahrhundert erlangte die militärische Tradition durch die neuen Verpflichtungen Oldenburgs als Mitglied des Rheinbundes und später des Norddeutschen Bundes eine neue Gewichtung. So war der preußische König Wilhelm I. auch Oberbefehlshaber der oldenburgischen Truppen. 1869 besuchte der König Oldenburg und hielt auf dem damaligen Exerzierplatz Donnerschwee eine Truppenparade ab. Wilhelm I., seit der Reichsgründung 1871 erster Deutscher Kaiser, war auf der Durchreise, um am Folgetag den neuen preußischen Kriegshafen Wilhelmshaven einzuweihen. 29 Jahre später, im Jahr 1898, stellten die Oldenburger Kriegervereine einen Gedenkstein in Erinnerung an diesen Besuch auf. Der Gedenkstein wurde vermutlich in der Folge des Zweiten Weltkrieges vergraben, 2015 bei Erdarbeiten wiedergefunden und 2018 neu aufgestellt.

Udo Elerd hat in seinem Vortrag die Tradition von Militär und Garnison in der Stadt Oldenburg, die Geschichte der Kasernen in Donnerschwee und die Bedeutung der Oldenburger Kriegervereine erläutert. Dabei wurden auch wirtschaftliche und alltagsgeschichtliche Aspekte betrachtet. Im Anschluss an den Vortrag konnten Fragen an den Referenten gestellt werden.

Umstrittene Denkmäler

Die Reihe wurde am 30. Juni, 19 Uhr, mit einem Vortrag von Dr. Stephan Scholz zum Thema „Umstrittene Denkmäler – Überreste der Geschichte oder Medien der Erinnerungskultur?“ fortgesetzt.

Der Vortrag beleuchtete die Rolle und Bedeutung von Denkmälern in der Erinnerungskultur und im Verhältnis der Gesellschaft zu ihrer Geschichte. Am Beispiel des Kaiser-Wilhelm-Gedenksteins in Donnerschwee und im Vergleich mit anderen Denkmälern wurden Absichten, Funktionen und Wirkungen aufgezeigt. Dabei ging es nicht nur um die Prozesse der Entstehung und Errichtung, sondern insbesondere auch um die Umstände und Konsequenzen ihrer möglichen Entfernung und Erneuerung. Verschiedene Formen des Umgangs im Hinblick auf ihre Eigenschaft als Medien der Erinnerungskultur wie auch als Überreste der Geschichte wurden reflektiert.
Dr. Stephan Scholz ist Historiker lehrt als Privatdozent am Institut für Geschichte der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg.

Wilhelm I.

Am 8. Juli fand um 19 Uhr der letzte Vortrag in der Veranstaltungsreihe des Kulturbüros statt. Dr. Robert-Tarek Fischer sprach über „Wilhelm I. im Zeitalter von Nationalismus und Militarismus“.

In seinem Vortrag befasste sich Fischer mit der vielschichtigen Lebensgeschichte des Monarchen. Dabei widmete sich Fischer der Frage, inwieweit der überzeugte und zeitlebens militäraffine Streiter für den Absolutismus im Laufe seiner Lebensgeschichte Umorientierungen und Wandlungen vollzog und damit die weiteren preußisch-deutschen Entwicklungen maßgeblich beeinflusste. Besondere Berücksichtigung fanden dabei seine Funktionen als Staatsoberhaupt und Oberster Kriegsherr des deutschen Kaiserreichs.

Robert-Tarek Fischer ist promovierter Historiker, Sachbuchautor und Ministerialbeamter in Wien.

Ausstellung „Der Stein des Anstoßes“