Online-Fachgespräch zur digitalen Zugänglichkeit zu Kultur- und Sporteinrichtungen

Digitalisierung bringt neue Teilhabe-Chancen für Kultur und Sport

Am 7. Oktober 2020 fand das Online-Fachgespräch zum Thema „Förderung von digitaler Zugänglichkeit zu Kultur- und Sporteinrichtungen“ statt. Eine Gruppe aus 26 Teilnehmenden hatte sich hierzu online zusammengefunden. In Zeiten von Kontaktverboten, Abstandsregelungen und Hygiene-Vorschriften sind viele Kultur- und Sport-Angebote ins Netz verlegt worden. Online-Trainingseinheiten, Online-Führungen, Online-Konzerte und -Lesungen sind als Alternativen zu Präsenzveranstaltungen förmlich aus dem Boden geschossen. Sind sie nur ein Ersatz? Oder bieten sie sogar neue Teilhabe-Chancen, zum Beispiel für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und anderen besonderen Bedarfen? Das Internet bietet zum Beispiel blinden und tauben Menschen viele Möglichkeiten. Es bringt aber auch neue Barrieren mit sich.

Best-Practise-Beispiele und Förderprogramme

Das erste Best-Practise-Beispiel stellten die Kolleginnen Melanie Robinet und Franziska Boegehold-Gude vom Stadtmuseum der Stadt Oldenburg vor. Sie gaben einen Einblick in ihre laufenden Online-Projekte, die sie schon vor der Corona-Pandemie gestartet haben, um während des geplanten Neubaus des Stadtmuseums Online-Ausstellungen und virtuelle Rundgänge anbieten zu können. Von dieser Vorbereitung haben sie während des Lockdowns profitiert. Sie berichten, dass in dieser Zeit viele Besucherinnen und Besucher die Online-Angebote des Stadtmuseums wahrgenommen haben. Außerdem seien die historischen Villen des Stadtmuseums nicht barrierefrei, sodass die Online-Angebote eine Chance zur Teilhabe mobilitätseingeschränkter Personen darstellen.

Michael Hagemeister, Aufsichtsratsmitglied der Kulturgenossenschaft GLOBE eG., stellte das Baucafé EXTRA vor. Für viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler waren aufgrund der Corona-Pandemie monatelang keine kulturellen Veranstaltungen möglich. Der ehemalige Truppenkinosaal blieb leer. Mit dem Baucafé EXTRA wurde eine Corona-gerechte Auftrittsmöglichkeit geschaffen. Die Künstlerinnen und Künstler haben ihre Darbietungen aufgenommen und im Netz veröffentlicht. Die virtuellen Besucherzahlen konnten sich sehen lassen. Mit einer Spendenaktion haben die existenzbedrohten Künstlerinnen und Künstler eine finanzielle Unterstützung erhalten.

Jessica Leffers ist Geschäftsführerin des Blauschimmel Ateliers e.V. Auch im Blauschimmel Atelier war man während des Lockdowns nicht untätig und hat über verschiedene Möglichkeiten versucht, den Kontakt zu den Mitarbeitenden und zu den Mitgliedern zu halten. Es gab digitale Band- und Theaterproben, Gesangs- und künstlerische Übungen, es wurde ein Spiel mit Aufgaben für Zuhause entwickelt und vieles mehr. Frau Leffers merkte jedoch an, dass digitale Angebote auch neue Barrieren schaffen. Das Blauschimmel Atelier arbeite viel mit kognitiv eingeschränkten Personen zusammen, die Online-Angebote nicht alleine wahrnehmen können, weil sie die Technik nicht ohne Hilfe bedienen können. Für eine persönliche Betreuung bei Online-Angeboten fehle vor allem in stationären Einrichtungen das Personal.

Die Fördermittelexpertin Monika Vog hat ein Kurzreferat zu Förderstiftungen für Sport und Kultur mit dem Schwerpunkt Digitalisierung vorgetragen. Sie verriet den Teilnehmenden wertvolle Tipps und Tricks bei der Suche nach Fördermittelgebern. Ihr wertvollster Tipp war, sein Projekt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um möglichst viele Fördermittelgeber ansprechen zu können. Sie stellte den Teilnehmenden eine Vielzahl von aktuellen Förderprogrammen vor, die die Digitalisierung in Kultur- und Sportvereinen zum Inhalt haben.

Ein letztes Best-Practise-Beispiel aus dem Bereich Sport lieferte Ronald Fischer, Geschäftsführer des BTB. Er berichtete wie die Organisatorinnen und Organisatoren aus dem Bereich Kultur, dass die Corona-Pandemie auch den BTB völlig unvorbereitet getroffen habe. Mit Kreativität und Initiative habe man aber schnell Möglichkeiten gefunden, um den Kontakt zu den Mitgliedern und auch das gemeinsame Sporttreiben wieder aufleben zu lassen. Die Übungsleiterinnen und Übungsleiter haben sich mit ihren Sportlerinnen und Sportlern zu Livetrainingseinheiten verabredet sowie Sportprogramme aufgezeichnet, die zu jeder Zeit aufgerufen und nachgemacht werden konnten. Vorstandssitzungen und Teambesprechungen wurden online durchgeführt. Derzeit sei man jedoch wieder in einen Corona-gerechten Normalbetrieb zurückgekehrt, da der Sport doch eher von der Gemeinschaft im Sportverein lebe.

Fachgespräch Bauliche Barrierefreiheit

Sport ist erst in der Gemeinschaft schön. Und ein Kulturensemble lebt von der Vielfalt seiner Mitglieder. Was aber, wenn der sportbegeisterte Fan mit dem Rollstuhl nicht auf die Tribüne kommt? Was tun, wenn der Raumplan der Musikschule für Sehbehinderte nicht zu lesen ist?
Um gemeinsam Antworten auf Fragen der Baulichen Barrierefreiheit zu finden, hat die Stadt Oldenburg Verantwortliche und Interessierte in Kultur- und Sportvereinen sowie Kultur- und Sporteinrichtungen eingeladen, sich mit dem Thema „Bauliche Barrierefreiheit in Kultur- und Sporteinrichtungen“ am  26.November 2019 im Kulturzentrum PFL auseinanderzusetzen. Eine 25-köpfige, kompetente Teilnehmer- und Expertengruppe fand so zum Fachgespräch zusammen.

Zugänglichkeit des Kulturzentrum PFL

Eingangs führte Irina Freese vom Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau der Stadt Oldenburg unter dem Gesichtspunkt der Zugänglichkeit durch das Kulturzentrum PFL. Die Architektin ist zuständig für die Planung und Umsetzung von Barrierefreiheitskonzepten. Tatsächlich hat sich baulich in letzter Zeit einiges getan im PFL: So sind die Bühnen im großen Veranstaltungssaal und im Vortragssaal künftig auch für Menschen zugänglich, die keine Treppen steigen können. Blindenleitsysteme werden im gesamten Kulturzentrum angebracht. Und auch ein tastbarer Gebäudeplan mit weiteren Hinweisen zur Zugänglichkeit ist in Vorbereitung.

Bauliche Möglichkeiten bei Sportvereinen

Ulrich Pohland, Vorstandsvorsitzender des Stadtsportbundes Oldenburg, stellte bauliche Möglichkeiten und Leitsysteme vor, die in verschiedenen Sportvereinen umgesetzt worden sind. Diese sind auch in Kultureinrichtungen realisierbar. Der Bauplaner und engagierte Sportler gab zahlreiche Einblicke in seine Erfahrungen in Beratung und Planung der Baulichen Barrierefreiheit. Er wies aber auch immer wieder darauf hin, dass viele Barrieren sich eher im Kopf der Verantwortlichen befänden. Inklusion fange eben im Denken an und sei eine Haltungsfrage, so Pohland. Da auch das „liebe Geld" eine nicht unwesentliche Rolle bei der Umsetzung von barrierefreien Bauten spielt, informierte der Fachmann über Fördermöglichkeiten, unter anderem durch die KfW und den Landessportbund Niedersachsen.

Inklusionspreisträger TSG Hatten-Sandkrug e.V.

Sönke Hinrichs ist Geschäftsführer der TSG Hatten-Sandkrug e.V., die 2017 den Inklusionspreis des Landessportbundes Niedersachsen e.V. verliehen bekommen hat. Er berichtete von den zahlreichen Initiativen des Vereins, die selbstbestimmte, gleichberechtigte und gleichwertige Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im und durch den Sport zu fördern. Er präsentierte unter anderem das Inklusionsprojekt „Miteinanders“, aus welchem sich ein Praxis-Handbuch mit Tipps zum Thema Inklusion im Sportverein entwickelt hat. Es enthält eine Sammlung von Best-Practise-Beispielen als Handreichung für Sportvereine, wie Inklusion im Sport(verein) gelingen kann. Hinrichs stellte zudem Erfolgs- und Gelingensfaktoren vor und sprach Chancen sowie Herausforderungen an, die sich während des Projektes ergeben haben. Das Handbuch ist auf der Homepage der TSG » frei zugänglich.

Beispiel aus dem Kulturbereich: die neuen Räume der Musikschule

Holger Denckmann und Philipp Schlüchtermann, Leiter der Musikschule der Stadt Oldenburg, erläuterten, dass noch zahlreiche bauliche Maßnahmen anstünden, um die neuen Räumlichkeiten an der Baumgartenstraße für alle erreichbar zu machen. Zwar würde der Umzug der Musikschule in das neue Objekt schon eine Verbesserung im Vergleich zum vorherigen Zustand darstellen. Aber sowohl der Umstand, dass die Immobilie angemietet sei, als auch die derzeitige hohe Auslastung von Handwerkern im Bau würden die Umsetzung weiterer baulicher Maßnahmen verzögern. Insofern diente die Musikschule als Beispiel dafür, was es an Bestandsimmobilien noch alles zu verbessern gebe im Hinblick auf die Zugänglichkeit.

Weitere Informationen

Zum Thema Zugänglichkeit in Kultur- und Sporteinrichtungen informieren Sie auch weiterhin gerne:

Christiane Maaß, Kulturbüro, Telefon 0441 235-2319, christiane.maass(at)stadt-oldenburg.de
und
Christina Lenek, Fachdienst Sport, Telefon 0441 235-3162, christina.lenek(at)stadt-oldenburg.de