Mitschrift zur Podcast Episode 22

Jubiläumsaktion 15 Jahre Integrationspreis

Claudia Wronna: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Hörbar vielfältig, den wir anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Integrationspreises der Stadt Oldenburg aufgenommen haben. In den 15 Jahren sind zahlreiche Projekte, Vereine und Initiativen mit diesem Preis ausgezeichnet und gewürdigt worden und wir wollen euch eine große Anzahl davon vorstellen. Wir haben nachgefragt, wofür sie damals den Integrationspreis gewonnen haben, was für besondere Erlebnisse bei ihnen hängengeblieben sind und wie es ihnen heute geht. Wenn euch also interessiert, was Oldenburg zwischen 2010 und 2025 an Projekten ausgemacht hat, die sich für Chancengleichheit und Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie für solidarisches Miteinander einsetzen, dann horcht rein in die jeweils circa zehnminütigen Podcasts von hörbar vielfältig. Viel Spaß dabei. (...) 

Claudia Wronna: Hallo und herzlich willkommen! Heute habe ich Ursula Philipp, Maryam Ghandehari und Marina Kovalchikova vom Verein Ankommen in Oldenburg e.V. zu Gast. Schön, dass ihr da seid. Ihr habt im Jahr 2024 den Oldenburger Integrationspreis gewonnen und vielleicht mögt Ihr erst einmal kurz ein paar Worte zum Verein Ankommen in Oldenburg e.V. sagen. Wer versteckt sich dahinter und was macht der Verein? 

Ursula Philipp: Der Verein Ankommen in Oldenburg e.V. ist ein junger Verein, in dem Integrationslotsinnen und -lotsen aus verschiedenen Nationen zusammengeschlossen sind. Der Verein hat das Ziel, die Integration in Oldenburg insgesamt und die Integrationslots*innen bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Wir haben einen aktiven Vorstand und vier Arbeitsgemeinschaften, von denen zwei Sprecherinnen heute hier anwesend sind. 

Maryam Ghandehari: Hallo, mein Name ist Maryam und ich bin bei der Arbeitsgemeinschaft „Bildung in den Familien“ tätig. Die Integrationslots*innen begleiten ja vielfach zugewanderte Familien mit kleinen Kindern und versuchen, diese an die Hand zu nehmen und ihnen zum Beispiel dabei zu helfen, einen Überblick zu bekommen, was in Oldenburg an sogenannten „frühen Hilfen“ möglich ist. „Frühe Hilfen“ bezieht sich hierbei sowohl auf das Alter der Kinder als auch darauf, dass die Hilfen sehr niedrigschwellig sind und bereits bei geringer Problemlage ansetzen. Thematisch beziehen diese Hilfen Bildungsangebote für Kinder und ihre Eltern ein, es geht um die Vorbereitung auf den Kindergarten, auf die Schule und um Unterstützung, wenn es irgendwo hakt. Die Integrationslots*innen helfen in genau diesen Bereichen und sind ein enger Ansprechpartner für die Familien. 

Claudia Wronna: Danke. Und die zweite AG? Was macht die?

Marina Kovalchikova: Ich heiße Marina. Die AG, in der ich tätig bin, beschäftigt sich mit dem Arbeitsmarkt und den Möglichkeiten, wie und dass Zugewanderte daran teilhaben können. Ich bin selbst Migrantin und weiß, wie schwierig es ist, als solche auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland Fuß zu fassen. So widmen wir unsere Aktivitäten genau diesem Bereich. Wir bieten zum Beispiel Informationsveranstaltungen an. Wir klären die Zugewanderten zu relevanten Themen des Arbeitsmarktes auf, zum Beispiel über Möglichkeiten für Qualifizierung und Weiterbildung, damit sie schnellstmöglich eine Arbeit finden. Und zwar Arbeit, die ihrem Potenzial und ihrer Qualifikation entspricht. Damit sie eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland haben könnten.

Claudia Wronna: Danke schön. Ihr habt ja letztes Jahr, also 2024, den Integrationspreis gewonnen. Für was genau habt ihr diesen Preis bekommen? 

Ursula Philipp: Ja, da muss ich ein bisschen ausholen, denn es hat ja die Gesamtheit der Integrationslotsinnen und -lotsen in Oldenburg diesen Preis gewonnen. Das sind ungefähr 400 Personen, die sich teilweise über Jahre ehrenamtlich engagieren, viel Zeit einbringen, natürlich auch viele Kenntnisse. Und der Verein Ankommen in Oldenburg e.V. ist eben aus der Initiative einiger Integrationslotsinnen und -lotsen heraus entstanden. Wir finden es wichtig, dass sichtbar wird, was die so große Gruppe an Ehrenamtlichen macht und hoffen natürlich auch, dass noch mehr Menschen Integrationslotse oder -lotsin werden. 

Claudia Wronna: Vielen Dank. Wisst ihr denn schon, was ihr mit dem Preisgeld machen werdet? 

Marina Kovalchikova: Ja, wir planen für 2026, ich glaube im Mai, einen gemeinsamen Ausflug mit allen interessierten Ehrenamtlichen und den Familien beziehungsweise Einzelpersonen, die wir begleiten, zum Freilichtmuseum nach Cloppenburg. 

Claudia Wronna: Oh, wie schön. Ihr drei seid natürlich auch Integrationslotsinnen und in eurem Engagement-Alltag macht ihr bestimmt die unterschiedlichsten Erfahrungen. Was für Projekte habt ihr denn zum Beispiel in der Vergangenheit schon so begleitet? 

Ursula Philipp: Ja, ich kann berichten von einem Rundgang in verschiedenen Stadtteilen in Oldenburg. Das Projekt heißt „Lerne dein Stadtviertel kennen“. Diese haben wir mit unterschiedlichen Zugewanderten im Juli 2024 durchgeführt, und zwar mit Hilfe von Dolmetscherinnen, die uns begleitet haben. Marina und ich sind mit Menschen aus unterschiedlichen Nationen, zum Beispiel aus der Ukraine oder aus der Slowakei in den Stadtteilen Kreyenbrück und Bloherfelde unterwegs gewesen und haben dort verschiedene Institutionen besucht. Zum Beispiel die Gemeinwesenarbeiten oder Sportvereine, um eine Schwelle zu übertreten und es den Menschen leichter zu machen, dann später alleine dort hinzugehen und an den Aktivitäten teilzuhaben. 

Marina Kovalchikova: Wir haben schon mehrere Projekte im Bereich „Integration in den Arbeitsmarkt“ durchgeführt. Das waren meistens Projekte gemeinsam mit Jobcenter Oldenburg, wo wir zuerst über Möglichkeiten für die Integration in den Arbeitsmarkt aufgeklärt haben, über die Hürden gesprochen haben, als auch Weiterbildungsmöglichkeiten (niedrigschwellige Sprachkurse) installiert haben zum Beispiel für zugewanderte EU-Bürgerinnen und -bürger, die erstmal kein Anrecht auf einen Integrationskurs haben. Wir planen in diesen Bereichen weitere Veranstaltungen, wo wir in die Tiefe gehen und hoffen, dass wir mit Hilfe des Vereins weitere Beschäftigungsmöglichkeiten für Migrantinnen und Migranten erschließen können. 

Claudia Wronna: Welche Botschaft, welchen Wunsch habt ihr denn für euren Verein und für die weitere Arbeit? Vielleicht hat ja auch jeder einen anderen Bereich, den er ansprechen kann und möchte. 

Marina Kovalchikova: Mein größter Wunsch wäre, dass die Zugewanderten in allen beruflichen Sektoren einen Platz finden, nicht nur in der Reinigung oder der Lagerlogistik, sondern zum Beispiel auch im öffentlichen Sektor oder in der Bildung. Es geht mir darum, dass sie einfach auch die Möglichkeit haben, besser bezahlte Positionen bekleiden zu können. 

Claudia Wronna: Völlig gerechtfertigt. Danke, Marina.

Maryam Ghandehari: Ich wünsche mir mehr politische Unterstützung, vielleicht auch finanzielle Unterstützung und mehr Engagement von zugewanderten Menschen, die hier Fuß gefasst haben. Dass sie den neu Angekommenen zum Beispiel Unterstützung anbieten und ihre Erfahrungen an sie weitergeben, damit die Integration besser laufen kann. Das kann ja zum Beispiel durch einen Integrationslotsenkurs passieren, wo sich potentielle Ehrenamtliche schulen lassen und dann an Ratsuchende vermittelt werden. 

Ursula Philipp: Ich wünsche mir und uns, dass die Stadt Oldenburg und die Menschen, die hier leben, weiterhin eine weltoffene Gemeinschaft sind, die ein menschliches Antlitz zeigen und auch eine gute Willkommenskultur pflegen. 

Claudia Wronna: Das war ein schönes Schlusswort, Ursula. Ich freue mich, dass ihr drei da wart und wünsche euch und eurem Verein ganz viel Erfolg auf eurem weiteren Weg. Ihr macht eine tolle Arbeit. Schön, dass ihr so engagiert seid und hoffentlich auch bleibt. Vielen Dank. 

Ursula, Marina und Maryam: Ja, danke schön. Danke. 

Claudia Wronna: Dies war ein Podcast aus der Reihe „hörbar vielfältig“. Dies ist ein Projekt des Fachdienstes Integration im Amt für Zuwanderung und Integration der Stadt Oldenburg. Aufnehmen durften wir den Podcast in der Freizeitstätte Bürgerfelde und bedanken uns insbesondere bei Nils Naumann und Felix Klostermann für die technische, herzliche und vor allem unkomplizierte Unterstützung. Hört gerne noch in unsere weiteren Podcastfolgen hinein, diese findet ihr hier. »

Zuletzt geändert am 21. Januar 2026