Mitschrift zur Podcast Episode 23

Jubiläumsaktion 15 Jahre Integrationspreis

Claudia Wronna: Herzlich willkommen zu unserem Podcast Hörbar vielfältig, den wir anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Integrationspreises der Stadt Oldenburg aufgenommen haben. In den 15 Jahren sind zahlreiche Projekte, Vereine und Initiativen mit diesem Preis ausgezeichnet und gewürdigt worden und wir wollen euch eine große Anzahl davon vorstellen. Wir haben nachgefragt, wofür sie damals den Integrationspreis gewonnen haben, was für besondere Erlebnisse bei ihnen hängengeblieben sind und wie es ihnen heute geht. Wenn euch also interessiert, was Oldenburg zwischen 2010 und 2025 an Projekten ausgemacht hat, die sich für Chancengleichheit und Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie für solidarisches Miteinander einsetzen, dann horcht rein in die jeweils circa zehnminütigen Podcasts von hörbar vielfältig. Viel Spaß dabei. 

Claudia Wronna: Hallo und herzlich willkommen! Heute habe ich Anastasia Hnojanko, Bernd Munderloh und Nadia Lysinska hier bei mir zu Gast. Herzlich willkommen, schön, dass ihr da seid. Nadia, du bist vom deutsch-ukrainischen Bildungsverein hier in Oldenburg. Was macht euch aus? Wie lange gibt es euch? Wer seid ihr? Was habt ihr für Ziele? 

Nadia Lysinska: Ja, unser Verein ist ziemlich neu. Offiziell sind wir seit zwei Jahren tätig. Aber natürlich kennen wir uns schon länger und arbeiten auch schon länger zusammen. In 2016 haben wir uns zusammengetan, weil wir das Ziel hatten, dass ukrainisch-stämmige Kinder, die hier wohnen, die ukrainische Kultur kennenlernen beziehungsweise nicht vergessen. Deswegen haben wir für uns privat eine kleine ukrainische „Schule“ aufgebaut. Nach Ausbruch des Krieges, als sehr viele Ukrainer*innen nach Oldenburg kamen, haben wir beschlossen, dass wir noch viel aktiver werden müssen. Und da haben wir angefangen, mit den neu angekommenen Kindern hier nicht nur Ukrainisch, sondern auch Deutsch zu lernen. Damit sie sich besser integrieren können. Wir haben auch andere Projekte gestartet, bei denen die ukrainischen Frauen sich zusammenfinden und etwas machen sollten. Raus von zu Hause, raus aus der Einsamkeit, der Trauer und der Angst. Deswegen haben wir ganz viele kulturelle Projekte gestartet. Und wir wollen natürlich, dass ukrainische Kinder in Kontakt kommen mit deutschen Kindern. Deswegen haben wir einige Projekte initiiert, die uns auf ein anderes Niveau gebracht haben, weil wir bekannter wurden. So dass wir jetzt nicht mehr nur unter uns Ukrainer*innen sind, sondern in ganz Oldenburg und mit Deutschen aktiv. 

Claudia Wronna: Das Projekt, wofür ihr 2024 den Integrationspreis in Oldenburg gewonnen habt, passt da ja auch super gut rein. Ihr habt ein Malbuch entwickelt, das auf der einen Seite Oldenburger Sehenswürdigkeiten, bekannte Plätze und Orte zeigt und auf der anderen Seite bekannte Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten aus Brazlaw. Wie ist diese Idee entstanden? Wer ist darauf gekommen? 

Nadia Lysinska: Die Idee kam von Svetlana. Sie kommt aus Brazlaw, und hatte die Idee schon mal in ihrer Schule in der Ukraine und dachte, das wäre doch etwas, was wir hier auch in Deutschland machen können. Mit deutschen und ukrainischen Schüler*innen ein Malbuch zu erstellen. Wobei es immer, wie du schon gesagt hast, gegenübergestellt wird, die Orte in Brazlaw und einen ähnlichen Ort in Oldenburg.

Claudia Wronna: Tolle Idee! Anastasia, wie bist du denn zu diesem Projekt gekommen? 

Anastasia Hnojanko: Ja, das ist eine gute Frage. Ich bin tatsächlich durch meine Mutter auf dieses Projekt gestoßen. Sie hatte viele Kontakte zu den Leiterinnen, die dieses Projekt organisiert haben und sie fragte mich, ob ich auch Lust hätte, daran teilzunehmen. Ich fragte sie, was man dabei machen müsse und sie sagte: zeichnen. Und da ich sehr gerne zeichne, habe ich direkt zugesagt. 

Claudia Wronna: Und eure Familie kommt ursprünglich auch aus der Ukraine? Ihr seid schon länger hier in Oldenburg, oder?

Anastasia Hnojanko: Ja, seit elf Jahren leben wir hier. 

Claudia Wronna: Okay, also, du zeichnest gerne und hast für das Buch eine oder mehrere Zeichnungen angefertigt?

Anastasia Hnojanko: Eine Zeichnung. Ich hatte die Peterkirche in Oldenburg gezeichnet und darüber hinaus mussten wir auch Rätsel dazu erstellen. Das heißt, auf der einen Seite hat man wie gesagt die Sehenswürdigkeiten aus der Ukraine und auf der anderen Seite aus Deutschland. Es gibt ein Originalbild, damit man weiß, wie das Gebäude überhaupt aussieht. Und außerdem gibt es eine Zeichnung, wo man diese Sehenswürdigkeiten ausmalen kann und man findet QR Codes, wo man dann bestimmte Spiele und Puzzles machen kann. 

Claudia Wronna: Also ist es eigentlich viel mehr als ein Malbuch. Das ist ein richtig interaktives Buch, wo man ganz viel Spiel und Spaß mit haben kann und sich auch, wie ich gerade sehe, Videos angucken kann zu den einzelnen Orten. 

Anastasia Hnojanko: Genau, das habe ich ganz vergessen. Wir mussten nicht nur zeichnen, sondern auch aktiv werden. Also wir mussten uns zu diesem Ort begeben, also zu unserer Sehenswürdigkeit. Und dann Videos filmen, schneiden und darüber erzählen, wie ist es überhaupt entstanden ist, was da früher stand, und so weiter.

Claudia Wronna: Bernd, du bist wahrscheinlich etlichen Oldenburger*innen hier ein Begriff. Wie bist du denn zu diesem Malbuch gekommen? 

Bernd Munderloh: Ja, ich bin ja im OTB (Oldenburger Turnerbund) und da kannte mich eine Frau, die mit den Ukrainerinnen Gymnastik machte. Und dann wurde sie gefragt, ob sie einen Stadtführer kennt und dann hat sie an mich gedacht und ich bekam einen Anruf. Bernd, hättest du Lust, an diesem Projekt mitzuarbeiten? Ich fragte, was ich denn machen müsse und man sagte mir: eine Stadtführung. Alles klar, mache ich. Und ja, dann habe ich eine Stadtführung zu Fuß für die Erwachsenen gemacht und eine Stadtführung zu Fuß für die Kinder. Außerdem eine Radtour mit den Erwachsenen und eine Radtour mit den Kindern. Und dann haben wir das langsam auf den Weg gebracht. 

Claudia Wronna: Wie viele Leute haben denn da mitgemacht? 

Bernd Munderloh: Wie viele waren wir? Circa 20 Erwachsene und circa 50 Kinder. Das hat Spaß gemacht, denen hier meine Heimat zu zeigen, weil ich ja ein echter Oldenburger bin. 

Claudia Wronna: Gab es da auch nette Anekdoten oder hast du schöne Erinnerungen an die Aktionen? 

Bernd Munderloh: Ich fand den einen Jungen so nett. Er hatte die Idee, dass er die Cäcilienbrücke malen wollte. Ich entgegnete, dass es die ja gar nicht mehr gäbe. Und er sagte, das mache ja nichts. Er könne ja eine neue zeichnen. Und das hat er gemacht. Und in dem Buch ist sein Entwurf für die neue Cäcilienbrücke mit drin. Das fand ich total klasse. 

Claudia Wronna: Welchen Wunsch, welche Botschaft habt ihr für die Zukunft? Nadia, vielleicht erstmal die Frage an dich, was wünscht du dir für den Verein?

Nadia Lysinska: Erstens wünsche ich mir natürlich für alle Frieden. Und dass wir weiter zusammenarbeiten. Dass wir weitere Projekte machen, dass diese Integration stattfindet, dass Ukrainer sich hier wie zu Hause fühlen können, sich verwirklichen, nicht nur arbeiten, sondern auch Hobbys haben und dass wir als Ukraine und Deutschland zusammenarbeiten. 

Claudia Wronna: Das mit dem Malbuch ist ja bereits eine gute Möglichkeit der Zusammenarbeit und etwas Verbindendes gewesen. Was passiert denn mit dem Preisgeld, was ihr bekommen habt? 

Nadia Lysinska: Wir wollen noch mehr Bücher drucken, da wir zurzeit so viele Nachfragen haben. Es gibt auch eine Online-Version des Buches, die hat noch mehr Inhalt. Deswegen würden wir gerne diese neue Version in Papierform drucken lassen. Die Bücher sind schon in vielen Büchereien in Oldenburg erhältlich. Wir wollen sie auch an Schulen bringen, damit alle Kinder, alle Oldenburger, das Buch nutzen können. 

Claudia Wronna: Das Buch ist auch kostenfrei, richtig? 

Nadia Lysinska: Genau! Zurzeit kann man uns, wenn man das Buch haben möchte, kontaktieren und dann kriegt man das Buch. 

Claudia Wronna: Das hört sich richtig gut an. Bernd und Anastasia, habt ihr auch noch einen Wunsch oder eine Botschaft, die ihr zum Schluss dem Zuhörer/der Zuhörerin mitgeben möchtet? 

Anastasia Hnojanko: Ich kann mich nur anschließen. Ich wünsche mir auch, dass solche Projekte häufiger stattfinden und nicht nur zwischen Deutschland und der Ukraine, sondern auch international, also weltweit. Und ich finde, es ist sehr wertvoll, wenn sich Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche wie ich, aus verschiedenen Ländern begegnen und voneinander lernen und gemeinsam etwas Kreatives erschaffen können. 

Bernd Munderloh: Ich schließe mich den Worten meiner Vorrednerin an. 

Claudia Wronna: Dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank. Schön, dass ihr da wart. 

Alle: Danke

Claudia Wronna: Dies war ein Podcast aus der Reihe „hörbar vielfältig“. Dies ist ein Projekt des Fachdienstes Integration im Amt für Zuwanderung und Integration der Stadt Oldenburg. Aufnehmen durften wir den Podcast in der Freizeitstätte Bürgerfelde und bedanken uns insbesondere bei Nils Naumann und Felix Klostermann für die technische, herzliche und vor allem unkomplizierte Unterstützung. Hört gerne noch in unsere weiteren Podcastfolgen hinein, diese findet ihr hier. »

Zuletzt geändert am 21. Januar 2026