Das Oldenburger Wunderhorn

In der Sammlung der dänischen Könige aus oldenburgischem Stamm in Kopenhagen ist ein Kleinod zu bewundern, welches das „Oldenburger Wunderhorn“ genannt wird. Es befand sich über Jahrhunderte im Besitz der Oldenburger Grafen. Graf Otto von Oldenburg, ein eifriger Jäger, war sein erster Besitzer.

Eines Tages begab sich Graf Otto mit seinem Gefolge auf die Jagd im Barnefürsholz. Während er einem zarten Reh nachsetzte, entfernte er sich immer weiter von seinen Leuten, bis er plötzlich erhitzt und durstig, ganz allein auf dem sandigen Osenberg stand. „Ach Gott“, sprach der Graf zu sich selbst, „wenn man doch nur einen kühlen Trunk hätte!“ Da trat aus dem Berg eine wunderschöne Jungfrau und reichte ihm ein prachtvolles Trinkhorn mit den Worten: „Trinket nur, lieber Herr, es wird Euch nicht schaden, sondern Euch und dem ganzen Land Oldenburg zum Besten gereichen. Trinkt Ihr aber nicht, so wird Euer Grafenhaus in Zwietracht zerfallen.“

Graf Otto aber, dem der Trank merkwürdig anmutete, trank nicht, sondern schüttete das Horn in hohem Bogen aus. Einige Tropfen spritzten auf den Rücken seines Pferdes und versengten das Fell des edlen Tieres.  Der Graf wendete sein Pferd und galoppierte davon. Die Jungfrau aber verschwand wieder im Berg und ward nie mehr gesehen.

Das Trinkhorn blieb im Besitz der Oldenburger Grafen und wurde als besonderes Kleinod in Ehren gehalten. Zum Trinken jedoch konnte es nie genutzt werden. Wie edel der Trank auch sein mochte, der hinein gefüllt wurde, er nahm in dem Horn einen widerlichen Geschmack an.

Nacherzählt von Isabelle Yeginer