Inas Kaffee-Pott-Cast Folge 3

Es ertönt eine fröhliche Musik und ein Geräusch, als wenn ein Kaffee in einen Pott eingegossen und anschließend umgerührt wird. Ina Ruschinski spricht:
„Ein herzliches Willkommen zu Inas Kaffee-Pott-Cast aus dem Café des Treffpunkts Gemeinwesenarbeit – ein Ort für Frauen. Schön, dass du dabei bist.
Heute geht es um den 8. März. Es ist „Weltfrauentag“.
Vielleicht hast du schon oft davon gehört, gelesen und feierst ihn möglicherweise auch jedes Jahr, zum Beispiel bei und mit uns im Treffpunkt?
Aber ich möchte euch trotzdem ein wenig darüber erzählen. Denn den Blick auf die Gleichberechtigung zu wahren, ist wichtig. Jedes Jahr wieder und zu allen Zeiten.
Gesellschaften und Zeiten wandeln sich und mit ihnen immer auch leider das Recht der Frauen auf Gleichberechtigung, auf Selbstbestimmung und Würde. Was in nun über hundert Jahren durch die Frauenbewegung erreicht wurde, ist noch lange nicht überall auf der Welt für Frauen gültig. Und auch hier und heute nicht etwas, auf dem wir ausruhen können und denken, es sei erreicht und auf ewig verankert.
Schauen wir einmal zurück:
Erst ein sehr langer Kampf der Frauenbewegung, schon ab dem 18. Jahrhundert, führte endlich zur Einführung des Frauenwahlrechts in Europa.
Der internationale Frauentag ist damit eng verknüpft.
Hedwig Dohm, eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, forderte schon 1873 in ihren Schriften das Frauenwahlrecht als Voraussetzung für die Durchsetzung weiterer Rechte. Sie appellierte und jetzt kommt ein Zitat von ihr: „fordert das Stimmrecht, denn über das Stimmrecht geht der Weg der Selbstständigkeit und Ebenbürtigkeit, zur Freiheit und zum Glück der Frau.“ Und später schrieb sie dann: „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht.“
Das sind weise Worte.
Minna Cauer, eine deutsche Pädagogin und Frauenaktivistin gründete 1888 schon in Berlin den Verein „Frauenwohl“. Dieser forderte politische Rechte für die Frau. Mitglieder waren unter anderen: Anita Augspurg, Helene Stöcker, Käthe Schirmacher und Hedwig Dohm.
Und 1902 gründete dann Anita Augspurg, eine deutsche Juristin und Frauenaktivistin, zusammen mit Lida Gustava Heinemann und Minna Cauer den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“. Die bürgerliche Frauenstimmrechtsorganisation findet hier ihre Anfänge – als erster Verein -, dessen einziges Ziel der Kampf um das Frauenstimmrecht ist.
Ein weiterer Meilenstein der Frauenbewegung ist dann 1910 „Die Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz“ in Kopenhagen. Hier fassten die Frauen den Beschluss, in jedem Land einen Frauentag zu installieren und das in erster Linie, um das Frauenwahlrecht zu fordern.
Und so kommen wir zu Clara Zetkin, der deutschen Politikerin und Frauenrechtlerin. Ihr gelang es, den „Internationalen Frauentag“ als deutliches lautstarkes Zeichen im Kampf für das Frauenwahlrecht in Deutschland zu etablieren. Der allererste Frauentag in Deutschland fand am 19. März 1911 statt, mit lauten Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen.
Ebenso fand er an jenem Tag in Dänemark, Österreich, Bulgarien, der Schweiz und den USA statt.
Ja, nach einem langen Kampf erklärte dann 1918 endlich der Rat der Volksbeauftragten das freie, geheime aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen, die älter als zwanzig Jahre waren.

Das Frauenwahlrecht in Deutschland war damit eingeführt.

Jetzt mache ich mal eben einen kleinen Seitensprung und erzähle euch in welchen Ländern der Welt chronologisch das Wahlrecht für Frauen sonst noch so eingeführt wurde:

Und zwar 1776 bereits im US-Bundesstaat New Jersey – allerdings für alle Personen ab einem gewissen Besitzstand. Aber das galt für Witwen, nicht jedoch für verheiratete Frauen, weil diese nichts besitzen durften. Und dieses Wahlrecht wurde dann 1807 auch wieder auf Männer beschränkt.
Aber 1853 schon in Kolumbien in der Stadt namens Vélez, wurde als erste Stadt der Welt ein Frauenwahlrecht eingeführt.
1869 Wyoming, ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten seit 1890.
1893 Colorado und zwar nach einer Volksabstimmung der Männer.
1893 führte Neuseeland das aktive Wahlrecht ein und 1919 dann das passive Wahlrecht, was bedeutet, dass Frauen sich auch wählen lassen konnten.
1902 im Commonwealth of Australia. Und zwar führte Australien gleichzeitig in einem Zuge das aktive und passive Wahlrecht für Frauen ein, was wirklich sehr früh war.
1906 in Finnland
1913 in Norwegen
1915 in Dänemark
1918 wie schon bereits gesagt in: Deutschland, Österreich, Polen, Russische Föderation, Lettland, Estland, Georgien
und ebenfalls 1918 die Demokratische Republik Aserbaidschan, als erstes muslimisches Land.
1919 Niederlande, Belarus, Litauen
1920 die USA
1921 Schweden
1928 in Großbritannien und Irland
1930 und 1934 Türkei (erst aktiv und dann passiv)
1931 Spanien
1937 in den Philippinen
1944 in Frankreich und Bulgarien
1945 Italien, Ungarn, Slowenien
1948 Belgien
1950 in Indien
1952 Griechenland
1963 im Iran
1971 dann endlich in der Schweiz, mit Ausnahme des Kantons Appenzell-Innerhoden, der folgte 1990.
1976 Portugal
1984 in Liechtenstein und 2005 in Kuwait.

Doch nun zurück zum „Internationalen Frauentag“.

Ab 1921 wurde der 8. März als Datum für den „Internationalen Frauentag“ festgelegt.
Das Wahlrecht für Frauen war gewonnen, doch damit hatte sich der Kampf der Frauen noch lange nicht erledigt und somit auch nicht die Wichtigkeit des „Internationalen Frauentages“. Denn ein Wahlrecht löste noch lange nicht die vielen Ungerechtigkeiten, denen Frauen weiterhin ausgesetzt waren. Das Thema Frauenarbeit rückte nun ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Doch mit der Machtübernahme von Hitler 1933 fand auch der „Internationale Frauentag“ 1933 in Deutschland ein vorläufiges Ende.
Statt Frauentag wurde nun „Muttertag“ gefeiert.
Den gab es zwar schon früher, aber so richtig passte er nun in die Idee von der arischen deutschen Mutter und somit wurde er als ihr Feiertag abgesichert. Der „Internationale Frauentag“ dagegen wurde direkt offiziell verboten.
Er wurde nur noch heimlich begangen, nicht auf den Straßen, sondern im Kleinen, Privaten, mit Kaffeekränzchen. Aber auch noch durchaus mit illegalen Flugblättern, die verbreitet wurden. Und es gibt sogar Schilderungen von Frauen, die den „Internationalen Frauentag“ in einem Konzentrationslager erlebten und berichteten, dass dieser Tag verbindend wirkte.
Ja und dann kommen wir zum Jahr 1949. Da nämlich wurde dann endlich im Grundgesetz die Gleichberechtigung verankert mit dem Satz: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Dass der Artikel zur „Gleichberechtigung“ in den Entwurf für das neue Grundgesetz der Bundesrepublik aufgenommen wurde, ist vor allem der Sozialdemokratin Elisabeth Selbert zu verdanken.
Doch bis sich dieser Satz auch gesellschaftlich durchsetzte, war es ein weiter Weg. Und ist es streckenweise auch noch heute.
Doch nun zurück zum „Internationalen Frauentag“:
In den 1950er Jahren wirkte sich die Spaltung Deutschlands ja auch auf den Frauentag aus. Es gab wieder zwei Frauentage. In der DDR wurde er zum Ehrentag für Frauen und in der BRD wurde er in den 1950er Jahren erst einmal „vergessen“ In der DDR war der Frauentag eine sozialistische Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen weniger politische Forderungen als das gemeinsame Feiern. Männer sollten den Frauen eine kleine Freude bereiteten, einen früheren Feierabend oder auch kleine Geschenke.
In der BRD hingegen wurde der Tag erst ab den 1980er Jahren von der autonomen Frauenbewegung wieder entdeckt und für politische Forderungen genutzt.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde der Frauentag ab 1994 wieder als Protesttag begangen. Frauenarbeitslosigkeit und der Abbau der Kinderbetreuung im Osten, führte dazu, dass am „Internationalen Frauentag“ 1994 zu einem „Frauen-Streik-Tag“ aufgerufen wurde. Veranstaltungen in ganz Deutschland brachten über eine Million Menschen auf die Straßen. Drei Tage vorher hatte der Deutsche Frauenrat zu einer Großdemonstration aufgerufen und sich erstmals bewusst mit dem Datum 8. März in Verbindung gesetzt.
Heute wird in vielen deutschen Städten am 8. März mit unterschiedlichsten Veranstaltungen die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage:
Wie geht es Frauen heute weltweit und dazu zähle ich jetzt mal die zehn gefährlichsten Länder der Welt für Frauen auf:
Platz 1: Indien
Platz 2: Afghanistan
Platz 3: Syrien
Platz 4: Somalia
Platz 5: Saudi-Arabien
Platz 6: Pakistan
Platz 7: Demokratische Republik Kongo
Platz 8: Jemen
Platz 9: Nigeria
Platz 10: Vereinigte Staaten von Amerika

In Indien, dem traurigen 1. Platz finden mehr als 100 Vergewaltigungen pro Tag statt. Indien ist für Frauen das gefährlichste Land der Welt. Weibliche Säuglinge werden häufig getötet, weibliche Föten abgetrieben. Viele Millionen Frauen und Mädchen werden in die Sklaverei gezwungen. 90 Prozent der Ehen werden arrangiert.
Afghanistan: Frauen, die sich nicht an ihre vorgegebene Rolle halten, werden häufig bedroht oder getötet, die medizinische Versorgung ist schlecht. Erst seit dem Sturz der Taliban 2001 können Mädchen hier überhaupt wieder in die Schule gehen.
Pakistan: Hier werden Frauen oder kleine Mädchen häufig zwangsverheiratet; auch sogenannte "Ehrenmorde" werden oft begangen.
Somalia ist die Genitalverstümmelung kleiner Mädchen noch üblich – viele sterben daran. Auch die Müttersterblichkeit ist extrem hoch.

Weltweit gehen 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule.
Von den 25 gefährlichsten Ländern für Frauen liegen 14 in Südamerika.

Schweden: In Schweden bezeichnen sich auch viele Männer ganz selbstverständlich als Feministen. Gleichberechtigung der Geschlechter ist in dem Land offiziell ein Grundgesetz des Staates.
Finnland: Die Frauen waren weltweit mit die ersten, die das Wahlrecht erhielten. (1906) und bereits bei der Parlamentswahl im Jahr 1907 errangen Frauen fast 10 % der Sitze. Heute stellen Frauen mehr als ein Drittel aller finnischen Parlamentsabgeordneten und mit Tarja Halonen bekleidete vom Jahr 2000 bis 2012 auch erstmals eine Frau das höchste Amt im Staat, das der Präsidentin.

Frauen sind das starke Geschlecht.
Das beweisen auch finnische Wissenschaftlerinnen.
Sie werden immer häufiger zur Professorin ernannt.

Und Deutschland?
Bei der Gleichberechtigung im europäischen Ländervergleich leider nur Mittelmaß.
Die EU hat es untersucht:
Wo verdienen Frauen besonders wenig Geld? In welchen Ländern sind sie an der Macht gleichberechtigt beteiligt?
Und wo helfen Männer im Haushalt mit?
Schweden, Frankreich und Finnland liegen an der Spitze, Deutschland schaffte es auf Rang 9.
Und die zehn schlechtesten Länder für Mädchen, um Politikerin zu werden:

1. Tschad
2. Jemen
3. Mali
4. Guinea
5. Mauretanien
6. Gambia
7. Äthiopien
8. Laos
9. Bhutan
10. Myanmar

Und die 10 besten Länder für Mädchen, um Politikerin zu werden:

1. Island
2. Norwegen
3. Finnland
4. Kanada,
5. Slowenien
6. Irland
7. Neuseeland,
8. Spanien
9. Dänemark
10. Schweden
auf Platz 13. Deutschland

Ja, ihr Mädchen und Frauen, da draußen, lieber Zuhörerinnen. Wenn wir etwas bewirken wollen, dann müssen wir unsere Stimme erheben. Nicht nur am 8. März, zum Weltfrauentag. Denn Frauentag ist 365 Tage im Jahr.
Und wie ich zu Beginn schon sagte: den Blick auf die Gleichberechtigung zu wahren, ist wichtig. Jedes Jahr wieder und zu allen Zeiten.
Denkt an die Frauen vor uns, Minna Cauer, Clara Zetkin und all die vielen anderen mutigen Frauen, denen wir so viel zu verdanken haben. Etwas daraus machen, müssen wir selbst. Nur nicht darauf ausruhen.
Ich beende diesen Podcast nochmal mit den Worten von Hedwig Dohm, denn welche könnten treffender sein?
 „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht.“
Ich hoffe, wir hören und sehen uns bald wieder. Eure Ina, ciao, ciao.“
Der Podcast endet mit einer fröhlichen Musik und das Geräusch, wenn ein Kaffee in einen Pott eingeschenkt und umgerührt wird.

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