Barrierefreie Leseversion „Inas Kaffee-Pott-Cast Folge 6, Teil 2 “

Inas Kaffee-Pott-Cast Folge 6, 2. Teil

Ina: „Politik ist ja nicht nur schön und sie sind ja auch im Rat tätig, müssen vor allerlei Menschen sprechen. Welche Qualitäten braucht man als Frau, um Politikerin zu sein und sich das auch zutrauen? Die Anfeindungen in der Politik sind ja nicht gering. Ich weiß nicht, ob ich das Standing hätte, immer angegangen zu werden bezüglich meiner politischen Meinung. Wie ist das für Sie?“

Christine Wolff berichtet: „Wir sprechen ja sehr gerne darüber, dass Politik frauenfeindlich ist, Frauen ein besonderes Standing oder besonders spitze Ellenbogen brauchen, um sich durchzusetzen. Diese Erfahrung kann ich so nicht teilen. Wir müssen unterscheiden zwischen der Ebene, auf der wir Politik betreiben. Wir sprechen heute ja über Kommunalpolitik. Es mag auf Landes- oder Bundesebene sicherlich noch etwas härter zugehen. Hier in Oldenburg in der Kommunalpolitik sind Männer und Frauen, die in den Fraktionen und Parteien organisiert sind. Die schreiben für ihre Parteien Wahlprogramm. Und diese Fraktion, egal ob Männer oder Frauen, versuchen möglichst dieses Wahlprogramm in der Wahlperiode umzusetzen. Politik wird eigentlich nicht von Einzelpersonen gemacht, die sind also nicht einzeln motiviert oder einzeln angetrieben. Politik wird von der Gruppe gemacht. In den Fraktionen sind also zum Teil paritätisch, zum Teil nicht paritätisch Männer und Frauen vertreten. Diese versuchen die Ziele, die sie für Oldenburg für gut halten, zu erreichen. Und hier habe ich als Frau nicht die Erfahrung gemacht, dass ich mich jetzt besonders durchsetzen müsste.“

„Aber Lust auf ein Streitgespräch müsste man wahrscheinlich schon haben, oder?“ fragt Ina.

Darauf entgegnet Christine Wolff: „Ja, natürlich. Man schließt sich ja auch einer Partei und deren Ideen aus bestimmten Gründen an: Weil man sie für richtig hält, weil man glaubt, dass die Menschen damit besser leben können und weil man damit eine Verbesserung für die Stadt erreichen kann. Natürlich muss man sich dann auch gegen andere durchsetzen, argumentativ besser sein und andere überzeugen wollen oder zumindest versuchen, Mehrheiten zu erreichen.“

Ina stellt fest: „Also ist Politik gar nicht so frauenfeindlich, wie ich das immer denke. Man liest immer wieder von Anfeindungen auf Facebook oder Twitter oder erfährt diese persönlich im Rahmen einer Diskussion. Zumindest ist es mein Eindruck, dass Politikmachen auch einhergeht mit etwas „ruppigem“.“

Christine Wolff knüpft an ein aktuelles Thema an: „In letzter Zeit gab es Diskussion um Angriffe gegen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger. Ich selbst kenne tatsächlich zwei Personen, zwei Frauen, die das tatsächlich aushalten mussten. Die eine hat einen Brief bekommen, die andere ist vis-a-vis angegangen worden. Dass darf natürlich nicht passieren, dagegen muss man ganz entschlossen vorgehen. Aber es ist nicht der Alltag und es ist auch nicht unser politischer Alltag. Es geht im Wesentlichen darum, Ziele zu erreichen und Themen durchzusetzen. Natürlich muss man die manchmal auch erstreiten - das müssen die Männer auch. Mehrheiten ergeben sich eben nicht von alleine.“

Mit der Frage „Stellen Sie sich mal vor, ich stehe jetzt vor Ihnen und würde Ihnen sagen: „Ich möchte jetzt in die Politik gehen!“ Was sollte ich dafür mitbringen, was brauche ich?“ möchte Ina wieder auf das Thema politischer Werdegang zurück kommen.

Hier hat Christine Wolff eine klare Vorstellung: „Wenn Sie Persönlichkeitseigenschaften meinen: Also ich glaube ein bisschen Mut braucht man schon. Wenn man nicht in einer Politikerfamilie groß geworden ist und daher eher einen „Kaltstart“ hat, dann braucht es schon erst einmal ein bisschen Mut. Das ist ein bisschen wie Kinderkriegen, man weiß vorher auch nicht, was auf einen zukommt. In der Politik ist es ganz ähnlich - man hat ja vorher nicht geübt.“

Sehr amüsiert stellt Ina fest: „Das ist ein schönes Zitat: Politik ist wie Kinder kriegen, man weiß nicht was einen erwartet:“ (beide lachen).

Christine Wolff geht erneut auf die Frage von Ina zur Persönlichkeit ein: „Ich denke, dass man gut zuhören können muss. Ein großer Vorteil ist auch, wenn man seine eigene Person nicht so wichtig nimmt. Wichtig ist vielmehr, die eigene Person und das eigene Engagement für die Allgemeinheit zu nutzen. Ich glaube, dass es das allerwichtigste ist, Interesse daran zu haben, etwas für die Gemeinschaft zu tun.“

Ina macht Christine Wolff ein indirektes Kompliment: „Ich glaube, dass dies eine Besonderheit ist, die Sie haben, Frau Wolff. Wenn ich mir Politiker anschaue - und wahrscheinlich betrifft es auch Politikerinnen - habe ich das Gefühl, dass es doch gerade sehr viel darum geht, die eigene Person oder das eigene Ego auch ein wenig in den Vordergrund zu stellen.“

An dieser Stelle möchte Christine Wolff relativieren: „Da müssen wir auch unterscheiden ob wir gerade Wahlkampfzeiten haben oder nicht. Es gibt Politikerinnen und Politiker, für die ist eigentlich die ganze Legislaturperiode Wahlkampf. Es gibt aber durchaus auch andere, die den Wahlkampf auf die paar Monate vor der Wahl beschränken. Ich hoffe, ich gehöre zu den letzteren.“ (lacht)

Ina ergänzt dazu: „Und das ist auch ein schönes Bild, wenn die PolitikerInnen darstellen würden, dass es um die Sache geht und nicht um die Person. Das würde Politik doch sehr sympathisch machen. Ich glaube die meisten Menschen haben immer einen anderen Eindruck.“

Dies unterstützt Christine Wolff: „Deshalb ist es mir auch ganz wichtig, bei solchen Gelegenheiten auch mal eine andere Denkweise mit hinein zu bringen und zu zeigen, dass man Politik auch anders denken kann. Die meisten denken Politik auch anders. Natürlich sind diejenigen, die ihr Ego in den Vordergrund stellen, die medienwirksameren und die lauteren. Und natürlich prägen die eher das Bild als die anderen...“

„…die im Hintergrund arbeiten und Sachen voranschieben." wirft Ina ein.

„Genauso ist es.“ bestätigt Christine Wolff.

Ina wechselt das Thema: „Ich habe in der letzten Zeit in der Gemeinwesenarbeit oft mit alleinerziehenden Müttern zu tun. Auch gerade in der Coronakrise habe ich das Gefühl - und höre das auch von den Betroffenen - dass sie sehr unter der Situation leiden. Die Frauen haben ja gesellschaftlich einen ganz besonders schlechten Stand. Was würden Sie jetzt alleinerziehenden Müttern - nicht nur in Oldenburg - sagen, was man für sie tun könnte, damit sie gesellschaftlich etwas besser dastehen?“

Christine Wolff antwortet darauf: „Zunächst einmal würde ich jeder Frau, die ein Problem oder einen Bedarf hat, die sagt "genau das würde mir helfen, damit es mir besser geht, damit wäre meine Situation entspannter", folgendes raten: Sie sollte zunächst einmal diesen Bedarf genau formulieren und sich fragen, was genau ihr fehlt: Ist es finanzielle Unterstützung, ist es personelle Unterstützung, ist es Vernetzung, ist es Kinderbetreuung? Es gibt da ja ganz unterschiedliche und individuelle Bedarfe. Hier sollte man differenziert betrachten. Beispielsweise: „Für mich wäre es an diesem Tag einmal ganz wichtig, für zwei Stunden eine Kinderbetreuung zu haben, weil ich nämlich gerne meinen Sport machen möchte.“ Ein anderes Beispiel kann sein, dass eine Frau finanzielle Unterstützung braucht. In beiden Fällen müssen wir gucken, wie wir diese individuellen Konflikte lösen können.“

Das Thema weiter denkend sagt Ina: „Das größte Problem für Alleinerziehende ist vermutlich die Kinderbetreuung und die finanzielle Versorgung. Daraus entstehen dann Folgeprobleme wie z.B. ein beruflicher Stillstand wegen mangelnder Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Diese Spirale der finanziellen Not hemmt Alleinerziehende.“

Erneut Christine Wolff möchte darauf hinaus, dass Frauen gemeinsam auf Bedarfe aufmerksam machen sollten: „Angenommen, das Problem der betroffenen Frauen im Viertel ist die Kinderbetreuung. Wenn diese Frauen sich zusammen tun und einen Konsens finden würden, z.B. dass einmal pro Woche an einem Nachmittag drei Stunden Kinderbetreuung benötigt werden, dann könnte man versuchen, dafür eine Lösung zu finden.“

„Also ist es schwierig konkret zu sagen, Alleinerziehende brauchen dieses oder jenes und dafür setzen wir uns jetzt als Fraktion ein?“ fragt Ina.

Christine Wolff plädiert dafür, die Vielfalt an Anlaufstellen zu nutzen; „Ich glaube, dass dafür die Bedürfnisse zu unterschiedlich sind. Es gibt hier in Oldenburg so viele Anlaufstellen, wo man Hilfe, Beratung und Unterstützung bekommen kann. Da müsste man dann für die jeweilige Situation die richtige Anlaufstelle finden.“

Daran anschließend spricht Ina ein weiteres Thema an: „Sie haben ja gerade in Bezug auf die alleinerziehenden Mütter angesprochen, dass diese sich besser vernetzen sollten, um sich gegenseitig zu unterstützen. Das Thema "Solidarität unter Frauen" ist ja oft gewünscht, aber nicht immer so stabil, wie man es sich eigentlich vorstellt. Wie empfinden Sie das Thema „Solidarität unter Frauen“ in Ihrer Arbeit als Politikerin und auch ganz generell?“

Dazu sagt Christine Wolff: „Das ist auch mein Thema. Da können wir glaube ich noch viel besser werden. Zum einen in der Politik können wir da besser werden, da wir uns hier gegenseitig angreifen. Ich denke das ist gar nicht notwendig, man kann hier in vielen Fällen vermutlich auch mehr Solidarität zeigen. Letztendlich wollen wir als Politikerinnen ja auch anderen Frauen Mut machen, sich für ihre Themen einzusetzen. Und das funktioniert, zumindest wenn diese Themen Frauen unmittelbar betreffen, nicht ohne eine gewisse Solidarität. Man muss sich auch einmal sicher sein können, dass man bei Frauen für eigene Themen Unterstützung findet.“

Ina hat eine Nachfrage: „Meinen Sie hier auch Unterstützung und Solidarität unter Frauen in Fraktionen zu bestimmten Themen?“

„Ja, das meine ich auch fraktionsübergreifend. Da könnte man die Parteipolitik manchmal ein bisschen zu Seite schieben und gemeinsam an einem Strang ziehen.“ entgegnet Christine Wolff.

An dieser Stelle Ina möchte die Wichtigkeit der vorangegangenen Aussage betonen: „Denn es geht um die Sache und auch vielleicht um eine Sache die Frauen betrifft.“

Dazu kann Christine Wolff ein konkretes Beispiel benennen: „Manchmal passiert das. Beispielsweise gibt es ja jetzt in Oldenburg den „Aktionsplan gegen Gewalt“. Dieser wurde fraktionsübergreifend bearbeitet und auch abgestimmt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Solidarität untereinander bei einem so wichtigen Thema auch geht.“

Ina bekräftigt dies: „Das ist ein sehr wichtiges Thema, das erfahren wir hier in der Gemeinwesenarbeit aktuell angesichts der Korona Krise angesichts der Coronakrise auch.“

Christine Wolff führt weiter aus: „Und das zeigt eben auch, dass wir gerade bei ganz besonders wichtigen Themen die Solidarität unter Frauen von der Basis an brauchen. Ich bleibe mal bei dem gerade in der heutigen Zeit bedeutenden Thema häusliche Gewalt. Da ist es wichtig, gerade unter Frauen nicht wegzugucken. Und es ist wichtig, dass Frauen wissen, dass sie bei anderen Frauen Unterstützung haben und nicht die Haltung zu haben „das geht mich ja nichts an“. Es ist extrem wichtig, dass sich die Frauen gegenseitig unterstützen und Verständnis haben. Eine Frau muss wissen, dass sie Unterstützung findet, weil sie eben eine Frau ist. Da kann ich nur noch einmal werben von der Basis an Solidarität zu schaffen: Solidarität bei Frauen, von Frauen und für Frauen.“

Dies möchte Ina aufgreifen: „Das ist ein sehr wichtiges Statement, welches ich auch einmal unterstreichen möchte. Es ist ja letztendlich auch ein feministischer Anspruch, den wir Parteilichkeit für Frauen nennen, das heißt also wirklich: Frauen setzen sich für Frauen ein. Was könnten wir alles erreichen, wenn wir dies noch vermehrt tun und uns besser vernetzen würden?“

Christine Wolff verknüpft das Thema „Solidarität unter Frauen“ mit Politik: „Absolut. Ein gutes Beispiel ist, wenn sich z.B. Frauen zur Wahl stellen und natürlich längst nicht von Frauen gewählt werden. Natürlich kann man immer sagen: „Nur weil es eine Frau ist, muss ich sie ja nicht wählen." - aber ganz ehrlich: Wer setzt sich denn thematisch schon so tief mit den Themen auseinander, sodass er entscheiden kann, ob die Frau es besser macht als der Mann und welches Argument greift, um die Frau zu wählen.“

Ina möchte das Thema noch weiter vertiefen: „Meinen Sie, dass es auch etwas mit Konkurrenz zu tun hat, oder auch mit Missgunst, dass man es eben der anderen Frau gerade nicht gönnt? Ist das vielleicht etwas tief Anerzogenes in unserer Generation der Frauen?“

„Ich, glaube ich muss leider zustimmen.“ sagt Christine Wolff.

Ina ist etwas bestürzt: „Entsetzlich! Mir war eben gerade auch schon ganz übel, als ich diese Frage gestellt habe. Ich höre davon auch oft und es ist eine Sache, die ich zutiefst nicht verstehe, warum dann dieser leicht vernichtende Blick von Frauen anderen Frauen gegenüber kommen kann. Und wenn es etwas gäbe, was ich mir ganz dringend wünschen würde für diese Welt, dann wäre es Wohlwollen von Frauen erst einmal sich selbst und auch anderen Frauen gegenüber. Frauen sollten andere Frauen pushen und ihnen von Herzen gönnen, dass sie mal das Zepter in die Hand nehmen.“

Auch Christine Wolff plädiert für mehr Solidarität: „Ich würde allen Frauen wünschen, dieses Gefühl einmal zu erleben, eine andere Frau dabei unterstützt zu haben, erfolgreich zu sein. Das ist ein unheimlich gutes Gefühl für einen selber. Einfach mal ausprobieren!“

Ina wiederholt die vorherige Aussage: „Diesen Satz möchte ich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: „Das Gefühl zu erleben, eine Frau auf ihrem Weg, etwas Großartiges zu leisten bzw. erfolgreich zu sein, unterstützt zu haben und dadurch an diesem Erfolg auch teilzuhaben.“
Da sich unser Pott-Cast dem Ende nährt, wollte ich noch eine Frage stellen: Stehen sich Frauen denn auf dem Weg in die Politik häufig selbst im Weg?“

Christine Wolff kommt noch einmal auf die Förderungsprogramme für Frauen zurück: „Ich habe ja zu Beginn einmal erwähnt, dass ich dieses Mentoring-Programm „Politik braucht Frauen“ mitgemacht habe, um die Kommunalpolitik kennenzulernen. Also quasi ein Kurs für Basiswissen: Wie funktioniert das mit diesen Ausschüssen, wie funktioniert das mit der Antragstellung, wie funktioniert der städtische Haushalt? Aber es gibt auch einen Part des Programms, welcher sich mit Selfmarketing beschäftigt, also wie man sich selbst vermarktet.“

„Das ist ein Thema, dass Frauen sehr sehr schwerfällt.“ merkt Ina an.

Christine Wolff fährt mit der Beantwortung der Frage fort: „Da habe ich ganz viel darüber gelernt, wo sich Frauen häufig selbst im Weg stehen. Frauen wollen perfekt sein, Frauen sagen erst Ja zu einer Aufgabe, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie die auch gut ausfüllen können.“

„Das Problem haben Männer ja nicht...“ wirft Ina ein.

Das bestätigt Christine Wolff: „Genau, Männer wollen nicht lernen, Männer wollen können. Männer trauen sich eine Aufgabe dann auch zu. Das sind natürlich jetzt auch ein bisschen klischeehaft. Aber ich glaube, ganz unwahr sind die Klischees nicht. Zum Beispiel nimmt ein Junge eine Gitarre in die Hand, spielt drei Akkorde, und sagt dann: "Ich kann Gitarre spielen!" - ein Mädchen nimmt eine Gitarre in die Hand, übt ein halbes Jahr, und sagt dann aber nicht, dass sie Gitarre spielen könne. Das sind der Unterschied und unser größter Stolperstein - wir gönnen uns keine Fehler.“

Ina fragt nochmals nach: „Der größte Stolperstein sind wir selbst! Wir stehen uns also selbst im Weg, um damit die Frage zu beantworten?“

„Ja! Ich sage: Rücken gerade, Brust raus, Augen geradeaus und dann klappt das schon!“ sagt Christine Wolff bestärkend.

Ina fragt weiter: „Das Thema Selbstvermarktung fällt Frauen ja schwer. Sie haben ja dazu einen Kurs besucht. Könnten Sie Frauen vermitteln, was Selbstvermarktung ist?“

Hier kommt Christine Wolff auf den runden Tisch für Frauen zurück: „Also das wäre ja ein Thema für den geplanten runden Tisch, da könnte man ja einmal überlegen, welche Referentin dann für so ein Projekt einlädt. Und die Frauen dafür würden sich finden. Es kann eine unglaubliche Bereicherung sein, für sich selbst zu überlegen, wo ich mir eigentlich im Weg stehe. Fängt es schon damit an, dass ich mich in meiner Garderobe unwohl fühle? Warum fühle ich mich unwohl? Oder glaube ich, dass ich sprachlich anderen Menschen nicht gewachsen bin? Oder was kann ich tun, um eine Sprache stärker zu machen? Das ist sehr facettenreich. Aber das wäre auf jeden Fall ein Thema für den runden Tisch.“

Ina ist von der Idee überzeugt: „Das finde ich großartig! Da hätten wir ja schon mal einen ganz tollen Inhalt für den runden Tisch. Und anschließend gehen die Frauen gestärkt nach Hause und würden von sich selbst sagen, dass sie selbst nach drei Akkorden schon Gitarre spielen können, anstatt gleich ein ganzes Konzert einstudiert haben zu müssen, bevor sie das Gefühl haben: „Jetzt bin ich soweit!““

Christine Wolff möchte noch ergänzen: „Ich glaube, wir dürfen nicht den Fehler machen, dass wir Frauen die besseren Männer sein wollen. Wir müssen schon Frauen bleiben. Und das macht uns gerade einzigartig und das macht uns auch besonders. Wir sollten es tunlichst vermeiden, in die Konkurrenz mit Männern zu gehen. Männer haben ganz gewiss ihre Qualitäten, aber wir sollten uns auf unsere Qualitäten besinnen.“

Hier fragt Ina nach: „Was sind denn unsere Qualitäten und Stärken?“

 „Wir sind kommunikativ, wir sind empathisch, wir haben ein Gespür für Situationen, meistens sind wir die besser praktisch veranlagten Menschen; also diejenigen, die die Situation sehen und Lösungen erkennen - wie lange sollte diese Pott-Cast-Folge sein?“ scherzt Christine Wolff.

Ina winkt ab: „Reden Sie mal weiter!“

Also fügt Christine Wolf noch hinzu: „Neben vielen sozialen Aspekten, die uns ausmachen. haben wir auch unglaublich viele intellektuelle Fähigkeiten, die wir aber noch nicht genügend abrufen. Wir lassen uns dann auch häufig auf die Klischeefrau, also die Versorgerin und die Fürsorgerin reduzieren. Dabei können wir alles erreichen, wenn man uns nur ließe oder wenn wir uns nicht so eingrenzen lassen würden.“

Dies bekräftigt Ina: „Genau. Wenn man uns nur ließe oder wenn wir uns selbst nicht daran hindern würden, Dinge zu tun und den Mut zu haben, um das noch einmal mit Ihren Worten zu ergänzen.“

„Es kann da gar nicht genug Mutmach- Projekte geben, um die eigenen Fähigkeiten auf die Straße zu bringen.“ betont Christine Wolff.

Ina stellt eine weitere Frage: „Zum Abschluss würde ich gerne von Ihnen wissen, was Ihnen als Politikerin und als Frau auffällt, wenn sie durch das Viertel Bloherfelde bzw. das Kennedyviertel gehen? Was würden Sie vielleicht gerne verändern, was gefällt ihnen gut, was hingegen nicht?“

Christine Wolff antwortet: „Als ich vor 20 Jahren nach Oldenburg, genauer Wechloy kam - wobei Bloherfelde schon mein Stadtteil ist, da ich hier z.B. einkaufe und die Schulen meiner Kinder sich hier befinden - da hat man mir immer gesagt, dass man hierher nicht gehen solle, da es nicht ganz sicher sei und es sogar eine eigene Polizeistation gebe. Da ich aber immer schon ein sehr neugieriger Mensch war, habe ich meine Kinder in die Karre gepackt und habe selbst einmal nachgesehen. Ich habe mich beim Losgehen so gefühlt, als würde ich von New York in die Bronx gehen. Und was ist passiert? Es ist nichts passiert! Es hat mich keiner blöd angesprochen, es hat mich keiner doof angeguckt und ich habe mich hier genauso sicher gefühlt wie anderswo in der Stadt. Ich kann jetzt dieses Stigma absolut nicht unterstreichen.“

Auch Ina kann das schlechte Image des Viertels nicht nachvollziehen: „Da stimme ich Ihnen zu. Ich arbeite jetzt seit 27 Jahren in Bloherfelde und privat kenne ich das Viertel auch noch länger. Ich mag es hier, mir ist hier noch nie etwas Negatives passiert. Ich mag die Menschen und es ist eigentlich auch ein bisschen wie ein Zuhause hier.
Haben Sie denn aus Ihrer Sicht als Politikerin noch Verbesserungsvorschläge für dieses Viertel?“

Diese letzte Frage beantwortet Christine Wolff wie folgt: „Also grundsätzlich, und das betrifft vielleicht dieses Viertel im Besonderen, steht auf meinen Fahnen, Menschen zusammenzubringen und Begegnungsorte zu schaffen, damit Menschen sich vernetzen und kennenlernen können. Und daher würde ich jede Aktivität unterstützen, die Menschen und insbesondere Frauen aus dem Kennedyviertel mit anderen Gruppen oder mit anderen Frauen, die ähnliche oder auch ganz andere Interessen haben, zu vernetzen. Ich würde gerne die Netze etwas weiter spannen. Das Kennedyviertel gilt gefühlt oft als geschlossener Bereich und das sollte so nicht sein und ich glaube auch, dass das Viertel das nicht ist. Man kann natürlich immer daran arbeiten, dass es mehr Öffnung gibt von innen nach außen, aber natürlich auch von außen nach innen gibt.“

Ina fasst zusammen: „Christine Wolff würde jedes Projekt gerne unterstützen, das nehme ich mal als großartige Schlusswort. Das war ein sehr schönes Gespräch! Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind und wünsche Ihnen alles Gute, was Ihre Politik, aber auch Ihre weiteren Schritte angeht.

Christine Wolff verabschiedet sich: „Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Gespräch und diese lockere Atmosphäre. Ich hoffe, dass ich viele von den Zuhörerinnen - und Sie natürlich auch - bei dem runden Tisch für Frauen wiedersehe.“

Und das war Inas Kaffee-Pott-Cast mit unserer Bürgermeisterin und Ratsfrau Christine Wolff. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder! Ciao ciao, eure Ina.

Es ertönt erneut die fröhliche Gitarrenmusik und das Geräusch von Kaffee, welcher in eine Tasse eingegossen und anschließend mit einem Löffel umgerührt wird; danach hört man, wie der Löffel leicht an der Tasse abgeklopft wird.

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Zuletzt geändert am 25. Mai 2021