Barrierefreie Leseversion „Inas Kaffee-Pott-Cast Folge 5“

Inas Kaffee-Pott-Cast Folge 5

Es ertönt eine fröhliche Gitarrenmusik und das Geräusch von Kaffee, welcher in eine Tasse eingegossen und anschließend mit einem Löffel umgerührt wird.  

Ina Ruschinski begrüßt ihre Hörerinnen und Hörer: „Ein herzliches Willkommen zu Inas Kaffee-Pott-Cast direkt gesendet aus dem Café des Treffpunkts Gemeinwesenarbeit Bloherfelde, ein Ort für Frauen. Mein Name ist Ina und ich habe heute eine ganz besondere Gästin, über die ich mich sehr freue: Tanja ist da! Sie leitet das Projekt „Biber“– ein Bildungs- und Beratungsangebot der VHS in unserem Stadtteil Bloherfelde. Herzlich willkommen, Tanja!“ 
 
Daraufhin erwidert Tanja: „Hallo Ina, vielen Dank für die Einladung, ich freue mich sehr!“ 
 
Als gute Gastgeberin fragte Ina: „Du, sag mal, was wäre Inas Kaffee-Pott-Cast ohne Kaffee? Möchtest du noch einen Schluck Kaffee?“, woraufhin Tanja lachend „Nein, danke.“ antwortet. Um mehr über das Projekt „Biber“ zu erfahren, bittet Ina nun um Informationen: „Dann erzähl uns doch bitte erst einmal, was das Projekt „Biber“ eigentlich ist und was Frauen denn bei dir für Hilfe bekommen können.“ 
 
Tanja beantwortet die Frage: „Sehr gerne. Das Projekt „Biber“ besteht aus vier Angeboten. Drei davon sind extra fürs Lernen, fürs Lesen und Schreibenlernen gedacht. Und zwar lernen wir am Computer zusammen, lernen Texte zu tippen, lernen mit den Programmen, die dazu entwickelt wurden und dann gibt es auch eine Beratung. Sie ist dafür da, den Frauen und den anderen Bewohnern zu helfen, Briefe, Anträge, Formulare auszufüllen und so weiter. Es soll dabei geholfen werden, das ganze bürokratische System zu überwinden und selbstständig ein bisschen besser im Alltag klarzukommen.“ 
 
Ina ergänzt: „Du hast großen Zulauf bei uns im Haus, deine Angebote sind sehr gut genutzt. Du hast auch noch ein wenig Kapazitäten frei oder?“ 
 
Tanja führt weiter aus: „Genau, die Angebote werden sehr gut wahrgenommen, hauptsächlich durch Frauen tatsächlich, weil diese im Bildungssystem benachteiligt sind, weil sie sich hauptsächlich um die Kinder kümmern und dadurch keinen Platz an einem regelmäßigen Kurs wahrnehmen belegen können. Deshalb kommen sie zu mir einmal oder zweimal pro Woche. Ich habe tatsächlich noch Kapazitäten für die anderen Sachen in meinem Leben, aber Projekt „Biber“ ist mein Herzstück, wenn man so sagen kann.“  
 
Neugierig wirft Ina ein: „Die anderen Sachen in deinem Leben! Da möchte ich mal einhaken, weil das ist natürlich sehr spannend. Aber vorweg: Wer sich für das Projekt „Biber“ bei uns interessiert oder an den Angeboten von Tanja teilnehmen möchte, kann auch einen Kontakt über uns hier in der Gemeinwesenarbeit herstellen zu dir. Deine anderen Steckenpferde, ich weiß du engagierst dich in feministischen Projekten, hast das auch schon in Moskau getan. Aber die Frage auch: Wie bist du denn zu der deutschen Sprache gekommen und dazu, sie sogar auch unterrichten zu wollen?“ 
 
Tanja erzählt von ihrer Verbindung zur deutschen Sprache: „Ich habe die deutsche Sprache bereits in der Schule kennengelernt. Ich habe mich für die Sprache als meine zweite Fremdsprache entschieden, weil ich mich in Deutsch sehr stark verliebt habe.“ Tanja lacht kurz, Ina hingegen ist sehr erstaunt: „Oh wie schön!“  
Tanja spricht weiter: „Weil die Sprache sehr weich und zärtlich ist und die Grammatik mir auch sehr logisch vorkommt, wollte ich die Sprache unbedingt mal sprechen. Und dann –logischerweise – habe ich mich für das Studium entschieden an der Uni Moskau, habe dann fünf Jahre Germanistik studiert und bin nun eine diplomierte Dozentin. Deshalb unterrichte ich jetzt in diesen Angeboten und das klappt richtig gut!“ 
 
Ina ist weiterhin erstaunt: „Sehr, sehr spannend! Und das höre ich zum ersten Mal, dass Deutsch eine Sprache ist, die sehr weich klingt und die einfach zu erlernen ist. Ich glaube du hast sie einfach erlernt, wahrscheinlich mit deiner Begabung für Sprache! (Während Ina das sagt, lacht Tanja herzlich). In Moskau hast du auch feministische Projekte mit angeführt beziehungsweise geleitet. Erzähl mal kurz davon!“ 
 
Tanja berichtet weiter: „Genau. In Moskau gibt es eine kleine feministische Community wie überall eigentlich. Das sind Frauen, für die es sehr wichtig ist, für Frauenrechte in Russland zu kämpfen – die natürlich noch weit weg von „perfekt“ sind.“  
Ina hakt nach: „Weiter von „perfekt“ entfernt als jemals zuvor, richtig?“ 
 
Dies bestätigt Tanja: „Ja, das wurde tatsächlich schlimmer durch die politische Situation und durch den Einfluss der orthodoxen Kirche in Russland. Damals haben wir auf jeden Fall Demos, Aktionen und Ausstellungen zum 8. März gemacht und auch andere Projekte in Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Heinrich-Böll-Stiftung oder mit dem Goethe-Institut. Die feministische Szene in Russland hat sehr viel mit der queeren Szene zu tun; teilweise sind das die gleichen AktivistInnen, die sich engagieren. Deshalb habe ich auch in der Szene mitgewirkt, damals schon.“ 
Darüber möchte Ina natürlich noch mehr erfahren: „Du wirkst ja auch in der queeren Szene hier in Oldenburg mit. Oldenburg ist ja auch ein – ja, ein Großstädtchen sag ich mal - mit einem wunderbar schönen, großen CSD, welches sich sehr für Vielfalt einsetzt. Und wie war das für dich, dann nach Oldenburg zu kommen?“ 
 
Tanja sagt darauf: „Ja, das war natürlich sehr schön, auf einmal so viele sichtbare Projekte zu haben, so viele erlaubte (hier schmunzelt Tanja) Aktivitäten angeboten zu bekommen und ziemlich schnell habe ich meinen Platz in dieser Szene in Oldenburg auch gefunden.“  
 
Ina interessiert sich für russische Aktivistinnen: „Hast du denn hier in Oldenburg auch mit russischen Feministinnen zu tun oder gibt es die jetzt hier in Oldenburg gar nicht? Du kannst dort ja auch Vermittlerin sein.“ 
 
Tanja antwortet: „Ein bisschen habe ich tatsächlich auch in dem Bereich organisiert: Und zwar habe ich einen feministischen Kalender aus Russland ins Deutsche übersetzt und ihn unter anderem hier in diesem Treffpunkt und auch beim CSD Mannheim ausgestellt. Ich wurde eingeladen, um ein bisschen über Feminismus in Russland zu erzählen und den Kalender vorzustellen. In Oldenburg gibt es – oder kenne ich zumindest keine – russischsprachigen Feministinnen, aber ich engagiere mich in Bremen in einer Gruppe von queeren Geflüchteten, MigrantInnen und people of color. Da gibt es auch russischsprachige Geflüchtete und MigrantInnen, mit denen zusammen ich diese Brücke nach Russland schlage.“ 
 
Ina ist beeindruckt: „Du machst ziemlich viel auf vielen Ebenen! Lass uns mal über Diversität sprechen: Das das ist ja ein Begriff, der im Moment in aller Munde ist und ich kann mir vorstellen, dass auch viele mit Diversität etwas anderes verbinden, als du oder ich vielleicht oder überhaupt, das ist ja ein sehr weites Feld. Es heißt ja letztendlich nur „Vielfalt“, aber was bedeutet denn Diversität für dich in Bezug auf Frauen?“ 
 
 
Tanja erklärt ihre Interpretation von „Diversität“: „In Bezug auf Frauen bedeutet für mich Vielfalt oder Diversität das Verständnis, dass man alle Frauen nicht mit gleichem Maß messen kann, sozusagen beurteilen oder urteilen kann und dass man in der Frauenarbeit alle Frauen mit einschließen soll; sprich nicht nur cis-Frauen. Eben nicht nur weiße, bürgerliche, deutsche Frauen sondern alle Frauen, die in Deutschland leben.“ 
 
Ina möchte hier weiter vertiefen: „Jetzt hast du gerade cis-Frauen gesagt. Willst du mal eben kurz erklären, was cis-Frauen sind?“ 
 
Tanja erläutert: „Cis-Frauen bedeutet: Frauen die sich mit ihrem zugeschriebenen Geschlecht identifizieren können und damit zufrieden sind. Der Begriff wird alles Gegenteil zu Transfrauen zum Beispiel oder non-binary, nicht-binäre Personen benutzt.“ 
 
Hier schließt sich Ina gleich an: „Also jetzt sind wir schon in der Geschlechteridentitäten-Vielfalt angekommen oder in der Geschlechterdiversität. Das Gendersternchen ist ja etwas, was auch ich in meinem Podcast verwende, um einfach die Vielfalt der Frauen anzusprechen. Auch dort gibt es ja unterschiedliche Interpretationen. Wenn ich hinter meinem Wort „Frauen“ ein Gendersternchen setze, dann möchte ich ja damit signalisieren, dass ich Frauen anspreche, die divers sind, wie wir eben gerade schon auch formuliert haben. Es ist einfach auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass es nicht nur die eine Frauenrolle gibt.“  
Ina möchte noch mehr zu „Biber“ wissen: „Tanja dann kommen wir noch mal zu deiner Arbeit hier bei uns im Hause mit deinem Projekt „Biber“. Stellvertretend für alle Frauen, die am Anfang schon ganz interessiert zugehört haben, noch mal die Frage: Was ganz konkret können sie jetzt bei dir hier an Hilfe finden, an welchen Tagen vielleicht. Erzähl noch mal kurz zum Abschluss.“ 
 
Tanja antwortet: „Ich möchte noch einmal betonen, dass alle herzlich eingeladen sind zu meinen Angeboten: Und zwar geht es um einen Computerkurs am Montagvormittag, wo wir am Computer lernen und mit diversen Programmen das Deutsch ein bisschen verbessern. Dienstags findet das Lese-Sprach-Café statt: Ebenfalls am Vormittag an dem Tag lesen wir Bücher, Texte und sprechen zu den aktuellen, interessantesten Themen, die uns bewegen. Mittwochs findet meine Beratung statt am Nachmittag von 15 Uhr bis 17 Uhr, wo die Frauen mit ihren Briefen, Anträgen und so weiter zu mir kommen können und am Donnerstagvormittag gibt es noch die Lernwerkstatt, wo wir mehr Grammatik und Vokabeln. Die Anmeldung erfolgt im Stadtteiltreff, ihr könnt euch gerne den Flyer abholen und mich kontaktieren.“ 
 
Ina lobt das Angebot: „Das klingt nach einem ganz hervorragenden Angebot, ist es auch, ich kann es ja beobachten und sehe wie hoch der Andrang ist und wie begeistert die Frauen darauf reagieren. Also, ihr lieben Frauen, fühlt euch willkommen für das Projekt von Tanja „Biber“  bei uns im Hause, im Treffpunkt Gemeinwesenarbeit Bloherfelde.  
So und das war's für heute mit unserem Podcast. Vielen Dank liebe Tanja, dass du da warst, dir die Zeit genommen hast und uns ein bisschen von deiner Arbeit erzählt hast und von dir persönlich natürlich auch.“ 
 
Tanja verabschiedet sich „Danke Ina, das hat mich sehr gefreut und bis dann!“ 
 
Ina beendet den Pott-Cast „Dann macht's gut, bleibt gesund und bis bald! Ich hoffe wir hören und sehen uns bald wieder. Ciao ciao, eure Ina.“ 
 
Es ertönt erneut eine fröhliche Gitarrenmusik und das Geräusch von Kaffee, welcher in eine Tasse eingegossen und anschließend mit einem Löffel umgerührt wird.  

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