Pain and Prejudice
Warum Schmerz nicht geschlechtsneutral ist
Schmerz ist in der medizinischen Versorgung noch immer durch ein bio-medizinisches Krankheitsverständnis geprägt, das soziale und kulturelle Einflussfaktoren nur begrenzt berücksichtigt. Schmerzen sind jedoch tief in soziale, kulturelle und geschlechtsspezifische Kontexte eingebettet.
Zahlreiche Studien zeigen, dass Frauen, (B)PoC, Personen mit Migrationshintergrund sowie trans*, inter* und nicht-binäre Personen mit Schmerzen seltener ernst genommen werden, später Diagnosen erhalten und häufiger psychosomatisiert oder inadäquat behandelt werden als cis-männliche Patienten. Schmerz ist damit nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein macht- und diskriminierungsrelevantes Thema.
Warum werden Schmerzen von Frauen häufiger als „emotional“ interpretiert? Weshalb erhalten Männer schneller invasive Diagnostik, während Frauen eher Beruhigungsmittel verschrieben bekommen? Welche Rolle spielen Geschlechternormen, Stereotype und implizite Vorurteile im klinischen Alltag? Und wie wirken sich diese Mechanismen auf Diagnostik, chronische Schmerzverläufe, Therapieadhärenz und Versorgungsungleichheiten aus?
Der Vortrag beleuchtet Schmerz aus einer geschlechter- und diversitätssensiblen Perspektive und zeigt, wie strukturelle Vorannahmen und Bias („prejudice“) die Wahrnehmung, Bewertung und Behandlung von Schmerz systematisch prägen. Ziel ist es, Bewusstsein für Gender Bias in der Schmerzmedizin zu schaffen, zentrale Mechanismen einzuordnen und Ansatzpunkte für eine gerechtere, evidenzbasierte und patient*innenzentrierte Schmerzversorgung aufzuzeigen.
Stefanie Beinert (sie/ihr) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Oldenburg im Bereich Versorgungsforschung. Sie arbeitet am Interreg-Projekt „xPEDition Schmerz“, das sich mit grenzüberschreitenden Ansätzen zur Schmerzprävention beschäftigt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Gender- und Diversitätsthemen im Gesundheitswesen. Sie promoviert zum Thema Gender Pain Gap und wie durch partizipatorische Ansätze Diversity-Perspektiven in der Medizin und Gesundheitswissenschaften gestärkt werden können.
Termin
Mittwoch, 28. Januar 2026, 17 bis 19 Uhr, BIS Saal Universität Oldenburg, Uhlhornsweg 49-55
Der Vortrag wird auch online übertragen »
Fortbildungspunkte bei der Landesärztekammer Niedersachsen sind beantragt.
Weitere Informationen
Geschlechtersensible Medizin ist für eine moderne und inklusive Medizin unumgänglich und dennoch wird sie leider kaum gelehrt. Deswegen haben die Kritischen Mediziner:innen die Initiative ergriffen, um genau diesen Themen eine Plattform zu schaffen und organisieren die bereits laufende Vortragsreihe zu geschlechtersensibler Medizin ».
Webseite der Fakultät VI – Medizin und Gesundheitswissenschaften »
Die Kritischen Medizinerinnen auf Instagram: @kritmeds.ol
Fragen zur Vortragsreihe an die Kritischen Medizinerinnen per E-Mail an vortragsreihe.geschlechtersensible.medizin[at]uni-oldenburg.de
Die Veranstaltungsreihe wird ermöglicht mit Unterstützung von:
Gender and Diversity Management der Fakultät VI, Department Humanmedizin, FemRef der Uni Oldenburg, Schlaues Haus Oldenburg, Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg, Marburger Bund Niedersachsen
Zuletzt geändert am 15. Januar 2026
