So soll der Stadion-Neubau aussehen

Modern, multifunktional und atmosphärisch dicht

Neue „Hölle des Nordens“: Stadt stellt Entwurf vor

Der Stadion-Neubau in Oldenburg erreicht die nächste wichtige Etappe: Das europaweite Vergabeverfahren ist abgeschlossen. Der Gesellschafterversammlung der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG wurde der Entwurfsvorschlag, der die strengen Anforderungen am besten erfüllt, am Donnerstag, 7. Mai 2026, vorgestellt. Die Zustimmung der Versammlung zur Vergabe an einen Totalunternehmer soll am Dienstag, 19. Mai 2026, eingeholt werden. Der Rat der Stadt Oldenburg soll den Vergabebeschluss in seiner Sitzung am Montag, 1. Juni 2026, final fassen.

„Mit dem erfolgreichen Abschluss des Vergabeverfahrens haben wir einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem modernen Top-Stadion für Oldenburg geschafft. Mit vergleichbar schmalem Budget kann eine Arena mit besonderem Charakter entstehen, die architektonisch überzeugt und gleichzeitig multifunktional ist. Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt – wir müssen nur noch verwandeln. Dieses Projekt ist eine wichtige Investition in die Zukunft unserer Stadt – sportlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.

Auch Stefan Orth, Geschäftsführer der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG, ist begeistert von dem Entwurfsvorschlag: „Wir bekommen hier ein hochwertiges Stadion, das für die nächsten Jahrzehnte Maßstäbe setzt. Hier entsteht kein Stadion von der Stange, sondern eine vielfältig nutzbare Arena mit unverwechselbarer Identität. Durch das rundum geschlossene Dach, die vier eng am Spielfeld liegenden Ein-Rang-Tribünen und den hohen Stehplatzanteil im Stadion bieten wir beste Voraussetzungen für Hexenkessel-Atmosphäre und fantastische Stimmung. Wir schaffen hier die neue Hölle von Donnerschwee“, sagt Orth mit Blick auf das legendäre Donnerschwee-Stadion, das bis 1991 als Heimspielstätte des VfB Oldenburg fungierte und als „Hölle des Nordens“ bekannt war.

Bei einem Pressetermin wurden am Freitag, 8. Mai 2026, erstmals Visualisierungen des künftigen Stadions präsentiert. Sie geben einen Eindruck davon, wie die neue Arena aussehen und funktionieren wird – von den Rängen bis zur Infrastruktur. Der Name des Unternehmens, das den Zuschlag erhalten soll, kann aufgrund vergaberechtlicher Vorgaben derzeit noch nicht veröffentlicht werden. 

Kapazität und Kosten

Geplant ist laut Entwurf ein Stadion mit einer Kapazität von 10.604 Zuschauerinnen und Zuschauern. Vorgesehen sind 6.195 Sitzplätze und 4.409 Stehplätze. Bei Bedarf kann das Fassungsvermögen auf bis zu 15.000 Plätze erweitert werden, die sich auf rund 8.700 Sitz- und 6.300 Stehplätze aufteilen. Damit wird sowohl aktuellen Anforderungen als auch möglichen sportlichen Entwicklungen Rechnung getragen. Die im Jahr 2024 erstellte Investitionskostenberechnung hatte für die Variante mit 10.000 Plätzen rund 50,4 Millionen Euro angesetzt. Die Umsetzung des aus dem Vergabeverfahren hervorgegangenen Bestangebots ist mit einer Auftragssumme in Höhe von 57,3 Millionen Euro kalkuliert. Die Steigerung hält Orth unter den gegebenen Umständen, die mit einer erheblichen Verteuerung der Baukosten einhergehen, für vertretbar: „Wir werden das bestmögliche Stadion unter diesen Rahmenbedingungen erhalten, das am Ende in seiner Wertigkeit deutlich über dem vereinbarten Preis liegen wird. Wenn der Rat am Montag, 1. Juni 2026, grünes Licht gibt, werden wir in den kommenden Monaten die Planungen gemeinsam mit dem Totalunternehmer weiter konkretisieren und bauantragsreif machen“, kündigt der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft an.

Gestaltungskonzept: Markante Struktur und Eleganz

Einheitliche Höhen, eine umlaufende Dachkante und Sichtbetonsockel prägen in dem Entwurf das Gesamtbild des künftigen Stadions. Das Stadion soll eine markante Achteck-Struktur erhalten. Die vier verglasten Außenbereiche in den Übergängen zu den vier Tribünenseiten sind geschlossen und erzeugen durch die transparente Gestaltung eine besondere Lichtwirkung. Es eröffnen sich diagonale Sichtachsen, die von außen Einblicke ins Stadioninnere ermöglichen. Zudem sorgen die geschlossenen Ecken für effektiven Schallschutz. Zwei Videotafeln sind in der Nordost-Ecke und in der Südwest-Ecke jeweils direkt unter dem Dach hängend vorgesehen.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Westtribüne und Hauptgebäude, das der Tribüne vorgebaut und perfekt in die Stadionfassade integriert ist. Im Hauptgebäude befinden sich unter anderem Umkleidekabinen, Räume für Fitness und Physiotherapie, Medienzentrum, Mixed-Zone und weitere Funktionsräume. In dem Komplex enthalten sind auch die Gastronomie und der Hospitality-Bereich mit Logen und Business-Plätzen. Die vertikal gegliederte Fassade mit hohem Fensteranteil und eine schwebende Holzdachkonstruktion sorgen für Eleganz. Wertige Materialien wie Holz und Beton in warmen Sand- und Backsteintönen harmonieren mit Metallakzenten. Das Ergebnis ist eine zukunftsfähige, langlebige Spielstätte mit hohem Wiedererkennungswert.

Rund 3.800 Stehplätze für Heimfans

Der Stadionstandort liegt in unmittelbarer Nähe von Bahnhof und ZOB. Das Stadion wird über einen großzügigen Boulevard von der Maastrichter Straße in den Stadtraum eingebunden. Der Boulevard ist die Hauptzuwegung zum Eingang Nord-West. Auf der Nordtribüne können die Heimfans auf 3.809 Stehplätzen für akustische Wucht sorgen und ihrer Mannschaft hinter dem Tor den Rücken stärken. Die Westtribüne enthält jeweils 672 Sitzplätze im Nord- und Südbereich. Zentral befinden sich im ersten Stock der Businessclub mit 512 Plätzen sowie im zweiten Stock eine Eventlounge mit 120 Plätzen sowie acht Logen mit jeweils 12 Plätzen. Auf der Gegengerade im Sektor Ost sind 2.587 Sitzplätze angeordnet. Der mit separatem Eingang ausgestattete Gästebereich befindet sich auf der Südtribüne und umfasst 503 Stehplätze. Daran schließt sich ein mit 1.558 Sitzplätzen ausgestatteter Heim-/Gastbereich an.

Im Osten sorgt ein Lärmschutzwall für Abgrenzung zu den Berufsbildenden Schulen und zur Wohnbebauung. Im Süden des Stadiongeländes befinden sich Stellplätze für Gästebusse sowie der so genannte TV-Compound mit Übertragungs- und Produktionsfahrzeugen und Betriebsgebäude. Im Westen ist ein nach den Vorgaben des Bebauungsplanes mit 70 Bäumen bepflanzter Parkplatz vorgesehen, der 347 Stellplätze bietet. Auf dem Stadiongelände sind 1.665 Fahrradstellplätze geplant. 

Ein Stadion für alle

Sämtliche Bereiche im Stadion sind für alle Besuchenden barrierefrei erreichbar. Es werden knapp 100 Plätze für Rollstuhlfahrende vorgehalten. Bei den sanitären Anlagen ist auch eine „Toilette für alle“ in der Planung berücksichtigt. Acht stationäre, vier mobile Kioske und sechs Foodtrucks sorgen für das Wohl der Zuschauerinnen und Zuschauer. Je Kiosk gibt es eine barrierefreie Theke.

Nachhaltig und zukunftsorientiert

Auch in energetischer Hinsicht setzt das Projekt Maßstäbe: Auf den Dächern der Tribünen sind großflächige Photovoltaikanlagen vorgesehen, die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung des Stadions leisten sollen. Damit und unter Einsatz von Wärmepumpen wird das neue Stadion nicht nur sportlich, sondern auch klimaneutral und energiewirtschaftlich zukunftsweisend aufgestellt. Retentionsdächer mit insektenfreundlicher Begrünung steigern zusätzlich die Nachhaltigkeit.

Warum ein neues Stadion?

Der Neubau ist aus Sicht der Stadt notwendig, da das seit 1951 bestehende Marschwegstadion sowohl baulich als auch infrastrukturell an seine Grenzen stößt. Immissionsschutz- und baurechtliche Anforderungen lassen eine für den Profifußball notwendige Lizensierung des Stadions nicht zu. Darüber hinaus fehlen die Flächen für die Schaffung notwendiger Stellplätze. Standards moderner Stadioninfrastruktur – etwa in den Bereichen Sicherheit, Medien, Hospitality und Barrierefreiheit – lassen sich dort nur noch mit erheblichem Aufwand oder gar nicht mehr umsetzen. Das neue Stadion soll diese Defizite beheben und zugleich Perspektiven eröffnen: Als multifunktionale Arena für Profifußball, weitere Sportveranstaltungen und Events. Ziel ist es, die Attraktivität des Standorts Oldenburg zu stärken und zusätzliche Wertschöpfung zu generieren. 

Mehr als „nur“ Fußball

Die Planungen sind daher auch auf weitere Nutzungen ausgelegt, etwa für American Football, Kleinfeldsport, Motocross- oder BMX-Veranstaltungen, Reitturniere oder Konzerte. Für Konzerte ermöglicht die Inanspruchnahme des Innenraums eine Kapazität von rund 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. „Das ist eine attraktive Größenordnung für Veranstalter“, weiß Stefan Orth, dem bereits erste Anfragen vorliegen.

Langer Weg zum konkreten Projekt

Mit dem Grundsatzbeschluss am 15. April 2024 hatte der Rat der Stadt Oldenburg grünes Licht für den Stadion-Neubau an der Maastrichter Straße gegeben. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen über Investitionskosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen sowie weiterer Fachgutachten zu Verkehr, Lärmschutz, Klimaschutz und Entwässerung. Den Beschluss, die Verwaltung mit der Erstellung dieser Konzepte zu beauftragen, hatte der Rat am 27. Februar 2023 gefasst. Eine Standortpotenzialanalyse sowie eine Machbarkeitsstudie für das Projekt an der Maastrichter Straße waren bereits 2014 beziehungsweise 2017 erstellt worden. Die Bauleitplanung für den Stadionstandort ist inzwischen abgeschlossen – mit den dazu am 13. April 2026 gefassten Ratsbeschlüssen wurde ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zur Umsetzung erreicht. 

Europäische Abstimmung

Die Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, verantwortet das Projekt – von der Steuerung der Bauphase bis hin zum späteren Betrieb und zur Vermarktung. Parallel zur Planung wurde die Abstimmung des Vorhabens im Rahmen einer Prä-Notifizierung frühzeitig mit der Europäischen Kommission gestartet, um beihilferechtliche Fragen zu klären und Planungssicherheit zu schaffen. Eine abschließende Rückmeldung der Europäischen Kommission steht noch aus.

Baubeginn 2027

Nach der politischen Beschlussfassung soll die Detailplanung weiter vorangetrieben werden. Der Startschuss für vorbereitende Arbeiten auf dem Gelände soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der Beginn des Stadionbaus ist für Donnerstag, 1. Juli 2027, vorgesehen, die Fertigstellung wird für Ende 2028/Anfang 2029 angestrebt. 

Zuletzt geändert am 8. Mai 2026