Oldenburger Integrationspreis
Vielfalt, Engagement und starke Impulse – Auszeichnung für drei Projekte
Verleihung des 16. Oldenburger Integrationspreises
Es ist entschieden: Am Freitag, 27. März 2026, fand die Verleihung des 16. Oldenburger Integrationspreises im Rahmen der ersten Oldenburger Wochen gegen Rassismus in der Kulturetage statt. Ausgezeichnet wurden die bundesweite Online-Beratungsstelle für Geflüchtete von dem Verein Pena.ger, das Theaterprojekt „Digga denk mal nach – Rassismus keine Chance geben“ vom Begegnungszentrum KAISER 19 des Deutschen Roten Kreuzes und der Workshop „Meine Stimme zählt“ für politische Teilhabe neuer Eingebürgerter in Deutschland von Bayan Anouz. Dieses Jahr haben die Preisträgerinnen und Preisträger neben einer Urkunde und einem Preisgeld von jeweils 2.000 Euro auch ein Bild des Künstlers Wenzel Szepanski erhalten. Er hat sich von den Inhalten der ausgezeichneten Projekte inspirieren lassen und kombinierte geometrische, wie auch fließende Elemente in seine Bilder.
Sozialdezernent Jan Bembennek betonte in seinem Grußwort: „Gerade in Zeiten, in denen auch in Oldenburg gesellschaftliche Debatten oft polarisiert geführt und benachteiligte Menschen stigmatisiert werden, senden wir mit diesem Preis ein klares Signal.“ Weiter führte er aus: „Zusammenhalt ist stärker als Ausgrenzung. Solidarität ist stärker als Hass. Menschlichkeit ist stärker als Angst. Unsere Stadt steht für Respekt, für Menschenwürde und für demokratische Werte.“ Anschließend zeichnete der Dezernent für Soziales, Jugend und Gesundheit gemeinsam mit dem Leiter des Amtes für Zuwanderung und Integration, Daniel Stellmann, sowie der Integrationsbeauftragten der Stadt, Aliz Müller, Projekte und Menschen aus Oldenburg aus.
Integrationsarbeit in Oldenburg
Integrationsarbeit betrifft essenzielle Lebensbereiche, wie Bildung, Arbeit, Wohnen, Sprache, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Um all diese Bereiche berücksichtigen, fördern und miteinander verbinden zu können, gibt es unterschiedliche Koordinierungsstellen, Beratungsangebote sowie Netzwerke zwischen Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Schulen und Wirtschaft. Ehrenamtliche begleiten (Neu-)Zugewanderte bei den ersten Schritten in einer ihnen unbekannten Umgebung. Sie organisieren Sprachcafés, Hausaufgabenhilfen und Begegnungsprojekte. Sie helfen bei Behördengängen, erklären unser Bildungssystem, unterstützen bei der Ausbildungs- oder Wohnungssuche. Sie schaffen Räume, in denen Begegnung auf Augenhöhe möglich wird. Sie schaffen Räume, wo aus Fremden Freunde werden können.
Und das sind die drei Gewinnerprojekte des Oldenburger Integrationspreises 2025:
Verein Pena.ger – bundesweite Online-Beratungsstelle für Geflüchtete
Der Verein Pena.ger wurde nach dem Tod des jungen kurdischen Geflüchteten, Hogir Alay im Dezember 2023 gegründet. Hogir Alay wurde in seiner Not allein gelassen. Um das künftig zu verhindern, steht Pena.ger als eine bundesweite Beratungsstelle Geflüchteten zur Seite – online, vertraulich, anonym und solidarisch. Die Beratung erstreckt sich von asylrechtlichen Fragestellungen und sozialen Belangen bis hin zur Vermittlung von rechtlichem Beistand. Die vertrauliche, niederschwellige und mehrsprachige Beratung ermöglicht für mehrfach marginalisierte Geflüchtete eine individuelle Unterstützung. Pena.ger ist ehrenamtlich organisiert und wird von ehrenamtlichen Beraterinnen und Beratern sowie Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern unterstützt. Die Jury lobte die außerordentliche ehrenamtliche Leistung des Vereins, mit der sie Menschen, die in unterschiedlichen Hilfssystemen Benachteiligung erfahren, in Not und schwierigen Lebenslagen unterstützt und begleitet. Damit schließt der Verein eine Lücke im System, schafft Vertrauen und reduziert die Isolation der Menschen. Auf diese Weise ist der Verein eine erste Brücke für eine gerechte Gesellschaft.
Theaterprojekt: „Digga denk mal nach – Rassismus keine Chance geben“ – DRK Begegnungszentrum KAISER 19
Auf den Schildern steht „institutioneller Rassismus“; „Antimuslimischer Rassismus“; „Rassismus gegen Sinti und Rom*nja“; „Sexismus“ – Auf der Bühne: Geschichten über Abwertung, Erniedrigung, Geschichten über Ohnmacht und Gewalt. Das sind die Erlebnisse der Jugendlichen der Oberschule Alexanderstraße und der Integrierten Gesamtschule Flötenteich in Form eines Forum-Theaters. Die Szenen zeigen Sequenzen aus dem Schulalltag und aus dem Leben der Jugendlichen mit der Warnung an uns alle: „Digga, denk mal nach!“ So lautet der Titel des Antirassismus-Theaterprojektes, das die Schulen mit einem Theaterpädagogen, einer Antirassismusexpertin und einer Bundesfreiwilligen des Deutschen Roten Kreuzes in einem interaktiven Setting mit Hilfe von Awarenesstraining und Empowerment entwickelten. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus sollten die beteiligten Kinder und Jugendlichen in ihrer Haltung gestärkt und andere über die ungleichen Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft aufgeklärt werden. Letztendlich sind es auch Geschichten des Mutes, des Widerstandes, des Respektes und der Solidarität.
Workshop: „Meine Stimme zählt“ – ein Workshop für politische Teilhabe neu Eingebürgerter in Deutschland
Was bedeutet es eigentlich, mitbestimmen zu dürfen? Wie funktioniert politische Teilhabe konkret? Und wie kann man sich selbstbestimmt im deutschen System bewegen? Diesen Fragen widmete sich das Workshop-Projekt von Bayan Anouz. Im Kontext der Bundestagswahl entstand die Idee, einen Workshop explizit für neu eingebürgerte Erstwählerinnen und Erstwähler zu entwickeln und durchzuführen. Viele eingebürgerte Menschen in Deutschland leben in marginalisierten und diskriminierenden Strukturen. Obwohl sie rechtlich dazu befähigt sind, sich politisch zu beteiligen und an den Wahlen teilzunehmen, fehlt es ihnen oft an den notwendigen Informationen und Ressourcen, um dieses Recht auch wahrzunehmen. Dies führt dazu, dass ein bedeutendes demokratisches Potenzial ungenutzt bleibt und die politische Repräsentation beeinträchtigt wird. Das Projekt „Meine Stimme zählt“ setzt hier an und klärt über das Wahlsystem auf, bietet praktische Anleitung zu den Wahlen und hilft dabei, die eigene Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung zu stärken.
Über den Integrationspreis und die Jury
Für das vergangene Jahr wurden zehn Bewerbungen und 16 Nominierungen eingereicht. Alle eingereichten Bewerbungen und Nominierungen sind für sich einzigartig – hinter ihnen steht ein hohes Maß an Engagement und sozialem Bewusstsein, was sie auf ihre ganz eigene und individuelle Weise besonders macht. Die Auswahl der Preistragenden erfolgt jedes Jahr durch eine unabhängige Jury, bestehend aus Vertretenden von Oldenburger Vereinen, Institutionen, Organisationen sowie aus der Zivilgesellschaft. Die Mitglieder der diesjährigen Jury widmeten jedem einzelnen Beitrag ihre volle Aufmerksamkeit und wählten nach einem zwar langen, aber sehr interessanten und intensiven Austausch die drei Preistragenden für den Integrationspreis 2025 aus. Vorsitzender der Jury war Sozialdezernent Jan Bembennek. Weitere Mitglieder waren Nadiya Lishnyanska, Mareen Rocca, Labeeb Al Chammas, Sara Paßquali, Dario Fossi, Constanze Maghraoui, Susanne Möller und Niko Meier.
Kontakt
Sollten Sie Rückfragen zur Preisverleihung oder zur Auswahl der Gewinnerinnen und Gewinner haben, kontaktieren Sie uns gerne unter der E-Mail-Adresse integration[at]stadt-oldenburg.de oder der Telefonnummer 0441 235-4123.
Zuletzt geändert am 31. März 2026
