Rat verwandelt Stadion-Vorlage: Hellmich baut neue Arena

Entscheidung löst lautstarken Jubel aus

Unternehmensgruppe aus Dinslaken erhält Zuschlag

Nun steht es fest: Die Baugesellschaft Walter Hellmich mbH aus Dinslaken wird in Oldenburg das neue Stadion an der Maastrichter Straße bauen. Der Rat der Stadt Oldenburg hat am 1. Juni 2026 nach rund zweistündiger Debatte der Vergabe an den Totalunternehmer zugestimmt. Damit folgte der Rat dem am 19. Mai 2026 von der Gesellschafterversammlung der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG gefassten Beschluss, Hellmich den Zuschlag für den Stadion-Neubau zum Pauschalfestpreis in Höhe von 57,3 Millionen Euro (zuzüglich Baunebenkosten in Höhe von 2,36 Millionen Euro) zu geben. Die Unternehmensgruppe aus Nordrhein-Westfalen hatte in einem mehrstufigen, europaweiten Vergabeverfahren das wirtschaftlichste Angebot eingereicht. 

Mit 29 zu 18 Stimmen bei zwei Enthaltungen votierte der Rat für die Vergabe. Als Ratsvorsitzender Tim Ebbeke Harms um 21.09 Uhr das Ergebnis der Abstimmung verkündete, brach in der mit rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauern gefüllten Aula der Cäcilienschule lautstarker Jubel aus. Die zahlreichen Fans des VfB Oldenburg sorgten nach der Entscheidung mit Gesängen und Bannern für Stadion-Atmosphäre. „Oh, wie ist das schön. Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht geseh‘n, so schön, so schön", hallte es durch die Aula. Für den Beschluss stimmten Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, die Fraktionen von SPD, CDU und BSW sowie FDP, Volt und AfD. Dagegen waren die Grünen sowie die Gruppe Für Oldenburg. Zwei Ratsmitglieder der CDU enthielten sich.

Stimmen zur Vergabeentscheidung

  • Oberbürgermeister Jürgen Krogmann: „Nach Jahren intensiver Vorbereitung und Planung sind wir endlich am Ziel: Oldenburg bekommt sein Stadion. Es wird höchste Zeit – und ich freue mich darauf. Das ist ein historischer Tag für unsere Stadt und ein starkes Signal für die sportliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Oldenburgs. Ich danke allen Beteiligten, die dieses anspruchsvolle Projekt vorangebracht haben. Ich hoffe, dass mit dieser demokratisch getroffenen Entscheidung nun auch wieder mehr Ruhe einkehrt und wir den Blick gemeinsam nach vorne richten können. Das Stadion sollte uns nicht länger trennen, sondern künftig als Ort der Begegnung und des Miteinanders verbinden.“
  • Alleingesellschafter Walter Hellmich: „Wir bedanken uns für das Vertrauen, dieses bedeutende Projekt für die Stadt Oldenburg und die Stadiongesellschaft realisieren zu dürfen. Stadien sind Orte der Begegnung, der Emotionen und der Identifikation – und genau einen solchen Ort wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten schaffen. Wir freuen uns darauf, unsere langjährige Erfahrung im Sportstättenbau einzubringen und in Oldenburg ein modernes, nachhaltiges und architektonisch markantes Stadion zu errichten.“
  • Stefan Orth, Geschäftsführer der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG: „Das Vergabeverfahren war intensiv und anspruchsvoll. Umso mehr freuen wir uns, mit Walter Hellmich einen erfahrenen und leistungsstarken Partner gefunden zu haben, der sowohl wirtschaftlich als auch konzeptionell überzeugt hat. Ich bin froh, dass das Projekt nun in die konkrete Umsetzung gehen kann.“

Rat stimmt Ausfallbürgschaft zu

Die Finanzierung des Stadion-Neubaus erfolgt durch einen Eigenkapitalzuschuss und die Aufnahme von Bankkrediten. Den Eigenkapitalzuschuss in Höhe von 15 Millionen Euro an die Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG hatte der Rat bereits am 28. Oktober 2024 beschlossen. Dass die von der Stadiongesellschaft aufzunehmenden Darlehen durch 100-prozentige Ausfallbürgschaften der Stadt sowie durch gegebenenfalls abzugebende Patronatserklärungen abgesichert werden, beschloss der Rat nun in seiner Sitzung am Montag ebenfalls mehrheitlich. Eine Patronatserklärung kann sinnvoll sein, um bestmögliche Kreditkonditionen zu erzielen. 

Grundstücksübertragung beschlossen

Außerdem beschloss der Rat mehrheitlich, die für den Stadion-Neubau benötigten Grundstücke an der Maastrichter Straße auf die Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG zu übertragen. Dabei handelt es sich um ein circa 42.000 Quadratmeter großes Areal, das der Stadt Oldenburg gehört, und um ein circa 26.000 Quadratmeter großes Grundstück, das sich bisher im Eigentum der Weser-Ems Halle Oldenburg GmbH & Co. KG befindet. Auf Änderungsantrag der SPD-Fraktion wurde im Ratsbeschluss klargestellt, dass bis zu Beginn der Hochbauarbeiten für das Stadion die Einnahmen aus der Nutzung der Parkflächen weiterhin der Weser-Ems Halle zustehen.

Zwei Ausstiegsszenarien

Der Vertrag mit dem Totalunternehmer sieht vor, dass eine Anpassung des Pauschalfestpreises erst ab einer jährlichen Baupreisindex-Steigerung von mehr als drei Prozent möglich ist. Sollte es dazu kommen, trägt die Stadiongesellschaft als Auftraggeberin lediglich für die 70 Prozent des Pauschalfestpreises, die auf den Materialanteil entfallen, die zusätzlichen über die dreiprozentige Steigerung hinausgehenden Kosten. Zudem enthält der Vertrag zwei Ausstiegsszenarien: Sollte die Kommunalaufsicht die städtische Bürgschaft beanstanden, gibt es ein Sonderkündigungsrecht für die Stadiongesellschaft. Für den Fall, dass die Europäische Kommission keine Genehmigung für die von der Stadt Oldenburg zugunsten der Stadiongesellschaft geplanten Beihilfen erteilt, enthält der Vertrag eine „auflösende Bedingung“. Sowohl der positive Ausgang dieses Notifizierungsverfahrens als auch eine positive Rückmeldung der Kommunalaufsicht zur Bürgschaft sieht der Rat als Bedingung für die Umsetzung des Vertrages an – dieser Passus wurde als Bestandteil des Vergabebeschlusses festgehalten.

HPP Architekten gestalten Entwurf

Der dem Hellmich-Angebot zugrundeliegende Entwurf wurde vom renommierten Büro HPP Architekten gestaltet, zu deren Projekten der Stadion-Neubau in Freiburg sowie der Umbau des Holstein-Stadions in Kiel zählt. Das neue Stadion in Oldenburg wird 10.604 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Vorgesehen sind 4.312 Stehplätze, 5.489 Sitzplätze, 512 Plätze im Business-Club, 192 Logenplätze und 99 Rollstuhlplätze. Optional kann das Fassungsvermögen auf 15.000 Plätze erweitert werden. Markante Gestaltungselemente sind eine Achteck-Struktur und das in die Außenfassade integrierte Hauptgebäude. Das umlaufende Dach sorgt für ein in sich geschlossenes Stadion. Das Dachtragwerk aus Holz verleiht dem Bauwerk eine eigenständige Identität. Durch die transparenten Stadionecken entsteht ein Stadion zum Reinschauen – auch im Alltag. Architekt Antonino Vultaggio beschrieb das Stadion vor zwei Wochen in einer Informationsveranstaltung für den Rat so: „Ein Ort für Menschen und Momente, ein Ort der Leidenschaft und Begeisterung, ein Ort der Kommunikation und Zukunft“. Vultaggio: „Hier wird ein Stadion gebaut, mit dem sich Menschen auch noch in 40 bis 50 Jahren identifizieren können.“ 

Über die Baugesellschaft Walter Hellmich

Als Totalunternehmer ist Hellmich sowohl für die Planung als auch für die Umsetzung des Projekts zuständig. Die Baugesellschaft verfügt über jahrelange Erfahrung im Sportstättenbau und war unter anderem an der Realisierung der Schalker Arena in Gelsenkirchen beteiligt und hat die Stadien des MSV Duisburg, des FC Ingolstadt 04, von Legia Warschau sowie den Aachener Tivoli erstellt. Der Umbau des Millerntor-Stadions des FC St. Pauli zählt ebenfalls zu den Referenzen. Zuletzt errichtete die Dinslakener Unternehmensgruppe das Lohrheidestadion als Leichtathletik- und Fußballstadion in Bochum-Wattenscheid. Auch den Stadionumbau in Münster hat Hellmich übernommen.

Wie geht es weiter?

Der Vertrag mit der Baugesellschaft Hellmich soll in Kürze abgeschlossen werden. Der Startschuss für vorbereitende Arbeiten auf dem Gelände soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der Beginn des Stadionbaus ist für den 1. Juli 2027 vorgesehen, die Fertigstellung wird für Ende 2028/Anfang 2029 angestrebt.

Weitere Informationen

Alle Informationen zum Thema Stadion-Neubau ».

Zuletzt geändert am 2. Juni 2026