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CHANCEN 1/26
Durch den Wandel lotsen
Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit nachhaltigem Wirtschaften. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg unterstützt sie dabei mit einer Vielzahl an Instrumenten.
Noch ist die Fläche leer – „aber nicht mehr lange“, betont Stefan Fölsch, technischer Leiter bei der GSG Oldenburg. Auf dem Fliegerhorst errichtet die Wohnbaugesellschaft nach dem Urban-Mining-Konzept ein Mehrfamilienhaus mit 37 Wohneinheiten und einer Gewerbefläche. Verbaut werden auch Ziegelsteine, die bereits ein erstes Leben hinter sich haben. „Das ist eine sehr nachhaltige Bauweise, zumal wir die Steine aus der Nachbarschaft bekommen.“ Das Vorhaben setzt die GSG in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung und im Rahmen des von der Metropolregion geförderten Projekts „Reallabor Urban Mining“ um.
Urban Mining steht für einen gravierenden Perspektivwechsel: Die Stadt wird nicht nur als Verbraucher von Ressourcen verstanden, sondern als Rohstoffquelle. Ina Lehnert-Jenisch von der Wirtschaftsförderung, unter anderem zuständig für das Thema Kreislaufwirtschaft, erklärt die Idee hinter dem Projekt: „Städte sind riesige Rohstofflager. In Gebäuden stecken Baustoffe, die sich nach ihrer ersten Nutzung erneut verwerten lassen. Zum Beispiel Ziegelsteine, Beton, Holz und Bauteile wie Türen oder Fliesen.“
Die Wirtschaftsförderung hat die GSG in einem intensiven Austausch auf das Projekt der Metropolregion Nordwest hingewiesen. „Im Straßenbau ist das ein etablierter Prozess seit vielen Jahren“, sagt Stefan Fölsch. „Unsere Branche tastet sich jetzt langsam an diese Bauweise heran.“ Klimaschutz, Nachhaltigkeit und damit auch die Nutzung der sogenannten grauen Energie, also dem Umgang mit dem Gebäudebestand, entsprechen dem Geschäftsmodell der Wohnungswirtschaft und liegen dem Unternehmen besonders am Herzen. „Wir wollen da vorangehen und Maßstäbe setzen.“
Fokus auf Nachhaltigkeit
Die Weitergabe von Informationen zum nachhaltigen Bauen und Sanieren zählt seit rund zwei Jahren zu den Angeboten im Fachdienst Regionalentwicklung der Wirtschaftsförderung. Auslöser waren einerseits steigende Anfragen von Unternehmen, andererseits das Netzwerk bau-circle, Bündnis für kreislaufgerechtes Bauen in der Metropolregion.
„Nachhaltiges Wirtschaften spielt für immer mehr Unternehmen eine zentrale Rolle“, erklärt Fachdienstleiter Roland Hentschel. „Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Fragen der Ressourcennutzung, der Energieeffizienz oder neuer Geschäftsmodelle in der Kreislaufwirtschaft. Als Wirtschaftsförderung sehen wir es als unsere Aufgabe an, Unternehmen dabei zu unterstützen, sich in diesem Themenfeld zu orientieren und Chancen zu nutzen.“
Ein weiteres Beispiel für die Aktivitäten ist die erstmalige Ausschreibung des Klimapreises „klip“, der Unternehmen auszeichnet, die mit innovativen Ideen und Projekten zum Klimaschutz und zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Der Preis soll Projekte der lokalen Wirtschaft sichtbar machen und andere Betriebe ermutigen, ebenfalls neue Wege zu gehen.
Ein Siegel für mehr Vertrauen
Ein Instrument, mit dem Unternehmen ihr Engagement für nachhaltiges Wirtschaften verdeutlichen können, ist das sogenannte EcoZert der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Die Zertifizierung bewertet Firmen nach Kriterien aus den Bereichen Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. „Wer das Siegel erhalten möchte, muss nachweisen, dass nachhaltige Aspekte in der Unternehmensstrategie und im täglichen Geschäft eine Rolle spielen“, erläutert Frank Firneisen, Vertriebsleiter bei der Creditreform Oldenburg Bolte KG.
Bei Unternehmen aus der Stadt Oldenburg trägt die Wirtschaftsförderung 50 Prozent der Zertifizierungskosten. Nachweise werden vermehrt von Banken, Geschäftspartnern und Auftraggebern erwartet. Durch die Dokumentation des Engagements für Umwelt- und Klimaschutz kann das Siegel helfen, Vertrauen zu schaffen und die eigene Position im Wettbewerb zu stärken.
In einer Kooperation mit dem von der Wirtschaftsförderung initiierten Klimapakt profitieren teilnehmende Unternehmen zudem davon, dass Creditreform die digitale Plattform zur Erhebung und Auswertung von ESG-Daten, also zur Bewertung der Nachhaltigkeit, kostenfrei zur Verfügung stellt. „Wir freuen uns sehr über diese Kooperation“, sagt Christian Haupt-Lengert von der Wirtschaftsförderung. Sie sei ein weiterer Baustein, um Unternehmen für den Klimapakt zu gewinnen.
Auf fruchtbarem Boden
Am Eingang zum Gewerbegebiet Tweelbäke hat die Floragard Vertriebs-GmbH ihren Sitz. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt seit 1919 in über 100 Ländern Blumenerden und Kultursubstrate für den Erwerbs- und Hobbygartenbau. Aktuell wird das komplette Firmenzentrale energetisch saniert. „Wir investieren rund zwei Millionen Euro in die Maßnahmen“, rechnet Geschäftsführer Ulrich von Glahn zusammen.
Im Vorfeld hat er sich mit Christian Haupt-Lengert und Enver Mujanovic von der Wirtschaftsförderung zusammengesetzt und sich nach Fördermöglichkeiten für den Einbau eines Kühlheizsystems, von Wärmepumpen und einer Photovoltaikanlage auf dem Dach erkundigt. „Solch ein Projekt ist technisch anspruchsvoll und finanziell eine Herausforderung“, sagt von Glahn. „Deshalb war es für uns wichtig zu wissen, wer eventuell Gelder zur Verfügung stellt und wie man sie sinnvoll nutzen kann.“
„Genau hier setzt unsere Arbeit an“, bestätigt Haupt-Lengert. Er weiß: „Viele Unternehmen haben gute Ideen, kennen aber die geeigneten Förderprogramme nicht im Detail oder stehen bei der Beantragung vor Herausforderungen. Wir unterstützen dabei, den Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu bekommen und bringen die Betriebe mit den richtigen Ansprechpartnern zusammen.“ Im konkreten Fall fanden sich diese bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die staatliche Förderbank unterstützt mit ihrem Programm „Heizungsförderung für Unternehmen“ Investitionen in klimafreundliche Heizsysteme in bestehenden Betriebsgebäuden. Je nach Projekt können dabei Zuschüsse von bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten ausgezahlt werden.
Für Ulrich von Glahn steht fest, dass sich der Aufwand lohnt. „Die Energiekosten spielen für Unternehmen natürlich eine große Rolle“, sagt er. „Wenn man durch moderne Technik effizienter arbeiten und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, ist das eine lohnende Investition in die Zukunft.“ Gerade bei komplexen Projekten sei es hilfreich, frühzeitig Beratung in Anspruch zu nehmen. „Allein nach möglichen Programmen zu recherchieren, ist für mittelständische Unternehmen im Tagesgeschäft kaum zu leisten.“
Begleitung beim Wandel
Die genannten Beispiele zeigen, wie vielfältig nachhaltiges Wirtschaften heute umgesetzt wird. Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist es, Unternehmen bei diesem Wandel zu begleiten durch Beratung, Vernetzung und passende Förderprogramme. Viele Projekte beginnen mit einer Idee und der Frage, nach ihrer wirtschaftlichen Umsetzung. Oft ist der erste Schritt ganz einfach … ein Gespräch.
Die Preisträger des Klima-Innovationspreises „klip26“ der Wirtschaftsförderung Stadt Oldenburg
Kontakt
Christian Haupt-Lengert
Klimaschutz/Nachhaltigkeit in Unternehmen
Telefon: +49 (0)441 235-2057
Fax: +49 (0)441 235-3130
E-Mail: christian.haupt-lengert[at]stadt-oldenburg.de
Zuletzt geändert am 15. Juni 2026






