Rudolf Bultmann

Rudolf Bultmann (geboren 1884 in Wiefelstede, gestorben 1976 in Marburg) war einer der bedeutendsten liberal protestantischen Theologen der Nachkriegszeit. Er wuchs in Oldenburg auf und besuchte dort das Alte Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Evangelische Theologie und Philosophie in Tübingen und Berlin.

Rudolf Bultmann hatte sich in den 1920er-Jahren der liberalen Theologie und der neuen Wort-Gottes-Theologie angeschlossen, der sogenannten dialektischen Theologie. Seit den 1940er-Jahren trat er dafür ein, dass das mythologische Weltbild der biblischen Schriften nicht einfach in die moderne Zeit mit einem wissenschaftlichen Weltbild übertragen werden könne. Mit seinem bis heute umstrittenen Programm der „Entmythologisierung“ des Neuen Testaments wollte er, ebenso wie sein Zeitgenosse Paul Tillich, die christliche Lehre für die Menschen des 20. Jahrhunderts verständlich machen und der christlichen Basis des Glaubens auf den Grund gehen. Die Lehren hätten seiner Meinung nach einen anderen Kern als einen vergangenen Mythos und eine vergangene Metaphysik. Bultmann empfing für sein Werk etliche Ehrendoktorate, bekam 1957 den Reuchlin-Preis und wurde 1969 in den Orden Pour le mérite gewählt.

„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“ (Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. 1941, Seite 18)