„Mein digitales Ich und ich“

„Hate speech“, „Hackspace“ und „Hands on": Dies waren nur einige der Schlagwörter zum Thema Digitalisierung, die beim 16. Netzwerktreffen Schule – Kultur zur Sprache kamen. Der Einladung des Kulturbüros unter dem Motto „Mein digitales Ich und ich – mediale Lebenswelten Jugendlicher in der Kulturellen Bildung“ waren rund 30 Menschen gefolgt, die in Oldenburg und umzu beruflich mit den sogenannten „Digital Natives“ zu tun haben. Sei es in Schule, Jugendhilfe, Kirche oder Kultur. Das kreativ:LABOR in der Kulturetage, das sich als Möglichkeitsraum für verschiedenste Initiativen versteht, bot einen stimmigen und stimmungsvollen Raum für die Offenheit und Vielfalt des Themas und der Teilnehmenden.

„Alles wie immer, nur digital?“
Diese provokante Einstiegsfrage stellte die Referentin Mechthild Eickhoff vom Kulturzentrum Dortmunder U in den Raum, um die Teilnehmenden anschließend zu fragen: Was bedeutet für Sie „Digitalisierung“? Professionell und privat? Aus der Fülle der Antworten wurde deutlich: Das Thema ist omnipräsent und durchzieht sowohl private Beziehungsformen (von der „Mama-App“ für die an Alzheimer erkrankte Mutter bis zur „verlängerten Nabelschnur“ zu den Kindern) als auch den Arbeitsalltag. So wird Digitalisierung als Türöffner zu Jugendlichen erfahren, als Vervielfältigung und Beschleunigung von Möglichkeiten mit der Gefahr des Kontrollverlusts, aber auch dem Potential für die Verschiebung von Macht und Deutungshoheit. Spannend! So zogen sich die Themen Prozessorientierung statt „Produktversprechen“, Teilen statt Besitzen, Zusammenarbeit statt Wettbewerb wie rote Fäden durch Mechthild Eickhoffs Einstiegsvortrag zum Thema „Lost in Space? Kulturelle Bildung zwischen Content-Management und (digitaler) Persönlichkeitsbildung“ . Groß war der Austauschbedarf über die angerissenen Themen und Fragen. Manche Gespräche konnten beim Kuchen draußen in der Sonne vertieft werden.
 

„Hands on“ bei den Praxis-Workshops
Doch dann hieß es schon „hands on“: Was eben noch theoretisch angedacht wurde, konnte nun praktisch erfahren werden. Florian Fortmann von KIDS2CODE führte spielerisch in die Grundlagen des Programmierens ein. Wenn mein Papa ein Computer wäre, wie bringe ich ihn dazu, mir ein Nutella-Brot zu schmieren? Klare Instruktionen zu geben, ist für das Programmieren unabdingbar – und erzeugt so manch rauchenden Kopf. Das erfuhren die Teilnehmenden, als sie eigens für den Workshop angefertigte Coding Bricks, ein von der Programmiersprache Scratch abgeleitetes analoges Lernmittel, wie Puzzle-Teile zu nachvollziehbaren Programmen legen sollten. Wer Mathe konnte, war klar im Vorteil…

Als Kabelsalat erschien auf den ersten Blick der Workshop „Mobile Music“, mit dem Jan Blum vom Edith-Russ-Haus für Medienkunst in die Musik mit Apps einführte. Stationenlernen digital: Immer zwei Teilnehmende eroberten spielerisch an einem Tablet eine Musik-App und erzeugten Klänge, nahmen sie auf – und löschten sie wieder, um Platz für die nächsten zu schaffen. Wer wollte, konnte sich die Klänge von weiteren Teilnehmenden zuschalten lassen und hatte plötzlich per Kopfhörer ein ganzes Orchester im Ohr.

Vervielfältigung - Verfügbarkeit - 1000 Möglichkeiten
Dass das Netzwerktreffen nur ein erster Impuls zum Thema Digitalisierung in der Kulturellen Bildung sein konnte, wurde aus den Rückmeldungen der Teilnehmenden deutlich. Zu groß ist das Thema, zu vielfältig die Erfahrungen, zu spannend die verschiedenen Fragen und Zugänge. Das liegt vermutlich auch am Wesen der Digitalisierung. Da ist noch viel gemeinsamer Austausch möglich und nötig. Ein erster Schritt ist gemacht.

Fernsehbeitrag

Mit freundlicher Genehmigung vom Oldenburger Lokalsender oldenburg eins (Oeins).

Weitere Impressionen

Alle Fotos: Dirk Lindes. © Stadt Oldenburg