„Ich hab gar nicht gemerkt, dass ich was lern“

So bringt ein Schüler in einer Studie von Biburger/Wenzlik (München 2009) das Potential von Kultureller Bildung in der Schule auf den Punkt: Lernen in Prozessen kultureller Bildung findet im besten Fall spielerisch und selbstbestimmt statt, quasi nebenbei.
Auf der Suche nach neuen Lernkulturen, nach mehr Bildungsgerechtigkeit und kultureller Teilhabe von Kindern und Jugendlichen begeben sich immer mehr Schulen gemeinsam mit Kulturakteuren auf den Weg einer „kulturellen Schulentwicklung“. Was Schulentwicklung durch Kulturelle Bildung bedeutet, wie sie aussehen und auf welche rechtliche und organisatorische Füße sie gestellt werden kann – das erfuhren die Teilnehmenden des 9. Netzwerktreffens Schule – Kultur.

Über 40 Teilnehmende, darunter Lehrkräfte und SchülerInnen, Kulturschaffende, KoordinatorInnen und MultiplikatorInnen, waren am 19. November 2014 der Einladung der Projektleitung Kulturelle Bildung ins Kulturzentrum Cadillac gefolgt.

Zu Beginn des Netzwerktreffens brachte Anja Krüger vom Koordinationsbüro Kultur macht Schule der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen Licht ins Dunkel der vertraglichen Bedingungen für Kooperationen zwischen Kultur und Schule. Nach dieser „harten Kost“ stellte sie exklusiv für Oldenburg das aktuelle niedersächsische Förderprogramm „SCHULE:KULTUR!“ » vor. Ziel dieses von der Stiftung Mercator und der niedersächsischen Landesregierung finanzierten Programms ist es, einen Schulentwicklungsprozess zu initiieren, in dem kulturelle Bildung zu einem zentralen Lernprinzip und Gestaltungselement im Schulalltag wird.
Nach diesem informativen Einblick richtete sich der Blick auf bereits gelingende Praxis kultureller Schulentwicklung.  Die Teilnehmenden konnten noch einmal miterleben, wie im vergangenen Schuljahr aus einzelnen Theater-AGs an der Oldenburger Cäcilienschule plötzlich ein großes Musical-Projekt wurde, in das zahlreiche Lehrkräfte und SchülerInnen involviert waren – die West Side Story. „Ich bin eigentlich nicht so ein Schlägertyp“, sagte der Schüler Thies Janßen schmunzelnd. Die intensive Arbeit an der eigenen Haltung und Sprache habe ihn aber selbstbewusster gemacht. Das bescheinigt ihm die Regisseurin des Projekts, die Schauspielpädagogin Stephanie Baak, auch gern in Form eines Kompetenznachweis Kultur ».

Nach einer Kaffeepause konnte der begonnene Austausch unter den Teilnehmenden in Form eines Speedmeetings fortgesetzt werden. Vor allem die Frage „Wenn Sie selbst wieder Schüler/in wären: Was würden Sie sich kulturell von Ihrer Schule wünschen?“  brachte den Erzählfluss ins Rollen.
Im letzten Teil des Netzwerktreffens kamen die Teilnehmenden dann noch einmal auf mehreren Ebenen in Bewegung. Als bewegend empfanden viele die Kurzdokumentation des Projekts „Handschlag“ an der BBS Ammerland, wo Schülerinnen, Lehrkräfte und Theaterpädagogen gemeinsam mit Mitteln des Theaters den Auftritt auf der beruflichen Bühne vorbereiten. Hier schafft das Theater etwas, das kein Bewerbungstraining und kein „normaler“ Unterricht bewirken konnte: die Jugendlichen zu berühren, zu bewegen und ihnen das Gefühl geben, etwas zu sagen zu haben. Fabian Becker hat dies in beeindruckender Weise filmisch festgehalten.
 

Schließlich kam der vielleicht bewegendste Teil des Netzwerktreffens: Schauspielerin Sabine Hess, die für den Verein Jugendkulturarbeit im Projekt „Handschlag“ (sowie dem aktuellen Nachfolgeprojekt „Auftritt“) mit den Jugendlichen arbeitet, zeigte anhand von einigen Übungen, wie Bewegung in eine Gruppe kommt, wie man mit theaterpädagogischen Kniffen die Kooperation in der Gruppe stärkt und wie man Menschen dazu bringt, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Die Teilnehmenden waren bewegt und begeistert.
So schloss sich am Ende eines informativen und bewegenden Nachmittags der Kreis: Kulturelle Bildung bewegt. Auch Schule.

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