Kinder, Räume, Werkstattträume

„Die Augen brauchen etwas, worüber sie stolpern können“, heißt es in der Reggio-Pädagogik.Beim 5. Netzwerktreffen Kita - Kultur am 29. März 2017 gab es viel, worüber sie stolpern konnten: Über 35 motivierte und engagierte Fachkräfte aus Kita und Kultur, einen Haufen weißer Gegenstände aus Alltagsmaterialien und die ansprechenden Räume in der Museumspädagogik.

Unter dem Motto „Kinder, Räume, Werkstattträume“ berichtete Antje Lorenz von Ihrer Arbeit in der Lorenzini Kunst-Kita im Hamburger Schanzenviertel. Anhand berührender Geschichten aus dem Alltag erläuterte sie unter anderem, was ein „Materialbuffet“ ist, welche Rolle die eigenen Kindheitserinnerungen für die kreative Arbeit mit Kindern spielen und warum die Grundregel „Räume deinen Arbeitsplatz auf“ unentbehrlich ist für das Zusammenleben in der Lorenzini Kunst-Kita. Die Kita orientiert sich stark an der Reggio-Pädagogik und versucht, den Kindern in verschiedenen Funktionsräumen (vom Rollenspielraum über eine Mini-Wohnung bis hin zum Kunst-Atelier) freies, selbstgesteuertes Lernen von Anfang an zu ermöglichen.

Nach einer leckeren Kaffeepause lernten die Teilnehmenden das Materialkonzept der Reggio-Pädagogik in der Praxis kennen. Jeder war eingeladen worden, drei kleine weiße Alltagsgegenstände mitzubringen. Diese bedeutungsoffenen Materialien sind wichtige Bestandteile der kreativen Arbeit in Remida und Reggio-Pädagogik. Zunächst galt es, die Gegenstände kollektiv in eine für alle stimmige Ordnung zu bringen. Ziel war es, sichtbar zu machen, was da ist, um es im nächsten Schritt künstlerisch zu verarbeiten. 

Doch bevor es ans „Verarbeiten“ ging, forschten die Teilnehmenden in ihren Erinnerungen zum Thema „Weiß“. Bewegende Anekdoten wurden erzählt: Von der ersten Schneehütte, den weißen Kommunionsschuhen oder den Taufkleidern der eigenen Kinder. Auf diese Weise berührt und mit der eigenen Biografie verbunden, brachte anschließend jeder die wichtigste Idee zu „Weiß“ in einem Kunstwerk aus Alltagsmaterialien zum Ausdruck – serviert auf einer weißen Pommesschale.

Beim kreativen Tun kamen viele verschiedene Institutionen an einen Tisch. Dabei stellte sich heraus: In Oldenburg ist das Thema Reggio-Pädagogik nicht neu. Für einige war das Netzwerktreffen eine wohltuende Bestätigung ihrer Arbeit, für andere eine Anregung, „vieles in der praktischen Arbeit zu überdenken, den Gruppenraum aktiver zu gestalten, mehr Alltagsgegenstände mit einbringen“. Das 5. Netzwerktreffen Kita – Kultur hat gezeigt, wieviel gute Ansätze zur kulturellen Bildung in der Kita bereits in Oldenburg gelebte Realität sind – und wie wichtig es ist, sich immer wieder zu vernetzen und zu stärken, neue Impulse zu erhalten. Und weiterhin an Strukturen zu arbeiten, die allen Kindern eine gute frühkindliche kulturelle Bildung von Anfang an ermöglichen.

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