Stadtrat Jan Bembennek über sein erstes Amtsjahr als Sozialdezernent, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Herausforderungen der Zukunft
Starke Impulse für ein soziales Oldenburg
04.08.2026
Oldenburg. Vor etwas mehr als einem Jahr wechselte Jan Bembennek von der Freien Hansestadt Bremen nach Oldenburg und übernahm das Dezernat für Soziales, Jugend und Gesundheit. Im Interview zieht er eine erste Bilanz, spricht über prägende Projekte und erklärt, warum die Zukunft einer Stadt vor allem in einem starken Miteinander liegt.
Herr Bembennek, wenn Sie Ihr erstes Amtsjahr in drei Begriffen zusammenfassen müssten – welche wären das?
Zuhören. Vernetzen. Gestalten. Das erste Jahr war vor allem davon geprägt, die Stadt, die Menschen und die vielen engagierten Akteurinnen und Akteure kennenzulernen. Mir war wichtig, zuzuhören und zu verstehen, wo die Herausforderungen liegen und welche Ideen bereits vorhanden sind. Gleichzeitig haben wir viele Themen gemeinsam auf den Weg gebracht – von der Weiterentwicklung der Altenhilfe über die Stärkung der Quartiere bis hin zu neuen Impulsen für Integration, Pflege und Kinder- und Jugendpolitik.
Mit welchem Gefühl blicken Sie insgesamt auf Ihr erstes Amtsjahr zurück?
Mit einem sehr guten. Es war ein intensives Jahr mit vielen Begegnungen, neuen Eindrücken und wichtigen Entscheidungen. Ich habe Oldenburg als offene, engagierte und lebenswerte Stadt kennengelernt. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele Menschen sich ehrenamtlich oder beruflich für andere einsetzen. Dieses Engagement ist ein großes Pfund unserer Stadt und es ist absolut nicht selbstverständlich. Gleichzeitig habe ich schnell gemerkt, dass die sozialen Herausforderungen nicht kleiner werden. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Sie sind mit dem Anspruch gestartet, „mit und für Menschen“ arbeiten zu wollen. Hat sich dieser Eindruck bestätigt?
Absolut. Das ist genau das, was kommunale Sozialpolitik ausmacht. Es geht nicht um abstrakte Konzepte, sondern um den Alltag der Menschen. Ob Familien, Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Menschen, die neu nach Oldenburg kommen – unsere Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf ihr Leben aus. Deshalb ist mir wichtig, viel zuzuhören und vor Ort zu sein. Gute Sozialpolitik entsteht im Dialog.
Gab es in Ihrem ersten Amtsjahr einen Moment oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es viele. Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Menschen, die sich oft ganz selbstverständlich für andere einsetzen – ob Integrationslotsinnen und Integrationslotsen, Ehrenamtliche in den Stadtteilen, Mitarbeitende in der Pflege oder Fachkräfte in der Kinderbetreuung. Sie alle zeigen, wie viel Zusammenhalt in unserer Stadt steckt. Diese Begegnungen machen deutlich, dass soziale Politik immer eine Gemeinschaftsaufgabe ist.
Welche Themen haben Ihr erstes Amtsjahr besonders geprägt?
Der demografische Wandel, die Sicherung der Pflege, die Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit sowie Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt waren sicherlich die großen Schwerpunkte. Gleichzeitig haben wir viele kleinere Projekte angestoßen, die vielleicht weniger Aufmerksamkeit bekommen, für die Menschen vor Ort aber einen großen Unterschied machen. Genau darin liegt für mich die Stärke kommunaler Politik.
Ein Meilenstein war das Handlungskonzept „Selbstbestimmt und mittendrin“ für ein altersgerechtes Oldenburg. Warum war Ihnen dieses Thema so wichtig?
Weil wir heute die Grundlagen dafür schaffen müssen, wie wir morgen leben wollen. Die Menschen werden älter – das ist eine erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Pflege, Mobilität, Wohnen und soziale Teilhabe. Besonders beschäftigt mich das Thema Einsamkeit. Das betrifft längst nicht mehr nur ältere Menschen. Deshalb brauchen wir Orte der Begegnung in den Quartieren und eine Stadt, die soziale Nähe ermöglicht. Das Handlungskonzept ist dafür ein wichtiger Kompass.
Sie haben das Thema Pflege mehrfach als eine der größten Zukunftsaufgaben bezeichnet. Warum?
Weil der Fachkräftemangel und die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen uns bereits heute vor enorme Herausforderungen stellen. Deshalb wollten wir nicht nur Probleme beschreiben, sondern konkrete Lösungen entwickeln. Mit dem Think Tank Pflege hat Oldenburg ein innovatives Format, das unterschiedliche Expertinnen und Experten aus der Pflege oder von den Hochschulen gemeinsam mit der Stadtverwaltung konkrete Projektideen entwickelt und neue Wege erprobt. Einige von diesen Ideen konnten auch schon umgesetzt werden. Ich bin überzeugt, dass wir gerade auf kommunaler Ebene Innovationen anstoßen können.
Ein weiterer Schwerpunkt Ihres Dezernats ist Integration. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Oldenburg ist eine vielfältige Stadt mit Menschen aus mehr als 150 Nationen. Diese Vielfalt ist eine Stärke. Integration gelingt aber nicht von allein. Sie braucht Begegnung, gegenseitigen Respekt und Menschen, die Brücken bauen. Das wird jedes Jahr beim Integrationspreis sichtbar. Dort erleben wir Projekte, Vereine und Ehrenamtliche, die mit großem Engagement dafür sorgen, dass Menschen dazugehören. Diese Arbeit verdient unsere Anerkennung und unsere Unterstützung.
Sie sprechen häufig vom gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wie kann eine Stadt diesen fördern?
Indem sie Beteiligung ermöglicht. Deshalb freue ich mich besonders über die neuen Stadtteilbudgets. Sie geben Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre Ideen direkt im eigenen Quartier umzusetzen. Das können Nachbarschaftsfeste, Workshops oder Begegnungsangebote sein. Solche Projekte stärken das Miteinander und zeigen: Die besten Ideen entstehen oft dort, wo Menschen ihren Stadtteil am besten kennen.
Ihr Dezernat umfasst außerdem das Gesundheitsamt. Welche Rolle spielt Prävention für Sie?
Eine sehr große. Gesundheit beginnt nicht erst im Krankenhaus oder in der Arztpraxis. Prävention bedeutet, Menschen frühzeitig zu informieren und zu unterstützen. Das haben wir beispielsweise mit dem „Oldenburger Info-Happen“ für 65-Jährige oder dem Tag des Gesundheitsamtes gezeigt. Gesundheit, Bewegung, Teilhabe und Ehrenamt gehören für mich eng zusammen.
Kinder und Familien standen ebenfalls im Fokus – unter anderem mit der Weiterentwicklung der Förderung der Jugendarbeit und der Würdigung der Beschäftigten in der Kinderbetreuung. Warum setzen Sie hier Akzente?
Weil Kinder unsere Zukunft sind. Gute Bildungs- und Betreuungsangebote schaffen Chancengerechtigkeit und entlasten Familien. Gleichzeitig verdienen die Menschen, die täglich in Kitas und der Kindertagespflege arbeiten, höchste Wertschätzung. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft.
Was wünschen Sie sich, wenn Sie in einem Jahr erneut auf Ihre bisherige Amtszeit zurückblicken?
Ich wünsche mir, dass wir sagen können: Wir haben Oldenburg gemeinsam ein Stück sozialer gemacht. Dass Menschen spüren, dass ihre Ideen ernst genommen werden, dass Teilhabe gelingt und dass wir den Zusammenhalt in unserer Stadt weiter gestärkt haben. Die Herausforderungen werden nicht kleiner – aber ich bin überzeugt, dass wir sie gemeinsam bewältigen können. Wenn uns das gelingt, dann hat sich die Arbeit gelohnt.

Zuletzt geändert am 4. August 2026
Zuletzt geändert am 29. Juni 2026