Die Meldestelle Antifeminismus dokumentierte im Jahr 2025 insgesamt 640 antifeministische Vorfälle. Das Dunkelfeld dürfte aber deutlich größer sein, da nicht alle Fälle erfasst oder gemeldet werden. Anhand der Zahlen ist eine deutliche Verschärfung antifeministischer Angriffsdynamiken erkennbar. Besonders stark nahmen Vorfälle mit misogynen Motiven (+60 Prozent auf 166 Fälle) sowie im Themenfeld geschlechtsspezifische Gewalt zu (+35 Prozent auf 113 Fälle). Knapp ein Drittel aller gemeldeten Fälle (209) entfiel auf den digitalen Raum.
Vor allem digitale und gegen Strukturen gerichtete Vorfälle
Die Analyse der Vorfälle zeigt eine Zunahme antifeministisch motivierter, geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese nimmt neue und zunehmend technologisierte Formen an. Per Klick können Deepfake-Vergewaltigungsbilder erstellt und tausendfach im Netz verbreitet werden. Zum Angriffsgeschehen im digitalen Raum gehörten Vorfälle, bei denen Inhalte, die schwerwiegende misogyne, sexualisierte und physische Gewalt propagieren, massenhaft und in organisierter Weise verbreitet wurden. Regelmäßig gingen Meldungen zu entsprechenden Plattformen und Gruppen ein.
Neben der digitalen Verbreitung von Hass und Misogynie spielte im vergangenen Jahr auch das organisierte Vorgehen gegen Strukturen eine zentrale Rolle, wie zum Beispiel die gezielte Einschüchterung von Menschen, die sich für Gleichstellung, Demokratie und den Schutz vor Gewalt einsetzen. Neue Höchststände erreichten die Zahlen der Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen (169 Meldungen) und engagierte Einzelpersonen (170). Besonders Frauenorganisationen und Fachverbände im Feld geschlechtsspezifischer Gewalt werden zunehmend aggressiver und gezielter angegriffen. Dies betrifft sowohl die Strukturen als solche wie auch Mitarbeiter*innen, die beispielsweise im bundesweiten Hilfesystem Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt unterstützen. Dokumentiert wurden unter anderem Bedrohungen, sexualisierte Übergriffe, Sachbeschädigungen und Brandstiftungen sowie die Veröffentlichung geschützter Adressen von Frauenhäusern.
Die Vorfälle verdeutlichen eine strategische Einschränkung demokratischer Teilhabe und den Abbau von Geschlechtergerechtigkeit.
Stimmen zum Lagebild
Mit Blick auf die Zahlen für das Jahr 2025 erklärt Dr. Atlanta Ina Beyer, Projektkoordination beim Trägerverein Lola für Demokratie e.V.: „Frauenpolitisches Engagement und der Schutz vor Gewalt sollen delegitimiert und zurückgedrängt werden. Der Blick auf die Zusammenhänge ist wichtig. Antifeministische Narrative bilden den ideologischen Rahmen, innerhalb dessen verschiedenste Akteur*innen – unter anderem Gleichstellungsbeauftragte, Beratungsstellen für von Gewalt betroffene Frauen oder Politiker*innen – als Feindbilder markiert und eingeschüchtert werden. In der Gesamtheit antifeministischer Angriffe wird deutlich, dass geschlechtsspezifische Gewalt nicht nur Angriffsthema und –mittel ist, sondern auch gezielt normalisiert wird.“
Aufgrund der Datenlage fordert Palo Quirion, Referent*in der Meldestelle Antifeminismus, eine Gesamtstrategie im Umgang mit Antifeminismus in Politik und Zivilgesellschaft: „Der Gesamtheit der Gewalt auf Gleichstellungs- und Selbstbestimmungsrechte lässt sich nur dann wirksam begegnen, wenn die zerstörerischen Auswirkungen von Antifeminismus auf demokratische Strukturen und Prinzipien endlich ernstgenommen werden.“
Über die Meldestelle Antifeminismus
Erfahrungen mit antifeministischen Angriffen können auf der Webseite der Meldestelle Antifeminismus übermittelt werden. Als zivilgesellschaftliches Dokumentations- und Unterstützungsnetzwerk erfasst die „Meldestelle Antifeminismus“ seit 2023 antifeministische Vorfälle in Deutschland und wertet sie systematisch aus. Ziel ist es, die Auswirkungen des breiten gesellschaftlichen Antifeminismus sichtbarer zu machen.
Betroffene können auf Wunsch weiterführende Informationen und Unterstützung erhalten. Die „Meldestelle Antifeminismus“ arbeitet seit 2025 in Trägerschaft des Vereins „Lola für Demokratie“. Ein neues Projekt bei LOLA widmet sich dem Aufbau einer „Zentralen Anlaufstelle und Fachberatung bei organisierter Frauenfeindlichkeit und Antifeminismus (ZAFFA)“. Die Fachberatungs- und Qualifizierungsangebote zu Antifeminismus richten sich vor allem an gleichstellungspolitisch Aktive, Frauenorganisationen, Unterstützungsstrukturen für Gewaltbetroffene, Selbstvertretungs- und Bildungsprojekte, zum Beispiel der LSBTIQA+ Community. Das Projekt ZAFFA wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ gefördert.
Weitere Informationen
Kontakt
Dr. Atlanta Ina Beyer, Projektkoordination bei Lola für Demokratie e.V.: E-Mail info[at]lola-fuer-demokratie.de
Palo Quirion, Referent*in der Meldestelle Antifeminismus, E-Mail: team[at]antifeminismus-melden.de
Zuletzt geändert am 23. Juli 2026