Nachtfalter unterscheiden sich in einigen Punkten – Bei einem der Insekten ist Vorsicht geboten
Eichenprozessionsspinner oder Gespinstmotte?
28.05.2026
Oldenburg. Sind Äste, Blätter oder Büsche in weiße Schleier gehüllt, stellt sich eine Frage: Steckt ein Eichenprozessionsspinner oder eine Gespinstmotte dahinter? Da sich die Hinweise besorgter Bürgerinnen und Bürger beim städtischen Umwelttelefon in den vergangenen Tagen wieder häuften, gibt der Fachdienst Naturschutz und technischer Umweltschutz einige Tipps, um die beiden Nachtfalter zu unterscheiden.
Larven der Gespinstmotte werden im Frühjahr aktiv
Die Gespinste der Gespinstmotten werden häufig mit denen des Eichenprozessionsspinners verwechselt, sind jedoch für Mensch und Tier vollkommen harmlos. Die Weibchen legen ihre Eier im Herbst ab, die daraus schlüpfenden Raupen überwintern ohne Nahrungsaufnahme. Im folgenden Frühjahr (April/Mai) werden die Larven aktiv, was bei einem Massenbefall zu Kahlfraß an den betroffenen Bäumen oder Sträuchern führen kann. Zum Schutz vor Fressfeinden und Witterungseinflüssen spinnen sich die Motten ein. Mitte/Ende Juni folgt die Verpuppung, der Schlupf kann sich bis in den August hinziehen. Nach der Paarung wiederholt sich der Zyklus.
Befallene Bäume treiben wieder aus
Heimische Gehölze haben sich entsprechend angepasst. Nach dem Schlupf der Gespinstmotte zerfallen die Gespinste schnell. Eine Bekämpfung ist nicht nötig und auch nicht sinnvoll, da die Raupen im Inneren des Gespinstes nicht erreicht werden. Aus diesem Grund erfolgt auch keine Bekämpfung befallener Gehölze im öffentlichen Grün. Die von den Gespinstmotten befallenen Bäume treiben außerdem oft noch im selben Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr wieder aus. Im Übrigen dienen Gespinstmotten unter anderem Vögeln und Schlupfwespen als Nahrung.
Während der Eichenprozessionsspinner seine Eier ausschließlich an Eichen ablegt, befallen Gespinstmotten ganz andere Bäume und Sträucher – beispielsweise Pfaffenhütchen, Weißdorn, Eberesche, Traubenkirsche oder Obstgehölze – und spinnen diese oft vollständig ein. Ihre Raupen sind glatt, grau oder hell gefleckt.
Jeden direkten Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern vermeiden
Der Eichenprozessionsspinner kann für Menschen und Tiere wiederum ernsthafte gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Etwa ab Juni bilden die Raupen ihre typischen Nester in Astgabeln und an Stämmen von Eichen. Nachts wandern sie in langen Reihen zur Nahrungsaufnahme in die Krone – diese namensgebenden „Prozessionen“ sind für Laien gut erkennbar. In dieser Zeit gelten folgende Hinweise:
- Die Raupenhaare enthalten ein Nesselgift, das bei Hautkontakt starke Reizungen und allergische Reaktionen wie etwa Juckreiz, Rötung, Quaddeln, Bläschenbildung oder Atemwegsbeschwerden auslösen kann.
- Auch Tiere wie Hunde, Pferde, Katzen oder Vögel können betroffen sein.
- Nach dem Schlüpfen bleiben die giftigen Brennhaare in den Nestern zurück und können bis zu einem Jahr lang eine Gefahrenquelle darstellen, selbst auf dem Boden.
- Jeder direkte Kontakt mit den Gespinsten oder Nestern sollte daher unbedingt vermieden werden.
- Wer versehentlich mit den Härchen in Berührung kommt, sollte sofort duschen, die Kleidung bei mindestens 60 °C waschen und bei Beschwerden eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Dabei sollte der mögliche Kontakt zu den Raupen erwähnt werden.
Die Bekämpfung beziehungsweise das Absaugen der Nester wird bei städtischen Bäumen durch die Stadtverwaltung beauftragt. Eigentümerinnen und Eigentümer von anderen befallenen Bäumen sind selbst für die Entfernung der Nester verantwortlich. Dafür sollte stets eine Fachfirma beauftragt werden.
Mehr erfahren
Bei Fragen helfen die Mitarbeitenden der Unteren Naturschutzbehörde telefonisch unter 0441 235-2777 oder per E-Mail an naturschutz[at]stadt-oldenburg.de gerne weiter. Gesicherte Hinweise auf das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners an städtischen Bäume können Bürgerinnen und Bürger per E-Mail an stadtgruen[at]stadt-oldenburg.de melden.
Zuletzt geändert am 28. Mai 2026
Zuletzt geändert am 1. September 2026