Seit dem 1. Juli 2025 ist Holger Denckmann (42) Dezernent für Schule, Sport, Kultur und Gebäudewirtschaft. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören das Amt für Schule, Bildung und Sport, das Amt für Kultur und Museen sowie der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau. Im Gespräch blickt er auf sein erstes Amtsjahr zurück, spricht über prägende Projekte und erklärt, warum für ihn gute Verwaltung vor allem eines bedeutet: Menschen und Themen zusammenzubringen.
Herr Denckmann, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag als Dezernent?
Ja, sehr gut. Es waren über 30 Grad und die ganze Stadtspitze war von der Ratssitzung des Vortages noch etwas müde. Zum Einstand habe ich meine Kolleginnen und Kollegen in den Dezernatsleitungen besucht. Ganz neu war die Stadtverwaltung für mich natürlich nicht. Durch meine Zeit als Leiter der städtischen Musikschule kannte ich viele Abläufe sowie zahlreiche Mitarbeitende bereits. Trotzdem war der Wechsel in die Dezernatsleitung noch einmal etwas völlig anderes. Mit der neuen Aufgabe hat sich der Blick deutlich geweitet. Plötzlich trägt man Verantwortung für ganz unterschiedliche Bereiche – von Schulen und Sport über Kultur bis hin zu großen Bauprojekten. Mir war schnell klar: Jetzt geht es darum, viele Themen zusammenzuführen und strategisch für die gesamte Stadt weiterzuentwickeln und vor allem auch Mehrheiten für sie zu finden.
Hat Ihnen Ihre Zeit als Musikschulleiter dabei geholfen?
Absolut. Ich wusste, wie Verwaltung funktioniert und welche Herausforderungen die Einrichtungen im Alltag haben. Gleichzeitig hilft es natürlich, wenn man viele Menschen bereits kennt und auf gewachsene Vertrauensverhältnisse aufbauen kann. Trotzdem lernt man in einer solchen Funktion jeden Tag dazu und deutlich mehr Menschen kennen, weil die Themenbreite und die Verantwortung noch einmal deutlich größer sind. Meine Flughöhe ist merklich gestiegen. Anders als zu Musikschulzeiten bin ich häufig nicht selbst derjenige, der direkt Abhilfe schaffen kann, sondern vielmehr derjenige, der Türen öffnet, Hindernisse aus dem Weg räumt oder andere zur Lösung von Problemen einsetzt.
Wenn Sie dieses erste Jahr in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?
Vielfältig. Anspruchsvoll. Zukunftsorientiert.
Warum gerade zukunftsorientiert?
Weil fast jede Entscheidung, die wir treffen, weit über die aktuelle Wahlperiode hinaus wirkt. Wenn wir heute eine Schule erweitern, eine Sporthalle planen oder ein Kulturprojekt anstoßen, schaffen wir Infrastruktur und Angebote für die nächsten Jahrzehnte. Das empfinde ich als große Verantwortung.
Der Schulbereich hat Ihr erstes Amtsjahr mitgeprägt. Was waren hier die größten Herausforderungen?
Der Ausbau unserer Bildungsinfrastruktur ist ohne Frage eines der größten Themen. Wir investieren derzeit an mehreren Standorten gleichzeitig in Neubauten, Erweiterungen und Sanierungen. Das alles muss organisiert werden, ohne dass der Unterricht darunter leidet. Wobei man sich hier auch ehrlich machen muss: Baustellen an Schulen stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen und da fallen im wahrsten Wortsinn auch Späne. Ein Beispiel für die Tätigkeit im Schulbau sind die Interimsschulen an der Alexanderstraße. Sie sind weit mehr als eine Übergangslösung. Sie schaffen erst die Voraussetzung dafür, dass wir mehrere große Bauprojekte parallel umsetzen können.
Während neue Schulgebäude entstehen oder bestehende Schulen umfassend saniert werden, ermöglichen sie einen verlässlichen Schulbetrieb. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das kurzfristige, räumliche Veränderungen, langfristig schaffen wir Schulgebäude, die Anforderungen an moderne pädagogische Arbeit gerecht werden.
Es gilt aber auch den Bestand zu sanieren und „unsere Schulen“ zu verstehen und bestmöglich zu unterstützen. Deswegen habe ich in meinem ersten Jahr fast 40 Schulen besucht. Neben baulichen Problemen betrachten wir mit Sorge, wie es um die Bildungsgerechtigkeit auch in unserer Stadt bestellt ist.
Sie verantworten außerdem den Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau. Dort laufen zahlreiche Millionenprojekte gleichzeitig. Schläft man da eigentlich ruhig?
(Lacht.) Meistens schon. Aber natürlich trägt man Verantwortung. Entscheidend ist, dass wir hervorragende Fachleute in den Projekten haben, auf die Verlass ist und die viel Know-how einbringen, um auch so technisch anspruchsvolle und höchst komplexe Themen wie die Sanierung der Tiefgarage am Stadtmuseum zu steuern. Mindestens genauso wichtig sind aber Veränderungen, die man von außen gar nicht sofort sieht. Zum 1. Januar dieses Jahres haben wir den Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Hochbau organisatorisch neu aufgestellt. Damit schaffen wir klarere Verantwortlichkeiten, stärken die Zusammenarbeit und verbessern die Steuerung unserer zahlreichen Projekte. Solche strukturellen Veränderungen wirken vielleicht weniger spektakulär als ein Neubau, sie sind aber entscheidend dafür, dass wir unsere Aufgaben künftig effizienter erfüllen können.
Neben Bildung und Gebäuden gehört auch die Kultur zu Ihrem Dezernat. Welcher Moment ist Ihnen aus dem vergangenen Jahr besonders in Erinnerung geblieben?
Ganz eindeutig die Eröffnung des neuen Stadtmuseums. Nach vielen Jahren Planung und Bau das fertige Haus zu erleben und zu sehen, wie viele Menschen es gleich zu Beginn angenommen haben, war ein besonderer Moment. Mich begeistert vor allem das Konzept. Das Museum versteht sich nicht nur als Ort, an dem Geschichte bewahrt wird, sondern als Ort des Austauschs und der Begegnung. Es lädt dazu ein, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Stadt miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau das wünsche ich mir von einer modernen Kultureinrichtung. Mit dem gemeinsamen Foyer und Café mit dem Horst-Janssen-Museum ist ein neuer Ort entstanden, der ohne Eintritt zum Verweilen einlädt.
Gibt es ein Projekt, das beispielhaft zeigt, wie gut die unterschiedlichen Bereiche Ihres Dezernats zusammenarbeiten?
Ja, das Stadionsingen war dafür ein wunderbares Beispiel. Es wurde erstmals und gemeinsam von der Musikschule und dem Fachdienst Sport organisiert. Zwei Bereiche, die auf den ersten Blick gar nicht so viel miteinander zu tun haben, haben zusammen ein Veranstaltungsformat entwickelt, das viele Menschen begeistert hat. Solche Symbiosen zeigen, dass Kultur und Sport viel mehr miteinander verbindet, als man vielleicht zunächst denkt. Beide schaffen Gemeinschaft und bringen Menschen zusammen.
Solche Projekte entstehen aber nicht nur zufällig. Wir haben auch organisatorisch Weichen gestellt, um die Zusammenarbeit innerhalb des Dezernats weiter zu stärken. So gehört der Fachdienst Sport seit dem 1. Juli 2026 zum Amt für Schule, Bildung und Sport. Damit tragen wir der engen Verzahnung von Schule und Sport Rechnung, bündeln Kompetenzen und schaffen kürzere Wege. Davon profitieren letztlich nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch Schulen, Vereine und die Menschen in unserer Stadt.
Gab es in Ihrem ersten Amtsjahr auch Momente, in denen Sie gedacht haben: Das habe ich mir einfacher vorgestellt?
Ja, durchaus. Kommunale Entscheidungen brauchen Zeit. Viele Themen sind komplex, weil unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden müssen. Manchmal wünscht man sich schnellere Lösungen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass gute Entscheidungen oft davon profitieren, wenn man sich die Zeit nimmt, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Verzögerungen, gerade bei Bauprojekten, zu verantworten oder das öffentliche Vergabewesen und Bearbeitungszeiten zu erklären, ist nicht immer einfach.
Was macht Ihnen persönlich an Ihrer Aufgabe am meisten Freude?
Die Vielfalt. Kein Tag gleicht dem anderen. Und ich schätze den direkten Austausch – mit Schulen, Kultureinrichtungen, Sportvereinen, Mitarbeitenden, den politischen Fraktionen oder Bürgerinnen und Bürgern. Daraus entstehen oft die besten Ideen. Verwaltung funktioniert aus meiner Sicht dann besonders gut, wenn sie zuhört und gemeinsam Lösungen entwickelt. Der Zusammenhalt in der mit Jan Bembennek und mir erweiterten Dezernentinnen- und Dezernenten-Runde hilft, Dinge zu bewegen und zuversichtlich nach vorn zu schauen.
Wenn man Menschen in Ihrem Umfeld fragt, beschreiben viele Sie als jemanden, der Bereiche miteinander vernetzen möchte. Ist das ein Führungsanspruch, den Sie selbst an sich haben?
Ja, das entspricht tatsächlich meinem Verständnis von Führung. Gute Ideen brauchen „Wind unter den Flügeln“ und eine Kultur des Möglichmachens. Die besten Ideen entstehen selten im Alleingang. Sie entstehen dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenkommen. Kulturschaffende haben hier einen ganz besonderen Blick auf die Stadtverwaltung und auch Sportvereine nehmen selten ein Blatt vor den Mund – beides empfinde ich als enorm bereichernd. Vielleicht bringe ich diesen Gedanken auch aus meiner Zeit an der Musikschule mit. Dort erlebt man jeden Tag, dass ein gutes Ergebnis nur im Zusammenspiel vieler entsteht. Dieses Prinzip gilt für eine Stadtverwaltung im Zusammenwirken mit der Stadtgesellschaft genauso. Wenn Schule, Kultur, Sport und Gebäudewirtschaft gemeinsam an Zielen arbeiten und Vernetzungen aufbauen, entstehen Lösungen, die jeder Bereich für sich allein kaum erreichen könnte.
Zuletzt geändert am 21. Juli 2026


